Prozess gegen Porsche SE Mein-Name-ist-Hase-Strategie
Die Gefahr ist groß, dass die frühere VW-Führung sich der Verantwortung für den Dieselskandal entziehen kann. Ein Kommentar von Klaus Köster.
Die Gefahr ist groß, dass die frühere VW-Führung sich der Verantwortung für den Dieselskandal entziehen kann. Ein Kommentar von Klaus Köster.
Es sind heikle Fragen, die im Schadenersatzprozess gegen die Porsche SE vor dem Oberlandesgericht Stuttgart zur Sprache kommen: Musste Martin Winterkorn, zeitweise zugleich Chef von VW und der Muttergesellschaft Porsche SE, in beiden Funktionen über das gleiche Wissen verfügen? Als Mensch kann er sein Gedächtnis nicht aufteilen – als Manager dagegen kann die chinesische Mauer in seinem Kopf, die die eine Funktion von der anderen trennt, gar nicht hoch genug sein, entschieden die Stuttgarter Richter – zu Recht.
Der Dieselskandal geschah bei VW, nicht bei der Porsche SE. Wenn Winterkorn von Manipulationen bei VW erfuhr, hätte er dort tätig werden müssen – und nur dort.
Die Klage gegen die Muttergesellschaft Porsche SE gleicht daher einem Schattenboxen. Sie kann auch keine Aufklärung bringen. Dass im Volkswagen-Vorstand niemand von den gigantischen Manipulationen wusste, ist unvorstellbar – und das Gegenteil schwer zu beweisen. Je länger Winterkorns Mein-Name-ist-Hase-Strategie hält, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch seine Verantwortung nie geklärt wird – und er sich dieser dauerhaft entziehen kann.