Rathaus in Stuttgart Mann erleidet Bruch – Paternoster nach Unfall vorsorglich stillgelegt

Von Barbara Czimmer 

Die Paternoster im Rathaus sind Touristenattraktion wie Beamtenbagger gleichermaßen. Jetzt stehen sie still, weil ein Mitarbeiter bei der Benutzung des Umlauflifts einen Unfall erlitten hat.

Auch ein beliebtes Fotomotiv: der Paternoster im Stuttgarter Rathaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Auch ein beliebtes Fotomotiv: der Paternoster im Stuttgarter Rathaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Stadtverwaltung hat am Montag alle drei Paternoster im Rathaus vorübergehend stillgelegt. Wie die Pressestelle am Dienstag mitteilte, sei der Grund dafür ein Unfall, den ein Mitarbeiter bei der Benutzung eines Paternosters erlitten hatte. „Der Mann hat sich einen Bruch zugezogen, konnte aber noch selbstständig einen Arzt aufsuchen“, so Stadtsprecher Sven Matis, mit zeitlicher Verzögerung sei das Vorkommnis schließlich als Arbeitsunfall gemeldet worden.

Zuletzt liefen die Kabinen noch am Samstag während der Stuttgart-Nacht rund. Matis: „Das war möglich, weil wir Sicherheitspersonal im Einsatz hatten.“ Nach dem Wochenende habe man den Umlaufaufzügen aber vorsorglich eine Pause verordnet. „Die Verwaltung hat nun rechtliche Fragen zum Betrieb des Paternosters zu klären, ist aber zuversichtlich, dass die Paternoster vor Beginn des Weihnachtsmarkts wieder in Betrieb gehen“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt.

Mehrfach von Stilllegung bedroht

Werktags werden die Paternoster – im Volksmund Beamtenbagger genannt – von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den schnellen Dienstweg genutzt; alle Mitarbeiter werden nach Auskunft der Pressestelle schriftlich über die sichere Benutzung informiert. Außerdem ziehen die nostalgischen Aufzüge täglich viele Besucher an.

Den Paternostern ging es schon mehrfach an den Kragen: 2004 war der Hauptlift für zwei Wochen außer Betrieb, weil das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung die Arbeitssicherheit damit gefährdet sah. Damals sprang Altoberbürgermeister Manfred Rommel dem Vehikel mit einem Vergleich bei: „Wenn man Paternoster verbietet, muss man vieles verbieten, was noch erlaubt ist – zum Beispiel den Betrieb von Skiliften, das Bohnern oder das Autofahren.“ Der Bundesrat hat Norbert Blüms Vorstoß damals vereiteln können, die nostalgischen Aufzüge erhielten für weitere zehn Jahre eine Galgenfrist. 2015 dann beschloss das Bundeskabinett, dass der Betreiber – in dem Fall also die Stadt – die Aufzüge öffentlich betreiben dürfe, wenn er ausreichend Schutzmaßnahmen treffe. Daraufhin hat das Gewerbeaufsichtsamt eine sogenannte Gefahrenbeurteilung erstellt, auf deren Grundlage Schutzvorkehrungen getroffen wurden. Nach Angaben des Haupt- und Personalamts werde die Einhaltung der Betriebssicherheitsverordnung geprüft und untersucht, ob eine Gegensprechanlage eingebaut werden muss.

Dem Rosenkranz entlehnt

Im General Post Office in London soll 1876 der erste Paternosteraufzug der Welt betrieben worden sein – allerdings nur zum Transport von Paketen. Die Technik hat man dem Bergbau entlehnt und in London erst Jahre später zur Personenbeförderung genutzt. Der Name stammt vom katholischen Rosenkranz. Bei dieser Gebetskette stehen die Perlen für Gebete, auf zehn Ave Maria folgt ein Vaterunser – ein Paternoster.

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