Ravensburger Kinderwelt Kornwestheim Das Verrückte Labyrinth soll mehr Kinder anlocken

Von Peter Meuer 

Die Ravensburger-Kinderwelt in Kornwestheim ist ein Spielparadies. Doch es fehlt an Besuchern und das Defizit ist hoch – daher versuchen Stadt und Unternehmen es jetzt mit einem neuen Konzept.

Röhren und Tunnel verbinden die einzelnen Spielelemente des Kletterparcours „Verrücktes Labyrinth“ miteinander. Foto: Peter Meuer
Röhren und Tunnel verbinden die einzelnen Spielelemente des Kletterparcours „Verrücktes Labyrinth“ miteinander. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Mädchen oder Jungen – wer rockt das verrückte Labyrinth? Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck sagt grinsend: „Die Mädchen sind die ersten!“ Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier wirft ein: „Jungs sind schneller!“ Man vermag nicht zu sagen, wer von beiden Recht hat. Das Gewusel hinter den Kornwestheimer Stadtoberhäuptern ist einfach zu groß. Kinder beiderlei Geschlechts rutschen geschwind durch Röhren, klettern Netze empor und weichen Hindernissen aus. Sie lachen, toben, klettern und hüpfen – und haben offensichtlich eine Menge Spaß.

Es sind Erst- und Zweitklässler der Schillerschule, die als erste die nagelneue Attraktion in der Ravensburger Kinderwelt ausprobieren dürfen. Das Verrückte Labyrinth ist ein großer Kletterparcours, angelehnt an das berühmte Brettspiel der Firma Ravensburger. Es ist 17 Meter breit, elf Meter tief. Tunnel, Gänge und Türme verbinden die 20 Spielstationen miteinander, die in den Aufbau integriert sind. Gleich nebenan: ein Karussell, ebenfalls im Ravensburger Stil. Hier war das Spiel „Plitsch Platsch Pinguin“ Vorbild.

Eine riesige Kletterlandschaft ist ab jetzt zu erobern

Das Karussell und die riesige Kletterlandschaft stehen ab sofort allen Besuchern der Kinderwelt offen. Die Stadt und Ravensburger haben sie am Freitagvormittag offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehrere Journalisten tummeln sich hierzu in der Spielewelt, Redakteure, Kameraleute, Fotografen. Neben Keck und Allgaier sind auch mehrere Vertreter von Ravensburger vor Ort, um Rede und Antwort zu stehen. Die Presseabteilungen von Stadt und Spielefirma haben Hand in Hand gearbeitet für die Eröffnung.

Der große Auflauf hängt einerseits damit zusammen, dass – in der Rekordzeit von nur zehn Tagen – die Kinderwelt gründlich umgebaut wurde. 180 000 Euro hat sich die Stadt Kornwestheim das kosten lassen, und man will die Runderneuerung einfach gebührend feiern. Die PR-Offensive ist aber auch ein Zeichen dafür, dass das Ringen um die Zukunft der Kinderwelt in die entscheidende Phase eingetreten ist.

40 000 – diese Besucherzahl verzeichnet die Freizeiteinrichtung derzeit pro Jahr. Nicht schlecht, aber auch nicht gut genug. Aktuell legt Kornwestheim bei dem Eigenbetrieb Kinderwelt, der von Ravensburger betrieben wird, 700 000 bis 800 000 Euro drauf. Das sorgt in der Stadt immer wieder für Kritik. Eine Marktforschung hatte im vergangenen Jahr ergeben: Das pädagogische Konzept ist gut, aber für Kleinkinder ist zu wenig geboten, auch wollen die Besucher mehr toben, mehr Action. Diese Bedürfnisse sollen die die neuen Spielgeräte befriedigen. Auch wurden Öffnungszeiten angepasst, das Essen in der Kantine auf regional und saisonal umgestellt.

Anregungen aufgenommen und neue Akzente gesetzt

48 000 – diese Besucherzahl braucht die Kinderwelt nun etwa, um den Abmangel auf rund 500 000 Euro pro Jahr zu senken – darunter die eine Hälfte Miete, die andere abschreibungsfähig. Falls das nicht gelingt, wird es eng. Der Gemeinderat will im Jahr 2019 erneut einen kritischen Blick auf die Einrichtung werfen. „Das Ziel sind 50 000 Besucher pro Jahr“, gibt Allgaier eine Marke vor. Ursula Keck sagt: „Wir haben die Gedanken aufgenommen und neue Akzente gesetzt.“ Die Oberbürgermeisterin betont, man wolle die Kinderwelt „noch mehr in der Region etablieren“.

Karl-Heinz Horn von Ravensburger ist wie sie davon überzeugt, dass das gelingen kann. Er ist der Geschäftsführer der Agentur Freizeit und Promotion, die den Bau der Kinderwelt – und jetzt den Umbau – begleitet hat. Horn kennt sich aus mit Spieleparks und Indoorspielplätzen. „Wir hoffen jetzt einfach, dass das mehr Frequenz hier reinbringt“, sagt er mit Blick auf das Verrückte Labyrinth. „Das Angebot haben wir jetzt jedenfalls entsprechend der Kundenwünsche angepasst“, ist er überzeugt. Und Horn weiß, dass die Bekanntheit nicht das Problem ist: Da komme die Ravensburger Kinderwelt in Kornwestheim gleich nach dem Sensapolis.

Indessen treiben sich etliche Schüler noch immer im und um das Verrückte Labyrinth herum. „Ich rutsche hier so gern“, ruft Damiano, sieben Jahre alt. „Ich mag das Karussell“, ergänzt Melody, sechs Jahre alt. Und der siebenjährige Philipp berichtet: „Ich mag am liebsten, dass hierdrin überall, ähm, Dinger herumhängen!“