Projekt aus Stuttgart-Möhringen Verein bringt Strom nach Vietnam

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Peter Althoff aus Stuttgart-Möhringen ist Mitglied bei den Elektrikern ohne Grenzen. Nun sammelt er als Projektleiter Geld für eine neue Solaranlage im Nordosten Vietnams.

Eine Solaranlage wie in Ca Lo (Foto) möchte Peter Althoff nun auch im Nachbardorf Ho Lu bauen. Foto: privat
Eine Solaranlage wie in Ca Lo (Foto) möchte Peter Althoff nun auch im Nachbardorf Ho Lu bauen. Foto: privat

Möhringen - Das Bergdorf Ho Lu liegt in der dicht bewaldeten und gebirgigen Provinz Cao Bang im Nordosten von Vietnam. Etwa 35 Kilometer sind es bis zur nächsten Straße. Eine Anbindung an die etwa 80 Kilometer entfernte regionale Stromversorgung ist nicht geplant. „In dem kleinen Dorf leben 31 Familien in großer Armut“, sagt der Möhringer Peter Althoff. Er ist Mitglied im Verein Elektriker ohne Grenzen und will helfen.

Das Ziel ist der Aufbau eines „Inselstromnetzes“ wie es im Fachjargon heißt. Gemeint ist eine Photovoltaikanlage. Althoff plant mit 44 Solarpaneelen mit einer Größe von einem Meter auf 1,60 Meter. So will der Verein Elektriker ohne Grenzen das kleine Dorf voranbringen. „Es geht um die Gesundheit und Bildung für die Dorfbewohner“, sagt Althoff. Denn in den kleinen Hütten herrscht oft buchstäblich dicke Luft. Die einzige Lichtquelle in den Abendstunden sind offene Feuer. Das belastet die Augen und die Atemwege. Die Kinder müssen tagsüber oft auf den Feldern helfen. Um abends noch zu lernen, brauchen sie Licht. Die Eltern fertigen in dieser Zeit traditionelle handwerkliche Produkte. Zudem wollen die Einheimischen mit dem Strom Maismühlen betreiben und das Getreide so veredeln. Ihre Waren verkaufen die Dorfbewohner dann im nahegelegenen China. „Ohne Zugang zu elektrischem Strom und der damit verbundenen Möglichkeiten, das Kleingewerbe zu fördern, ist eine Verringerung der aktuellen Armut vor Ort kaum möglich“, fasst Althoff zusammen.

Peter Althoff hat bereits viel Erfahrung

Wenn die Solaranlage fertig ist, gründen die Dorfbewohner eine Energiegenossenschaft, so der Plan. „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“, sagt Althoff. Darum zahlt jeder Haushalt einen geringen monatlichen Betrag. Das Geld soll reichen, um die Wartung der Anlage und gegebenenfalls auch eine Erweiterung selbst zu finanzieren und zu organisieren.

Althoff hat bereits viel Erfahrung mit solchen Projekten. Im vergangenen Jahr hat er in Ca Lo eine Solaranlage aufgebaut. Das Dorf liegt nicht weit entfernt von Ho Lu, also ebenfalls im Nordosten Vietnams. „Ich habe das Projekt vom 13 000 Kilometer entfernten Stuttgart aus vorbereitet, und es ist einen Tag später fertig geworden als geplant", sagt Althoff. Nun profitiert er von den damals aufgebauten Kontakten zur Universität Hanoi, zu einheimischen Firmen und zu der Nichtregierungsorganisation Decen. Deren Direktor, Tran Van Tri, war es, der Althoff das neue Projekt vorschlug. Der Vorstand des Vereins Elektriker ohne Grenzen war schnell einverstanden. Seitdem sammelt Althoff Spenden.

Verein macht mit beim Crowdfunding der BW-Bank

Der Experte schätzt die Kosten für das Projekt auf 23 500 Euro. Um Geld in die Kasse zu bekommen, macht er mit bei Crowdfunding der BW-Bank. Das Ziel ist es, dank vieler kleiner Spenden eine große Summe zusammenzubekommen. Althoff hofft auf 5466 Euro. So viel kosten die Solarpaneele. „Meine Traumvorstellung wären jedoch 8000 Euro“, gibt Althoff zu.

Wenn er das Geld zusammen hat, will sich Althoff auf die Reise machen. Er hofft, dass er im September fliegen kann. Die Wochen vor Ort in Vietnam werden für den Rentner freilich mit harter Arbeit verbunden sein. Die schweren Bauteile müssen über viele Kilometer hinweg getragen werden, weil keine Autostraße zu dem entlegenen Dorf führt. Die Lebensbedingungen in Ho Lu sind denkbar einfach und haben mit Komfort wenig zu tun. Damit war Althoff auch schon in Ho Lu konfrontiert. Das alles schreckt ihn aber nicht ab. Denn er weiß, dass er die Chance hat, den Menschen in dem Dorf das Licht am Ende des Tunnels zu zeigen.

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