Probleme bei Bombardier Die Bahn hat genug von den Pannen-Intercitys

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Immer wieder gibt es Probleme mit den IC2-Zügen. Jetzt hat die Deutsche Bahn eine klare Ansage gemacht. Die neuen Züge kann Bombardier erst einmal behalten.

Manchmal gibt es sogar Probleme mit der Tür des Lokführers. Dann kann nur noch die Feuerwehr helfen. Foto: /Jan Woitas
Manchmal gibt es sogar Probleme mit der Tür des Lokführers. Dann kann nur noch die Feuerwehr helfen. Foto: /Jan Woitas

Stuttgart - Sie sehen schmuck aus, der Sitzkomfort stimmt, die Fahrt ist ruhig und leise. Doch wer in einen der neuen Intercity-Doppelstockzüge der Deutschen Bahn einsteigt, muss mitunter Geduld haben. 17 IC-2-Züge sind seit dem vergangenen Jahr auf dem Gleis – und haben sich den Ruf als Pannenzüge redlich verdient. Die Deutsche Bahn hat jetzt offenbar genug. Die zweite Charge von 25 weiteren IC-2-Zügen will sie wegen technischer Mängel nicht von dem Hersteller Bombardier Transportation abnehmen.

Der Grund seien Probleme mit der Software des Zugbetriebssystems. Immer wieder kommt es zu Störungen an den Türen und Verzögerungen bei Fahrtrichtungswechseln des Zuges. Bombardier räumte ein, dass die Doppelstockzüge vom Typ IC 2 derzeit „nicht mit der von der DB und von Bombardier selbst erwarteten Zuverlässigkeit im Betrieb sind“. Bombardier bedauere die Unannehmlichkeiten, die der Bahn und ihren Fahrgästen entstanden seien, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Bahn teilte mit, man setze „auf eine schnelle Behebung der Mängel durch den Hersteller“. Darüber hinaus prüfe man aber auch alle rechtlichen Möglichkeiten. Bombardier versicherte, gemeinsam mit der Bahn an einem Maßnahmenpaket und an einem Aktionsplan zu arbeiten, „um die Zuverlässigkeit der IC-2-Züge zeitnah deutlich zu verbessern“. Insgesamt geht es um 42 Züge und einen Auftragswert von 400 Millionen Euro.

Lahme Software

Die Bahn ergänzt ihre Intercity-Flotte seit Ende des Jahres 2015 mit den neuen Doppelstockwagen. Von den technischen Mängeln betroffen ist die aktuelle zweite Bauserie des Zuges, die unter anderem auf den Strecken Stuttgart–Singen sowie ­Nürnberg–Stuttgart–Karlsruhe eingesetzt wird. Regelmäßig breche das Betriebssystem im Zug zusammen. Es dauere rund eine Stunde, um es hochzufahren, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ aus internen Bahnvermerken. Entsprechend früher müssten die Lokführer auch ihren Dienst antreten. Weiterhin gibt es auch Probleme bei der Zugsteuerung mittels ETCS. Das europaweit geltende System funktioniert in den IC-2-Zügen nicht.

Eigentlich sollten sie längst von Stuttgart nach Zürich durchfahren. Bisher haben sie in Singen Endstation. Die komplette Strecke bedient nur die Schweizer Bundesbahn (SBB). Die Deutsche Bahn hatte im vergangenen Jahr deshalb überraschend gebrauchte Doppelstockzüge in Österreich bestellt, möglicherweise auch für die Strecke Stuttgart–Zürich.

Auch andere haben Probleme mit Bombardier

Aus Bahn-Aufsichtsratskreisen hieß es laut der „Süddeutschen Zeitung“, dass man von Bombardier unmissverständlich eine schnelle Beseitigung der Mängel gefordert habe. In der Bahnsparte des Unternehmens gibt es immer wieder Umstrukturierungen. Auch andere Bahnbetreiber liegen mit Bombardier im Clinch. So fehlten den Bahnkonkurrenten Abellio und Go Ahead bei der Übernahme des Regionalverkehrs im Raum Stuttgart die neuen Talent-Regionalzüge.

Gerade jetzt, da die Fahrgastzahlen zunähmen und neues Zugmaterial dringend gebraucht werde, ruiniere Bombardier seinen Ruf, sagte der Bahnexperte der Grünen im Bundestag, Matthias Gastel. Auch er hat schlechte Erfahrungen mit dem IC 2 gemacht. Jüngst strandete er auf dem Weg von Nürtingen nach Berlin in Schwäbisch Gmünd. Der Lokführer musste eine Störung an den Türen beheben. Als er wieder in den Führerstand des Triebwagens wollte, klemmte auch seine Tür. Der Feuerwehr gelang es schließlich, die Tür auszubauen.

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