Premiere beim Ehninger Kulturverein Theaterdesaster in Mundart

Ach du meine Güte – das soll „Romeo und Julia“ werden? Ja, und zwar sehr unterhaltsam. Foto: Eibner-Pressefoto/Maxi Saier

Nach mehreren Rückschlägen bringt das Ensemble des Ehninger Kultur- und Theaterkellers wieder ein Stück auf die Bühne. Einen Schwank, in dem sich Laien an „Romeo und Julia“ versuchen.

Da hätte sich Shakespeare wohl im Grabe umgedreht: Im Stück „Theater macht Freude“ möchte die Schauspielgruppe des Gesangvereins Schönbuch-Echo eine eigenwillig umgedeutete Romeo-und-Julia-Variante einstudieren. Da ihnen aber der Regisseur entnervt weggelaufen ist, muss ein neuer her. Das schwäbische Energiebündel Susi (Dorit Hornstein) holt Frau Meier, die angesichts der dilettantischen Mimen und des Machwerks, in das sie das „Wunderwerk der Weltliteratur“ verwandelt haben, um Fassung ringt. Die Schauspieler haben die Handlung auf einem Mosthof in Sindelfingen angesiedelt, sprechen breitestes Schwäbisch, vergessen den Text (auch die Souffleuse) und glänzen auch sonst mit Eigensinn und Unkenntnis.

 

Vom Pech verfolgt

Der Schwank „Theater macht Freude“ stammt von der Theater-Autorin Claudia Gysel aus Wilchingen in der Schweiz, die Regie an einem Amateurtheater führt. Die Ehninger Schauspieler haben sich das leichte, kurze Stück (ein Akt) ausgesucht, um wieder Kontinuität ins Theaterschaffen zu bringen, denn in den letzten Jahren war die Gruppe vom Pech verfolgt. „Das war schon frustrierend“, erinnert sich Rainer Pohl von Elbwehr, der erste Vorsitzende des Ehninger Kultur- und Theaterkellers e. V.

Aufgrund der Corona-Lockdowns mussten sie im Winter 2020 und 2021 sowohl Ödön von Horváths Komödie „Zur schönen Aussicht“ als auch eine Aufführung mit Loriot-Szenen absagen. 2023 sollte es dann endlich wieder losgehen. Doch kurz vor der Premiere der Komödie „Vom Winde verweht – echt jetzt?!“ erkrankte die Hauptdarstellerin Dorit Hornstein und war mehrere Monate außer Gefecht gesetzt. Sie ist jetzt wieder mit unverminderter Energie dabei. Doch andere Mitglieder des Theaterensembles haben sich nach den Rückschlägen vorübergehend zurückgezogen. Sie engagieren sich zwar weiterhin bei der Organisation der vielen Kleinkunst-Darbietungen im Ehninger Kultur- und Theaterkeller, aber das Theaterspiel haben sie erst einmal aufs Eis gelegt.

Drei Neue im Ensemble

Auch finanziell war es nicht einfach, Ursula Trägner, die zweite Vorsitzende, musste mit privaten Mitteln einspringen. Also hieß für Rainer Pohl von Elbwehr erst einmal die Devise zurück auf Null mit einem neuen Stück. Glücklicherweise konnte das Ensemble aber drei neue Mitglieder gewinnen, nicht zuletzt dank der Theater-Workshops, die der Verein regelmäßig veranstaltet. Und so wurde ab Oktober ein neues Stück einstudiert.

Judith Petzold hat in ihrer Jugend schon im Schultheater Erfahrung gesammelt, Dieter Braun wirkt in der Bondorfer Theatergruppe und Waltraud Lemmle am Naturtheater Renningen. Wie ist ihnen der Einstieg gelungen? „Dadurch, dass es gerade kein festes Ensemble war, war es nicht schwer reinzukommen“, sind sie sich einig. Rainer Pohl von Elbwehr ist voll des Lobes über ihr Engagement. Fehlte noch eine Regisseurin – ähnlich wie in dem dargebotenen Stück. Doch die Schauspielerin Ursula Trägner hat nicht nur eine Theaterpädagogik-Ausbildung genossen und in Sindelfingen an der Schaubühne und dem Theater Szene 03 gespielt sowie an der Filderbühne in Filderstadt, sie hat auch Regie-Kurse belegt – weshalb sie nun die Regie übernahm.

Regisseurin kurz vorm Infarkt

Auch im Stück spielt sie die Regisseurin – distinguiert, belehrend und zunehmend einem Herzinfarkt nahe. Sie muss in der Tat einiges erdulden. Die Balkonszene in Romeo und Julia? – Davon haben die Schauspieler noch nie etwas gehört. Auf ihrem Mosthof steht stattdessen eine Bank. Nächster Aufzug? – Selbstverständlich verfügt die Amateurgruppe über keinen Aufzug. Julia steckt im Dirndl (Dorit Hornstein) und ihr Partner in der Lederhose (Winfried Stierle als resoluter Bio-Bauer). Die Rolle des Romeos ist gestrichen, es gibt nur einen selbstgefälligen Roman. Dieser wird von einer Frau dargestellt (Judith Petzold), die während der Proben die meiste Zeit häkelt.

Nachtigallen im Mosthof?

Ab und zu lässt sich außerdem der Wirt des fiktiven Mosthofs auf der Bühne blicken (Dieter Braun), „ein Getriebener zwischen Putzfimmel und Umsatzproblemen“, so der Besetzungszettel, und kurz schaut eine professionelle Souffleuse rein (Andrea Gibelli-Ryll). Die Theaterlaien lassen sich aber von der Regisseurin Frau Meier nicht ins Boxhorn jagen. „So schwätzt doch koi normaler Mensch“, befinden sie angesichts des Hochdeutsch, das ihnen nun abverlangt wird. Und Granatapfelbäume oder Nachtigallen auf einem Mosthof? – „So ein Krampf!“ Da die Theatergruppe Teil eines Gesangsvereins ist, müssen sie natürlich auch ihre Vokalkunst darbieten. Und was wäre dafür geeigneter als das Lied „Die Vogelhochzeit“, das sie so schön schräg und krumm darbieten?

Und das doch, wie alles andere auch, ein unkompliziertes Vergnügen bereitet.

Termine und Geschichte

Termine
 Nach der Premiere am 1. März können die Zuschauer das Theaterdesaster auf dem „Moschdhof“ am 2. und 3. März, vom 8. bis 10. und vom 15. bis 17. März sowie am 23. und 24. März sehen. Beginn ist um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Ekuthek (Mail: info@ekuthek.com, Telefonnummer: 0 70 34/3 07 99). Oder über Reservix (www.reservix.de). Die Preise beginnen bei 16,20 EUR. 

Ekuthek
 Ein Ensemble im Theaterkeller gibt es seit Mitte der 80er Jahre – damals noch unter der Leitung von Gustav Adolf Kohle. Es präsentierte gehobene Boulevard-Komödien und war in Ehningen eine feste Institution. Doch 2016 war Schluss. Ein kleiner Teil des letzten Ensembles entwickelte 2017 dann eine neue Konzeption. 2018 gründete es den Verein Ekuthek (Ehninger Kultur- und Theaterkeller), der aktuell 40 Mitglieder zählt. Neben Theatervorstellungen der Gruppe stehen nun auch Gastauftritte von Kabarettisten, Konzerte und Lesungen auf dem Programm. „Bei uns darf alles auf die Bühne, das Qualität hat, und deshalb sind wir auch für jede noch so verrückte Idee offen“, lautet das Motto des Vereins. Die Gemeinde stellt den Vereinsmitgliedern den Theaterkeller frei zur Verfügung. In der Corona-Pandemie halfen der Ekuthek auch Sponsoren über die schwere Zeit.

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