Promis aus Baden-Württemberg Was bedeutet Heimat für Sie?

Von Jan Sellner 

Was ist Heimat? Eine Frage, auf die es viele Antworten gibt. Wir haben Prominente wie Cro, Winfried Kretschmann und VfB-Profi Andreas Beck nach ihrer Meinung gefragt.

Die Burg Hohenzollern   – ein Wahrzeichen und damit auch ein Stück Heimat im Südwesten Foto: Stock/adobe 16 Bilder
Die Burg Hohenzollern – ein Wahrzeichen und damit auch ein Stück Heimat im Südwesten Foto: Stock/adobe

Stuttgart - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner viel beachteten Mainzer Rede zum Tag der Deutschen Einheit ein komplexes Thema aufgegriffen: Heimat. In Anspielung auf die Bundestagswahl stellte er heraus, der Wunsch nach heimatlicher Sicherheit sei nicht zu verurteilen. „Heimat weist in die Zukunft.“ Jedoch: „Die Sehnsucht nach Heimat dürfen wir nicht denen überlassen, die Heimat konstruieren als ein ,wir gegen die‘, als Blödsinn von Blut und Boden.“

Wie aber sieht dieses Bedürfnis nach Heimat konkret aus? Lässt sich Heimat immer nur an einem bestimmten Ort festmachen? Können junge Menschen etwas mit diesem Begriff anfangen? Und wie sehen das Menschen aus anderen Ländern, die in der internationalen Stadt Stuttgart ihren Lebensmittelpunkt haben?

Fragen nach Heimat werden nicht zum ersten Mal gestellt, sie kehren regelmäßig wieder. Im Zeitalter der Globalisierung stellen sie sich neu. Und jedes Mal erfordern sie ein gründliches Nachdenken – auch wegen der geschichtlichen Hypothek, die auf dem von den Nazis missbrauchten Begriff lastet.

Diese Seite ist der Auftakt zu einer intensiven und möglichst facettenreichen Auseinandersetzung mit Heimat in unserem Medium. Dabei sind ausdrücklich auch die Leserinnen und Leser gefragt. Diskutieren sie mit uns, was Heimat ist.




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Heimat für Andere: Ich habe Stuttgart noch vor dem Fall des eisernen Vorhangs verlassen und bin etwa zwei Jahrzehnte später aus Heimweh zurückgezogen. Leider musste ich feststellen, dass die Heimat, die ich verließ nicht mehr existiert. Das Gefühl der Geborgenheit, Zuverlässigkeit und Sicherheit, das letztendlich den Begriff Heimat für mich definiert, ist komplett verlorengegangen. EU-Osterweiterung, die damit verbundene Armuts- und Kriminalitätsmigration, massenhafte Zuwanderung durch kriminelle Wirtschaftsflüchtlinge aus allen Krisengebieten der Welt unter dem Deckmäntelchen des Asyls und nicht zuletzt die explosionsartige Vermehrung der bereits hier geduldeten Migranten haben diese Stadt verändert. Ein gefühlter Fremdenanteil von 80% lässt keine Heimatgefühle mehr zu. Ich habe ein Stuttgart verlassen, in dem wir als Jugendliche die ganze Nacht in den Parks und auf den Strassen herumstreifen konnten, ohne gleich von Gruppen krimineller Migranten zusammengeschlagen und gegen den Kopf getreten zu werden. Es gab keine (sichtbaren) Bandenkriege und es gab auch nicht den Verlust jeglicher Moral durch fundamentalistische Wahnsinnige jeder Religion. Straßenfeste konnten ohne schützende Betonpoller gefeiert werden und es stand auch nicht an jeder Ecke ein aggressiver Bettler oder ein Exhibitionist. Kinder konnten unbeschwert in Schwimmbäder gehen ohne belästigt zu werden und es war auch keine Security nötig um Badegäste und Bademeister zu schützen. Stuttgart, du bist nicht mehr Heimat für mich. Ich will so schnell wie möglich wieder weg!

Heimat: Stuttgart ist meine Heimat. Hier bin ich geboren in den Nachkriegsjahren. Eine schwierige Zeit verbunden mit vielen bedrückenden, aber damit auch schönen Erinnerungen. Ich war in meiner Heimatstadt persönlich am Ende, ich bin in meiner Heimatstadt wieder aufgestanden, und ich bin hier stark geworden. Ich habe viel für Mitmenschen in meiner Heimatstadt getan. Ich lebe mit meiner Familie hier - das ist alles mit Höhen und Tiefen meine Heimat. Dann gibt es noch eine zweite Heimat für mich, das ist der Urlaubsort, mit dem ich seit meinem 6. Lebensjahr eine wunderbare Verbindung habe. Das war auch immer wieder ein Zufluchtsort, wenn es in Stuttgart mal schwierig wurde - da kam ich dann gestärkt zurück. Heute ist für mich die Überlegung, meine erste Heimat zu verlassen, weil so vieles zerstört wird - das Herz meiner Heimat liegt offen und zutiefst verletzt vor mir, und es sind böse Kräfte am Werk, die eine Heilung nicht zulassen. All das, was in meiner Kindheit und Jugendzeit in Stuttgart heilig und unantastbar war, ist heute einen Dreck wert und wird von Menschen, die Stuttgart überhaupt nicht kennen, kaltblütig vernichtet. Da braucht es dann einen Zufluchtsort. Es scheint so eine allgemeine Tendenz auf der ganzen Welt zu sein, seinen Heimatort oder Heimatland verlassen zu müssen oder zu wollen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und trotz allem bin ich ein Stuttgarter Kind.

Komplexes Thema: "Heimat" ist ein komplexes Thema: Ein inneres Gefühl von Vetrautheit, ein Ur-Bedürfnis, eine äußere berechenbare Umgebung und/oder mich umgebende verläßliche Menschen. Komplex, weil gerade in unserer Industrieregion verschiedene Kulturen und Religionen zusammenkommen. Beispiel: Mein norddeutscher Nachbar, der mit einer netten Chinesin verheiratet ist ... Das zeigt, dass wir heute den Heimat-Begriff neu und aktiv gestalten müssen: Durch nachbarschaftliche Kontakte, durch internationale Feste, durch gestalten von Gemeinsamkeit. Aber auch durch Angleichung der Kulturen und Regeln an unsere gelebten Menschenrechte: Dass manche Migranten und Flüchtlinge in ihrer demoktratie- und frauenfeindlichen Sichtweise Angst machen, ist verständlich. Hier müssen wir und der Staat Integration einfordern. Das schlimmste Heimat-Hemmnis sind leider die Religionen: Praktisch alle verbieten eine Heirat mit einer anderen Religion - schon eine Ehe von evangelischen und katholischen Partnern ist ein Spießrutenlaufen - reinstes Mittelalter und eine schwere Bedrohung unseres "Heimat-Gefühls". Bevor wir von Migranten Integration fordern, sollten wir dies von den Pfarrern und Bischöfen verlangen. Und endlich den "konfessionellen" Religionsunterricht abschaffen: Die "Süddeutsche" schrieb vor Jahren: "Religion ist das, was die Menschen am meisten trennt" - schlimm ...

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