Querbahnsteig für Stuttgart 21 Neue Wege in den Hauptbahnhof

Von Markus Heffner 

Mit der Inbetriebnahme des neuen Querbahnsteigs hat die Bahn den Umbau des Gleisvorfelds beendet, der Nordeingang des Bahnhofs ist auch wieder geöffnet. Und in der nächsten Zeit stehen noch weitere Veränderungen an, zum Beispiel im Bereich des Parkplatzes vor dem Bahnhof.

Der verlegte Querbahnsteig schafft neue Verbindungen im Hauptbahnhof. Unsere Bildergalerie zeigt Impressionen von der Eröffnung. Foto:   19 Bilder
Der verlegte Querbahnsteig schafft neue Verbindungen im Hauptbahnhof. Unsere Bildergalerie zeigt Impressionen von der Eröffnung. Foto:  

Stuttgart - Die Zeiten der wechselnden Wege im Stuttgarter Hauptbahnhof sind zunächst einmal vorbei. Nach sechsmonatiger Umbauphase in der Bahnhofshalle zieht sich seit Montag einerseits durchgehend ein neuer Querbahnsteig von Gleis 1 bis Gleis 16. Gleichzeitig hat die Bahn auf der Nordseite des Bonatzbaus auch wieder den Eingang geöffnet, der im April 2012 für den Bau des unterirdischen Technikgebäudes vor dem Bahnhof geschlossen worden war.

Insbesondere mobilitätseingeschränkte Reisende waren seither nur über einen Umweg um den Hauptbahnhof herum zu den Bahnsteigen gelangt, über den in dieser Zeit einzigen barrierefreien Zugang ein Stück weiter nördlich. Künftig soll es nun vier barrierefreie Wege in den Hauptbahnhof geben, drei davon sind seit Montag bereits in Betrieb. Einer davon führt auf Höhe der BW-Bank direkt ins Europaviertel. In wenigen Wochen wird auf der anderen Seite der Halle im Bereich von Gleis 16 dann auch der Mittlere Schlossgarten angebunden werden, der vom 30. November an über Fußgängerstege erreichbar sein soll. In einer zweiten Bauphase soll der Weg dann weiter bis zur Staatsgalerie geführt werden.

600 Zusatzschichten zur Kundeninformation

Etwa 15.000 Meter Gleise haben die Arbeiter im vergangenen halben Jahr ausgebaut und neu verlegt, um den Querbahnsteig rund 120 Meter nach vorne zu verschieben. Nachdem der Umbau termingerecht am Montag abgeschlossen wurde, sei nach 61 unterschiedlichen Bauabschnitten nun der Zustand erreicht, der für die nächsten acht Jahre anhalten würde, so Sven Hantel, Leiter Station und Service der Deutschen Bahn und als solcher für alle 671 Bahnhöfe im Land zuständig. Obwohl täglich 240 000 Reisende den Bahnhof nutzen, sei es während der „Umbauphase unter rollendem Rad“ nur vereinzelt zu Beschwerden gekommen. Das zeige, dass die Umsetzung der Servicemaßnahmen gelungen sei, erklärt Hantel. So seien von Juni bis Oktober alleine 600 Zusatzschichten zur Kundeninformation zusammengekommen. Zudem habe man den Reisenden mit 200 Bannern und Schildern die wechselnden Wege gewiesen.

Verlegt werden musste der bisherige Querbahnsteig im Stuttgarter Kopfbahnhof, um Platz für den neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 zu schaffen, der sich quer durch den Bahnhof hinein in den Mittleren Schlossgarten ziehen wird. Der neue Querbahnsteig beginnt jetzt etwa 120 Meter weiter vorne, in etwa dort, wo nach der Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs und dem Abbau des gesamten Gleisvorfelds das Areal für das neue Stadtquartier beginnt. Die Gruben für die unterirdische Durchgangsstation sollen von Mitte nächsten Jahres an ausgehoben werden, bis dahin muss noch der stählerne Dachaufbau an den einzelnen Bahnsteigen im geräumten Teil des Bahnhofs abmontiert werden. Geführt werden die Reisenden während der Hauptarbeiten über zwei breite und überdachte Fußgängerbrücken, die den neuen Querbahnsteig mit dem alten Bonatzbau verbinden. Dadurch bleibe der Betrieb im Hauptbahnhof weitgehend von den Bautätigkeiten für Stuttgart 21 getrennt, so der Projektsprecher Wolfgang Dietrich.

Parkplätze können wieder angefahren werden

Ein wenig entspannen wird sich die Situation in absehbarer Zeit auch vor dem Hauptbahnhof, im Bereich des Kurt-Georg-Kissinger-Platzes, wo derzeit hinter Bauzäunen noch die letzten großen Löcher im Boden verfüllt werden. Nachdem das so genannte Technikgebäude, die unterirdische Versorgungszentrale des neuen Tiefbahnhofs, im Rohbau fertig ist, soll von spätestens Mitte nächsten Jahres an wieder ein Teil der ehemaligen Parkplätze vor dem Nordausgang angefahren werden können. Mit Stuttgart 21 betreibe die Bahn eine der größten Baustellen weltweit, so Hantel. Die neue Wegeführung und die Anbindung auf allen Seiten des Bahnhofs schaffe aber für Reisende und Bahnhofsbesucher stabile Verhältnisse während der auf acht Jahre kalkulierten Bauzeit.