Protest gegen Max Otte in Baden-Württemberg Landesvorstand der Werte-Union tritt zurück

Gegen die Wahl von Max Otte formiert sich massiver Widerstand bei der Werte-Union. Foto: dpa/Karlheinz Schindler
Gegen die Wahl von Max Otte formiert sich massiver Widerstand bei der Werte-Union. Foto: dpa/Karlheinz Schindler

Mit Dauerkritik an Angela Merkel hat die Werte-Union immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit dem neuen Bundeschef drifte die Gruppe nach rechts ab, finden seine Gegner. Nun gibt es Auflösungserscheinungen.

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Stuttgart/Pötmes - Der Landesvorstand der konservativen Werte-Union in Baden-Württemberg ist aus Protest gegen die Wahl des Ökonomen Max Otte zum neuen Bundesvorsitzenden fast geschlossen zurückgetreten. Elf von zwölf Vorstandsmitgliedern hätten dem Bundesvorstand ihren Rückzug zum kommenden Freitag angekündigt, sagte der stellvertretende Landeschef Oliver Kämpf am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. In dem Schreiben an den Bundesvorstand heißt es: „Die Ziele der Werte-Union werden mit dem aktuellen Bundesvorstand nicht mehr erreicht.“ Hintergrund sei eine „Annäherung an völkische und nationalistische Themen“. Das laufe dem wertkonservativen und wirtschaftsliberalen Kurs der Landesvorstandsmitglieder zuwider.

Die Werte-Union sieht sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union, ist aber keine offizielle Parteigliederung. Otte war Ende Mai im Amt des Vorsitzenden der Werte-Union auf den Heidelberger Alexander Mitsch gefolgt, der vorher seinen Rückzug angekündigt hatte. Innerhalb der Werte-Union löste die knappe Wahl Ottes zum neuen Vorsitzenden großen Streit aus. Nach den Worten Kämpfs löst sich die Werte-Union langsam auf, vor allem im Süden Deutschlands habe es zahlreiche Rück- und Austritte gegeben. „Die Werte-Union ist wie ein totes Pferd, von dem man absteigen muss.“

Abkehr von alter Werte-Union

Er sagte weiter, die von Mitsch gegründete Werte-Union gebe es praktisch nicht mehr. „Der Name ist zerstört.“ Es sei nicht hinnehmbar, dass sich die Werte-Union gegenüber anderen Gruppierungen oder Parteien öffne. Im Landesverband im Südwesten seien „sehr viele treue CDU-Mitglieder“, die Einfluss auf den Kurs der Partei nehmen wollten, was über die Werte-Union aber nicht mehr gehe. Wenn Otte behaupte, die CDU sei nicht mehr demokratisch, sei das nicht akzeptabel. Der Fondsmanager Otte war laut Medienberichten noch bis Januar 2021 Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Auch die beiden Landesvorsitzenden Fabian Bail und Jörn Döring träten zurück - allein das Vorstandsmitglied Marc Ehret habe den Brief nicht unterzeichnet, erklärte Kämpf. Der Landesverband habe etwa 600 Mitglieder, bundesweit seien es etwa 3700.

Die Werte-Union in Bayern ist nach eigenen Angaben am Samstag aus dem Bundesverband ihrer Organisation ausgetreten und zu ihrer früheren Vereinsform zurückgekehrt. Bei einer Mitgliederversammlung in Pöttmes bei Augsburg wurde die 38-Jährige Juliane Ried zur Vorsitzenden gewählt. Die Gruppe nennt sich - wie bei ihrer Gründung 2014 - „Konservativer Aufbruch für Werte und Freiheit“, sagte Ried der dpa. 2019 hatte sich der Verein ihren Angaben nach mit der Werte-Union zusammengeschlossen. Ried war bei der Wahl zum Bundesvorsitz Ende Mai in Fulda knapp Otte unterlegen. „Die Causa Otte hat die Werte-Union gespalten“, sagte sie nun.

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