Queen-Konzert in Stuttgart Wer ist eigentlich Adam Lambert?

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Am Freitag gastiert die Band Queen in der Stuttgarter Schleyerhalle – mit Adam Lambert als Frontmann. Adam wer? Wir haben uns den Ersatz-Freddie-Mercury mal angehört.

Adam Lambert (links) ist der neue Queen-Sänger, hier gemeinsam mit dem Gitarristen Brian May bei einem Konzert in Wien Anfang Februar 2015. Foto: APA
Adam Lambert (links) ist der neue Queen-Sänger, hier gemeinsam mit dem Gitarristen Brian May bei einem Konzert in Wien Anfang Februar 2015. Foto: APA

Stuttgart - Von der Rockband Queen könnte man schon gehört haben. Wobei Freddy Mercury leider auch schon mehr als 23 Jahre tot ist und das Archivmaterial für posthume Hits definitiv nicht bis in die Gegenwart reichte, sondern nur bis 1995 zum Album „Made in Heaven“.

Was also tun? Der Queen-Gitarrist Brian May war bei Mercurys Tod erst 44 und fürs Rockstar-Rentnerdasein definitiv zu jung, der Schlagzeuger Roger Taylor war gar erst 42. Queen haben zudem dermaßen viele Hits für die Ewigkeit geschaffen, dass man damit problemlos weiter durch die Welt touren kann. 2014 und 2015 ist die Band in durchweg ausverkauften Hallen unterwegs, am Freitag kommt sie nach Stuttgart – als „Queen + Adam Lambert“.

Nur: wer bitteschön ist Adam Lambert?

Adam Lambert ist der aktuelle Sänger von Queen. 33 Jahre alt, US-Amerikaner, Sänger und Schauspieler. Lambert kam als Zweitplatzierter bei der US-Castingshow „American Idol“ 2009 ins Showgeschäft und hat seither mehrere Alben vorgelegt, die in den USA ziemlich erfolgreich waren, es in Europa hingegen höchstens kurz in die Charts schafften, jeweils auf mittlere Plätze. Mit Queen sang er 2009 bei „American Idol“, 2011 dann noch einmal bei den European Music Awards und in der Folge einzelne Konzerte. Seit Frühsommer 2014 ist er (mit Pausen) mit Queen auf Welttournee.

Aber ist Adam Lambert auch ein guter Ersatz für Freddie Mercury? „Adam Lambert besticht mit einer ähnlichen stimmlichen Bandbreite wie der legendäre Freddie Mercury, was die Songs glanzvoll auferstehen lässt“, steht im Pressetext. Was ist da dran?

Und so klingt das

Hören wir mal rein. Vor sechs Jahren bei der Vorrunde zu „American Idol“ sang Lambert ein paar Sekunden des Queen-Klassikers „Bohemian Rhapsody“ – unplugged und vor der Auswahljury. Das klang vielversprechend, sein „We are the Champions“ in der Endrunde trug Lambert in einer tremololastigen Version vor und schon mit Queen als Band.

Nun sind die Queen-Songs mehrheitlich in den Siebziger- und Achtzigerjahren entstanden, als viele unter Rockmusik etwas anderes verstanden als heute. Ihre zweifellos herausragenden Songs spielen Queen aber bis heute, und ein neuer Sänger kann helfen, sie nicht allzu museal wirken zu lassen. „Ich mache mir den Gesang zu eigen, entferne mich aber nicht zu sehr von Freddies Stil“, sagt Adam Lambert. Das klingt dann etwa so:

Zur Rockmusik zählt auch die Performance, das Bild, das man auf der Bühne abgibt. Nicht vergessen sollte man daher: als Freddie Mercury 1991 an Aids starb, war die Welt im Umgang mit Homosexualität und HIV noch nicht so weit wie heute. Adam Lambert lebt offen schwul. Seine wilden Make-Ups, die knalligen Outfits und die Art, wie er sich auf der Bühne bewegt, wird von der breiten Masse heute gewiss besser verstanden als es zu Freddie Mercurys Zeiten der Fall gewesen wäre.

Lambert traut sich auch explizitere Performances: während seines Auftritts beim American Music Award 2009 etwa knutschte er mit dem Keyboarder. Die öffentliche Kritik daran konterte Lambert in der BBC. Er sagte, er habe sich für den Kuss bewusst nicht entschuldigt, „denn ich hatte nicht das Gefühl, etwas Falsches getan zu haben. ... Es ist nur ein Kuss!“

Neues ist nicht geplant

Im besten Fall bringt ein junger Sänger wie Adam Lambert eine neue Tonalität in die Queen-Songs. Neues Material zu schreiben und zu veröffentlichen, ist bisher offenbar nicht geplant – die alten Lieder live zu präsentieren lohnt sich vom Publikumszuspruch her auch 2015 noch und wahrscheinlich haben Queen schon genug damit zu tun, ihr eigenes Erbe zu verwalten.

Einen Mangel aber kann selbst der beste Sänger nicht beheben: Man hat von den Queen-Hits ganz häufig die Originalversion im Ohr, zugleich aber auch das, was in jahrzehntelanger weltweiter Arbeit unzählige Coverbands daraus gemacht haben. Will sagen: Selbst mit einem noch so guten Ersatz-Freddie-Mercury können Queen nur wie ihre eigene Coverband klingen.

Man darf gespannt sein, ob die dem Rentenalter doch deutlich näher gerückten Original-Bandmitglieder mit Adam Lambert als Frontmann in den Ruhestand gehen werden. Ihren bisherigen Freddie-Mercury-Ersatzmännern ist die Band nicht treu geblieben: Paul Rodgers durfte nur von 2004 bis 2009 den Mercury mimen. Elton John, George Michael und Pras Michael durften schon, Lady Gaga wollte nicht. Wobei: im August 2014 hatte die Sängerin in Sydney beim Song „Another one bites the dust“ einen Gastauftritt.