Ramadan in Corona-Zeiten WHO befürchtet Corona-Schub während des Ramadan

Männer finden sich am 13. April zum Nachtgebet (Ischaa) in der Abu Bakr Moschee der Islamischen Gemeinde Frankfurt am Main ein. Foto: Arne Dedert/dpa
Männer finden sich am 13. April zum Nachtgebet (Ischaa) in der Abu Bakr Moschee der Islamischen Gemeinde Frankfurt am Main ein. Foto: Arne Dedert/dpa

Für Muslime weltweit hat der Fastenmonat begonnen. Viele Menschen müssen sich dabei nicht nur beim Essen und Trinken zurückhalten. Wegen der Pandemie haben viele Länder auch andere Einschränkungen beschlossen. Die WHO befürchtet eine dramatische Zunahme von Corona-Erkrankungen.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Kairo/Genf - (AFP) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist besorgt, dass der islamische Fastenmonat Ramadan eine beschleunigte Ausbreitung des Coronavirus vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika zur Folge haben könnte.

Bereits in der vergangenen Woche seien die Corona-Infektionsraten in diesen Regionen um 22 Prozent und die Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus um 17 Prozent gestiegen, sagte der WHO-Regionalchef für die östlichen Mittelmeerländer, Achmed al-Mandhari, in Kairo.  

„Beunruhigender Trend“

Der WHO-Vertreter sprach von einem „beunruhigenden Trend“, der sich während des Ramadan verschlimmern könnte, sollten die Gläubigen nicht die Corona-Regeln beachten. Der Ramadan hatte in den meisten mehrheitlich muslimischen Ländern der Welt am Dienstag dieser Woche begonnen. 

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Es ist das zweite Jahr in Folge, dass der islamische Fastenmonat im Zeichen der Corona-Pandemie steht. Viele muslimisch geprägte Staaten haben Einschränkungen für Gläubige verhängt. So sollen sie etwa zu Hause beten, mancherorts gelten nächtliche Ausgangssperren.

Al-Mandhari betonte, die Hygiene- und Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus stünden im Einklang mit den Grundwerten des Islam: „Kümmere Dich um Deine physische Gesundheit und schade Anderen nicht.“

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Einschränkungen und Verbote in islamischen Ländern

Gebete würden wie im Vorjahr zuhause verrichtet, heißt es vom Zentralrat der Muslime in Deutschland. „Wir machen neben unseren Moscheen nun unsere Wohnungen zu den Orten der Anbetung Gottes“, sagt der Vorsitzende Aiman Mazyek.

Saudi-Arabien verbietet in diesem Jahr das traditionelle gemeinsame Fastenbrechen (Iftar) und das Frühstück vor dem Morgengrauen (Suhur) in Moscheen. In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten dürfen Gläubige höchstens 30 Minuten lang in Moscheen beten, in Ägypten brauchen sie dabei ihren eigenen Gebetsteppich.

In Ländern wie dem Iran, Tunesien und Marokko gelten nächtliche Ausgangssperren. Angesichts eines Rekordhochs der täglichen Fallzahlen dürfen Cafés und Restaurants in der Türkei nur einen Lieferservice anbieten. Treffen in großen Gruppen sind verboten.

In Indonesien dürfen Gläubige wie bereits im vergangenen Jahr zu den Feierlichkeiten nicht in ihre Heimatstädte zurückzukehren. In dem Land leben weltweit die meisten Muslime. In Bangladesch ist es Moscheen untersagt, Essen zum Fastenbrechen anzubieten.

Doch es gibt auch Länder, die keine Auflagen erlassen haben: Pakistan etwa – obwohl die Zahl der Neuinfektionen dort massiv gestiegen ist, Krankenhäuser überlastet und Beatmungsgeräte knapp sind. Auch in Afghanistan, im Niger und in Somalia gibt es keine Beschränkungen.

Ramadan als Lebensregel

Der Ramadan (auf arabisch bedeutet das „heißer Monat“) ist der muslimische Fastenmonat, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Er dauert 29 bis 30 Tage. Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Lebensregeln der Muslime. 2019 dauert der Ramadan vom 13. April bis 12. Mai.

Alle Muslime, die in vollem Besitz ihrer Geisteskräfte, volljährig und körperlich dazu imstande sind, müssen fasten. Sie dürfen in dieser Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen, sollen sich in Gebeten auf ihren Glauben besinnen und von ihren Sünden reinigen. Das Fasten endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens.

Lesen Sie hier: Religionen – Was ist der Islam? Was glauben Muslime?

Daneben gibt es für Muslime noch andere Anlässe zum Fasten wie zum Beispiel das Sühnefasten sowie einzelne Fastentage wie etwa Ashura, den zehnten Tag des ersten Monats im islamischen Kalender.

Zeit des Fastens

Im Koran heißt es in Sure 2, Vers 185: „(Fastenzeit ist) der Monat Ramadan, in dem der Koran (erstmals) als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist, und (die einzelnen Koranverse) als klare Beweise der Rechtleitung und der Rettung. Wer von euch während des Monats anwesend ist, soll in ihm fasten. Und wenn einer krank ist oder sich auf einer Reise befindet (und deshalb nicht fasten kann, ist ihm) eine (entsprechende) Anzahl anderer Tage (zur Nachholung des Versäumten auferlegt).“

Lesen Sie hier: Was ist der Islam? Was glauben Muslime? – Der Islam von A bis Z




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