Präsident des VfB Stuttgart Claus Vogt erklärt Aufklärung des Datenskandals ist Chefsache

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Claus Vogt ergreift in der Datenaffäre erste Maßnahmen. Zudem treibt der Präsident des VfB Stuttgart die Untersuchungen mit Hilfe von außen voran. Was ist dabei zu erwarten?

Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger (links) und der Präsident Claus Vogt sehen sich beim VfB Stuttgart in der Pflicht. Sie wollen in der Datenaffäre Transparenz schaffen.VfB-Präsident Claus Vogt sieht sich in der Pflicht. Foto: Baumann
Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger (links) und der Präsident Claus Vogt sehen sich beim VfB Stuttgart in der Pflicht. Sie wollen in der Datenaffäre Transparenz schaffen.VfB-Präsident Claus Vogt sieht sich in der Pflicht. Foto: Baumann

Stuttgart - Claus Vogt hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass ihm der VfB Stuttgart am Herzen liegt. Darum ist er Vereinsmitglied geworden. Darum hat er sich in den Wahlkampf um die Präsidentschaft gestürzt. Und darum erklärt er die Aufklärung der Datenaffäre beim Fußball-Bundesligisten zur Chefsache.

Bestürzt ist Vogt gewesen, als er vom mutmaßlichen Datenschutzverstoß im Verein erfuhr. In den Jahren von 2016 bis 2018 sollen Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben worden sein. So hat es das Fachmagazin „Kicker“ am Montag berichtet. „Wenn er denn so stattgefunden hat, wäre das für mich ein nicht zu akzeptierender Tabubruch und würde kein gutes Licht auf den VfB werfen“, sagt Vogt.

Transparenz ist gefragt

Noch liegt in dem komplexen Zusammenhang einiges im Dunkeln. Doch auch das passt nicht zu den Grundsätzen von Präsident Claus Vogt und dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger. Sie sprechen gerne von einer neuen Vereinskultur, die beim VfB Einzug halten soll, geprägt von Transparenz und Ehrlichkeit. Bei diesem heiklen Thema sind nun genau diese Werte gefragt. „Das Präsidium hat unverzüglich eine externe, transparente, kritische, neutrale und unabhängige Aufarbeitung beschlossen“, erklärt Vogt.

Erste Konsequenz: die betroffenen Mitarbeiter werden ihre Aufgaben für den Zeitraum der laufenden Untersuchungen ruhen lassen. „Zu ihrem eigenen Schutz“, wie es heißt. Das betrifft zunächst den Kommunikationsdirektor Oliver Schraft und den Marketingleiter Uwe Fischer. Abgestimmt ist die Maßnahme mit dem AG-Boss Hitzlsperger. Zudem wurde ein Lenkungsausschuss eingesetzt. Dessen Leitung übernimmt Vogt, der ja auch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Damit setzt sich Vogt an die Spitze der Aufklärungsarbeit: „Ich übernehme die Verantwortung im Lenkungsausschuss, so dass im Interesse aller Mitglieder diese Thematik vollständig aufgearbeitet wird.“

Viele Details sind zu beachten

Mit der Hilfe von außen soll das geschehen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, wieder zu mauscheln. Wochen wird das dauern, da es viele Details und juristische Sachverhalte zu beachten gilt. Und das über einen langen Zeitraum, denn schon im März 2016 soll ein erster Datensatz übermittelt worden sein. Damals war Bernd Wahler Präsident, im Vorstand saßen damals wie heute Stefan Heim (Finanzen) und Jochen Röttgermann (Marketing). Weitere Datensätze mit persönlichen Informationen von Mitgliedern sollen im Februar 2017 weitergeleitet worden sein, als Wolfgang Dietrich Präsident war. Im Herbst 2018 sollen erneut Datensätze per Mail verschickt worden sein.

Adressat war jeweils Andreas Schlittenhardt, der mit seiner Medienagentur im Auftrag des VfB arbeitete. Wahler hatte mit dem PR-Unternehmer eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Er sollte wohl auch helfen, den Informationsfluss an die Mitglieder vor der geplanten Ausgliederung zu steuern – im Sinne des Auftraggebers, der für ein Ja plädierte.

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Dieser fragwürdige Ansatz im Umgang mit ihnen ist das miese Gefühl, dass bei vielen Mitgliedern jetzt vorherrscht. Sie seien subtil beeinflusst worden. Weshalb es darum geht, zu durchleuchten, wer was wann wusste, und wer letztlich in der Verantwortung steht. Das könnte bis in die oberste Führungsebene reichen. „Das Vertrauen unserer Mitglieder ist eines der bedeutendsten Fundamente unseres Vereins“, sagt Vogt, der den Prozess unabhängig von der sportlichen Entwicklung vorantreiben will. Trainer und Team sollen Fußball spielen und Punkte holen – der Präsident will verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.




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