RAF-Geschichte Die „Landshut“ kommt nicht mehr vom Fleck

Museumschef David Dornier hat vor zwei Jahren hoch gepokert. Inzwischen ist die Zukunft des „Landshut“-Wracks fraglicher denn je. Foto: dpa

Die alte Lufthansamaschine, die das Ende des Deutschen Herbstes symbolisiert, soll Ausstellungsstück werden. Doch seit zwei Jahren wird ums Geld geschachert. Nun setzt sich der Bund vom Standort Friedrichshafen ab. Kann Stuttgart einspringen?

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Friedrichshafen/Berlin - September 2017, eine russische Frachtmaschine vom Typ Antonow landete, aus Brasilien kommend, mit dem Rumpf der ehemaligen Entführungsmaschine „Landshut“ auf dem Flughafen Friedrichshafen. Die Idee zu dem Scoup hatte der Rundfunkjournalist Martin Rupps; der damalige SPD-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und David Dornier, Chef des örtlichen privaten Dornier-Museums, machten sie sich zu eigen. Eine Ausstellung von nationalem Format sollte entstehen. Der Bundestags-Wahlkampf befand sich auf dem Höhepunkt. Nach zwei Jahren haben sich die Akteure im Kleinklein einer Betriebskostendebatte verloren. Das Projekt steht auf der Kippe.

 

Das Wrack Mit abmontierten Flügeln steht der Rumpf der alten „Landshut“ in einem Hangar der Dornier-Familie am Friedrichshafener Flughafen. Eigentümerin ist das Auswärtige Amt. An den Kosten für das Wrack, das Jahre auf einem brasilianischen Flugzeugfriedhof stand, an dessen Demontage und Transport nach Deutschland beteiligte sich auch die Lufthansa. Von insgesamt zwei Millionen Euro ist die Rede. Der Bund hat zugesagt, für die Restaurierung der Maschine sowie den Bau eines neuen Hangars für eine Ausstellung zum Deutschen Herbst zehn Millionen Euro zu investieren. Die Summe dürfte mittlerweile kaum mehr reichen.

Millionen Euro sind schon ausgegeben

Die Bundesregierung Zuständig für den Aufbau eines Ausstellungsortes um die „Landshut“ in Friedrichshafen ist die Administration der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU). In ihrem Haus sind mittlerweile die Zweifel gewachsen, dass sich das Projekt noch realisieren lässt. Ungeklärt sind die späteren Betriebskosten in Höhe von geschätzt 300 000 Euro. Die örtliche Dornier-Stiftung für Luft- und Raumfahrt (DSLR) will das Geld nicht aufbringen. Nun würden „alternative Standortoptionen und Präsentationsformen erwogen“, lässt Grütters über einen Sprecher mitteilen. Eine „Übernahme von Betriebskosten durch den Bund“ sei „weiterhin nicht geplant ist“, auch nicht anteilig, so Grütters. Ihr Ressort hat nach Eigenangabe bisher 767 000 Euro für die „Lagerung und Erarbeitung eines Ausstellungskonzepts bewilligt“. Mit dem Geld wurden unter anderem zwei wissenschaftliche Kuratoren bezahlt, die sich seit 2018 um Exponate bemühen. Einer von ihnen hat bereits wieder gekündigt.

Die Stadt Sehr schnell, nachdem die Landshut in Friedrichshafen ankam, teilte der parteilose Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand mit, es werde keinerlei städtische Finanzhilfen für das Privatmuseum geben. Diese Haltung, die der damalige Gemeinderat mehrheitlich teilte, gilt unverändert. Ob sich daran nach der Kommunalwahl, in der es zu Mehrheitsverschiebungen im Gremium kam, etwas ändert, ist offen. Das Geld für den Unterhalt der Landshut-Ausstellung könnte die Stadt wohl leicht aufbringen. Sie erzielt jährliche dreistellige Millioneneinnahmen aus der Zeppelin-Stiftung (ZF AG), seit die Dividende anstatt ans Stammkapital an den Gewinn der Unternehmen gekoppelt wurde. Doch zwischen Brand und David Dornier herrscht Eiszeit. Der OB erhielt, als die Antonow landete, nicht einmal ein Rederecht vom Erben des Flugzeugpioniers Claude Dornier. Und das, obwohl Dornier zu diesem Zeitpunkt schon versuchte, das Privatmuseum an die Stadt weiterzureichen. Im Frühjahr richtete Sigmar Gabriel wegen der Landshut einen Bittbrief an Brand – vergeblich.

Keine Hilfsmittel aus Reihen der Dornier-Erben

Die Dorniers Claude Dornier hatte sieben Kinder. Es war die Idee seines ältesten Sohnes Silvius, das Geschichtserbe mit einem Museum am Flughafen zu bewahren, finanziert über eine Stiftung. Sie trägt den jährlichen Abmangel des Hauses. Die restlichen sechs Familienstämme sind, wie David Dornier einmal sagte, nicht bereit, Geld für die Ausstellung zuzuschießen. Monika Grütters fordert von Dornier aktuell auch eine Bestandsgarantie für die Landshut-Ausstellung von 20 Jahren.

Die Alternativen Die Frage, wo die Landshut ausgestellt werden soll, wenn es beim Patt in Friedrichshafen bleibt, ist völlig offen. 2017 kam auch eine Bewerbung aus Flensburg; dort wollte der Unternehmer Thomas Liebelt ein Museum bauen. Heute will er davon nichts mehr wissen. Er wünsche „keinerlei Kontakt“ seitens der Bundesregierung mehr, sagt er. „Ich bin nur hingehalten worden. Vielleicht war ich nur ein Notnagel“. Ideengeber Martin Rupps, der in Diensten des Südwestrundfunks steht und dem von der Bundesregierung eingesetzten wissenschaftlichen Beirat ums Landshut-Projekt angehört, kann sich Stuttgart als Alternativstandort vorstellen. Ein neuer Hangar in Nachbarschaft zum alten Gerichtssaal für die RAF-Prozesse in Stammheim, das wäre für ihn logisch. So könnte dort einmal sowohl die Geschichte der Täter als auch der Opfer erzählt werden. Grütters gibt sich skeptisch. Es sei neben Finanzierungs- und Konzeptionsfragen „unklar, ob ein solcher Standort unter Sicherheitsgesichtspunkten nahe der JVA Stammheim überhaupt realisiert werden kann“. So sieht das auch Paula Lutum-Lenger, Vorsitzende des Wissenschaftsbeirats in Friedrichshafen und Direktorin des Stuttgarter Hauses für Geschichte. „In Stammheim sehe ich das nicht“, sagt sie zum Projekt Landshut. Am logischsten sei für sie noch ein Alternativstandort in Bonn. Immer noch setzt sie Hoffnung auf eine Einigung in Friedrichshafen. Beim Museum Hotel Silber in Stuttgart hätten sich letztlich auch Stadt und Land auf ein gemeinsames Finanzierungsmodell für den Betrieb geeinigt. Rupps will erfahren haben, dass in Berlin auch darüber nachgedacht wird, nur noch das Cockpit der Landshut auszustellen. Für ihn wäre das nichts weniger als ein „Skandal“.

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