Rathausstürme in Rutesheim und Warmbronn Die Narren übernehmen die Politik

Rausgetragen: Rutesheims Bürgermeisterin Susanne Widmaier wehrt sich. Foto: Simon Granville

Bei den Rathausstürmen in Rutesheim und Warmbronn bringen die Narren am Schmotzigen Donnerstag einige kommunalpolitische Themen aufs Tapet: unter anderem Wohnraum, Windkraft und Digitalisierung.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Am Ende half alles nichts. Tapfer hatten sie gekämpft, RutesheimsBürgermeisterin Susanne Widmaier und die Belegschaft des Rathauses. Doch gegen die Entschlossenheit der Gumpa-Hexa war am Schmotzigen Donnerstag kein Kraut gewachsen. Dabei hatte die Verwaltungschefin am Fenster im Obergeschoss noch tüchtig Widerstand angekündigt – und sich gegen Vorwürfe der Hästräger gewehrt.

 

Politik in Reimform gibt’s in Rutesheim

Die hatten zum Beispiel folgendes angeprangert: Teuer ist es, das Pflaster von Rutesheim, so bleibt den Eltern der Schüler kein Geld mehr übrig für ‘nen richtigen Förderverein.Der verzweifelt sucht Mitglieder, wenn da nichts passiert, ist bald Schluss.Ist das nichts für Euch, wo man helfen muss?

Widmaiers Antwort auf die Vorwürfe von Häs-Hexe Mirjam Blumberg war deutlich: Gründet ihr doch einen Hexen-Förderverein,aber auf gar keinen Fall wollen wir Hexen-Mitglieder sein.Denn wir lassen uns von euch zur Aufnahme nicht quälen,definitiv könnt ihr auf uns hier nicht zählen.

Themen, die die Hexen sonst noch auf ihrer Regentschafts-Agenda haben: Das noch immer nicht bebaute Bosch-Gelände, der recht neue, mobile Blitzer, die Radfahr-Leidenschaft des Ersten Beigeordneten Martin Killinger – die zeigte sich zum Beispiel beim Stadtradeln – und die Digitalisierung. So „entsorgte“ die Hexen-Schar nach der erfolgreichen Machtübernahme auch gleich ein paar alte „Akten“ aus dem Fenster.

Belegschaft zeigt sich in Bade-, Schwimm- oder Surferkluft

Akten, Paragrafen – damit die Rathausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nicht in diesem Chaos untergehen, hatten sie sich allesamt in Schwimm-, Bade- oder Surfkluft gekleidet. Susanne Widmaier hatte gar eine Gesichtsmaske aufgelegt. „Und Achtung, ich bin bewaffnet“, scherzte sie, auf ihre große Bürste deutend. Da hatten die Gumpa-Hexen sie allerdings schon aus dem Rathaus getragen.

Jetzt regieren also erst einmal die Hexen in Rutesheim. Bis Aschermittwoch haben sie Zeit, ihre Agenda umzusetzen. „Wenn sie richtig gut sind, stelle ich sie ein“, so Widmaier lachend. Und wenn nicht? „Dann gehen sie von selber, dann sind sie nämlich gefrustet.“ Von Hexenmeister Andreas Flöck gab’s noch ein kleines Präsent, bevor es zum gemütlichen – und bewirteten – Teil ins Foyer des Rathauses ging. Bei Musik. Der große Lautsprecher auf dem „Hexen-Wägele“ hatte zum Start des Rathaussturms noch versagt.

Auf die Technik wollten sich die Beerlesklopfer beim Rathaussturm im heimischen Warmbronn nicht verlassen. Die Zunft hatte für die musikalische Untermalung eine Guggen-Delegation der Leo Valentinos eingeladen. Das war schräg und passend, genau wie das Kostüm von Ortsvorsteher Jens Schneider. Er und die Mitarbeiterinnen der Ortschaftsverwaltung lugten als Windräder verkleidet aus den Fenstern im ersten Stock. „Wir gehen halt mit der Zeit“, so der Schultes – während er sich von Zunftmeister Marc Schaefer so einiges anhören durfte.

Windräder gefährden laut den Beerlesklopfern die Hexen auf ihren Besen

Windräder, das gehe ja gar nicht. Da könnten die Mitglieder der Beerlesklopfer-Patenzunft, die Gebersheimer Leicha-Hexa, ja gar nicht mehr gefahrlos auf ihren Besen herumfliegen. Stattdessen wäre ein Strandbad am Warmbronner See doch ganz nett. Und außerdem brauchen die Beerlesklopfer ein Vereinsheim. „In Fellbach steht der fast fertige 107 Meter hohe Schwabenlandtower“, so Schaefer. „Den tragen wir ab und nehmen ihn mit nach Warmbronn.“ Außerdem hätte darin auch noch ein Luxus-Appartement platz – und endlich ein adäquates Altenpflegeheim. Dafür boten sich die Beerlesklopfer während der Fasnet auch gleich als Pflegekräfte an. „Wir nehmen die Senioren einfach im Kärrele mit“, versprach Schaefer.

Beerlesklopfer haben sich tatkräftige Unterstützung geholt

Am Ende waren die Windräder doch noch nicht ganz vom Tisch. „Aber dann in den Beerlesklopfer-Farben beige und grün und mit gaaaaaaanz großen, blauen Beeren“, forderte der Zunftmeister. Da fiel dem Ortsvorsteher doch glatt ein Rotorblatt vom Kopf. Am Ende half auch in Warmbronn alles Diskutieren nichts. Gegen die Übermacht der Beerlesklopfer, die auch noch Unterstützung von der Gesellschaft Engelberg und den Rutesheimer Gumpa-Hexa hatten, war kein Ankommen.

Und die Politische Agenda der Warmbronner Zunft für die kommenden Tage? „Nein, wir haben noch nicht angefangen, den Tower in Fellbach abzutragen“, gesteht Marc Schaefer, „aber man muss sich eben hehre Ziele setzen.“

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