Prozess gegen Porsche SE Mein-Name-ist-Hase-Strategie

Wer ist verantwortlich für den Dieselskandal? Diese Frage ist noch immer offen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die Gefahr ist groß, dass die frühere VW-Führung sich der Verantwortung für den Dieselskandal entziehen kann. Ein Kommentar von Klaus Köster.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Es sind heikle Fragen, die im Schadenersatzprozess gegen die Porsche SE vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zur Sprache kommen: Musste Martin Winterkorn, zeitweise zugleich Chef von VW und der Muttergesellschaft Porsche SE, in beiden Funktionen über das gleiche Wissen verfügen? Als Mensch kann er sein Gedächtnis nicht aufteilen – als Manager dagegen kann die chinesische Mauer in seinem Kopf, die die eine Funktion von der anderen trennt, gar nicht hoch genug sein, entschieden die Stuttgarter Richter – zu Recht.

 

Der Dieselskandal geschah bei VW, nicht bei der Porsche SE. Wenn Winterkorn von Manipulationen bei VW erfuhr, hätte er dort tätig werden müssen – und nur dort.

Klage gleicht einem Schattenboxen

Die Klage gegen die Muttergesellschaft Porsche SE gleicht daher einem Schattenboxen. Sie kann auch keine Aufklärung bringen. Dass im Volkswagen-Vorstand niemand von den gigantischen Manipulationen wusste, ist unvorstellbar – und das Gegenteil schwer zu beweisen. Je länger Winterkorns Mein-Name-ist-Hase-Strategie hält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch seine Verantwortung nie geklärt wird – und er sich dieser dauerhaft entziehen kann.

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