Pressestimmen zu Kloses Karriereende „Der letzte Selfmade-Fußballer“

Miroslav Klose, hier 2014 mit dem WM-Pokal und seinen Söhnen, wechselt ins Trainerfach. Foto: AP
Miroslav Klose, hier 2014 mit dem WM-Pokal und seinen Söhnen, wechselt ins Trainerfach. Foto: AP

Miroslav Klose, der Rekordtorschütze der deutschen Nationalelf, hat seine Karriere als Fußballer beendet und versucht sich fortan als Trainer. Wir haben einige Pressestimmen zu seinem Abschied gesammelt.

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Stuttgart - Niemand hat so viele Tore für die deutsche Nationalmannschaft erzielt wie ein ehemaliger Bezirksliga-Spieler: Miroslav Klose. Der Stürmer war 71-mal für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erfolgreich und holte 2014 mit ihr den Weltmeistertitel. Danach beendete er seine internationale Karriere, spielte aber noch zwei Jahre für Lazio Rom weiter. Jetzt ist auch auf Vereinsebene Schluss. Am Dienstag verkündete Klose, dass er aufhört und seine Zukunft als Trainer sieht – zunächst wird er bei dem Bundestrainer Joachim Löw hospitieren. Wir haben einige Pressestimmen zu seinem Abschied gesammelt.

Torsaldo als einzige Extravaganz

„Süddeutsche online“: „Klose beendet seine atemraubende, fast schon einzigartig romantische Karriere. Er war stets ein Meister des Understatements, ein Leisetreter des Strafraums. Er war nicht mal ein richtiges Kopfballungeheuer, obwohl sein Spiel lange auf genau das reduziert worden war – den Kopfball. Rekorde brach er nie krachend oder polternd. Als er Gerd Müller übertraf als Rekordtorschützen der Nationalmannschaft, tat er das in einem Freundschaftsspiel ohne Flair, der Gegner hieß Österreich. Als er im Sommer bei Lazio aufhörte, hatten sich die Italiener längst in Klose verliebt. In den Klose, der oft bloß als sprunggewaltiger Kopfballstürmer verkannt wurde, obwohl er eine diabolische Schnelligkeit und auch mit dem Fuß einen guten Abschluss hatte und schließlich in 138 Serie-A-Spielen 54 Tore erzielt hatte. Vor allem aber in den Klose, der 2012 auf das mögliche 1:0 Lazios gegen den SSC Neapel verzichtete, als er dem Referee beichtete, er habe den Treffer mit der Hand erzielt. Neapel siegte 3:0.“

„Zeit online“: „Klose stieg vom Bezirksligastürmer zum Weltmeister auf. Früher war das mal nicht ungewöhnlich. Heute, in Zeiten von Fußballinternaten, ist das eine undenkbare Karriere. Wenn man nicht im Alter von 14 oder 15 in einem Nachwuchszentrum der Profivereine gelandet ist, kann man eigentlich kaum noch Profi werden. Weil er so bescheiden ist, haben ihm das alle gegönnt. Als einzige Extravaganz leistete er sich seinen Torsalto.“

Ein Ruf, der seinesgleichen sucht

„Welt online“: „Seine große Karriere wollte er dann doch nicht in der Provinz beenden und nur noch für einen letzten Reibach seinen guten Ruf riskieren – er tat gut daran. Miroslav Klose hat sich in den 16 Jahren seiner Profikarriere einen Ruf erarbeitet, der seinesgleichen sucht. Er ist wohl der letzte Vertreter einer Generation, die nicht durch die Mühle der Nachwuchsleistungszentren gedreht wurde. Der letzte Selfmade-Fußballer sozusagen. Vielleicht ist er deshalb ein so außergewöhnlicher Fußballer und Mensch. Er geht lieber angeln als feiern, und das eigene Wohnzimmer war ihm stets lieber als die Luxusdisko. Vielleicht wird er einmal der erste Bundestrainer, der Siege mit einem Salto feiert. Es würde zu Klose passen.“

„FAZ online“: „Auf den Riecher von Miroslav Klose konnte sich Fußball-Deutschland immer verlassen. Wenn es so ist, dass der ehemalige Weltklasse-Stürmer seinen untrüglichen Instinkt, sein Auge für Räume und Gelegenheiten nicht nur höchstselbst auf dem Fußballplatz zu nutzen versteht, sondern auch von erhöhter Warte, als Beobachter und Trainer – dann haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Joachim Löw mit Klose, dem Hobby-Angler, einen kapitalen Fang gemacht. Wirklich überraschend kommt die Neuorientierung nicht. Überhaupt war Klose gerade in seinen letzten Karriere-Jahren ein überparteiliches Phänomen, eine deutsche Marke, die aufs Engste mit dem Nationaltrikot verbunden war. Und das nicht nur in der Wahrnehmung des Publikums, sondern auch in den Augen der Kollegen, generationenübergreifend.“

„n-tv online“: „Er ist, so klischeehaft das klingt, ein feiner Kerl. Stets bescheiden, zurückhaltend, und im Gespräch fast ein wenig schüchtern, aber bestimmt. Er war nie der ganz große Star, dessen Popularität beim Publikum an die eines Lukas Podolski herangereicht hätte. Aber er hat sich beharrlich durchgesetzt, in Kaiserlautern, bei Werder Bremen. Und auch beim FC Bayern hat er seine Tore geschossen, 24 in 98 Spielen zwischen 2007 und 2011. Wer einen Miroslav Klose im Team hatte, der musste sich um einen falschen Neuner keine Gedanken machen.“




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