Razzien in Stuttgart, Weissach und Rülzheim Bundesweit größter Drogen-Webshop zerschlagen

Von Stuttgarter Zeitung 

Am 14. April ist der frühere Fußball-Nationalspieler Walter Kelsch in Stuttgart festgenommen worden. Dem 60-Jährigen und vier weiteren Männern, die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzen, wird vorgeworfen, den bundesweit größten Internetshop für illegale Betäubungsmittel betrieben zu haben.

Walter Kelsch soll  an Drogenhandel in großem Stil beteiligt gewesen sein. Foto: Baumann
Walter Kelsch soll an Drogenhandel in großem Stil beteiligt gewesen sein. Foto: Baumann

Stuttgart - Am 14. April ist der frühere Fußball-Nationalspieler Walter Kelsch in Stuttgart festgenommen worden. Dem 60-Jährigen und vier weiteren Männern, die ebenfalls in Untersuchungshaft sitzen, wird vorgeworfen, den bundesweit größten Internetshop für illegale Betäubungsmittel betrieben zu haben. Die Polizei ist laut der zuständigen Staatsanwaltschaft in Verden (Niedersachsen) bei Razzien in Stuttgart, Weissach (Kreis Böblingen) und Rülzheim (Rheinland-Pfalz) auf die fünf Verdächtigen gestoßen.

Die Männer sollen seit Mai 2015 über das Internet rege mit Drogen gehandelt haben. Demnach bekamen die Kunden ihre Bestellungen ganz simpel auf dem Postweg zugeschickt. Laut den Ermittlern sollen auf diese Weise bis zu 50 Päckchen pro Tag versendet worden sein. Die Betäubungsmittel, die die Gruppe unter dem Namen Chemical Love verschickt haben soll, sollen einen Wert von 1,3 Millionen Euro gehabt haben.

Bei den Razzien wurden die Ermittler reichlich fündig. In dem Haus in Rülzheim stießen sie auf 54 Kilo Amphetamin, vier Kilo Heroin, 1,3 Kilo Kokain und 25 000 Ecstasy-Tabletten. Auch die Stuttgarter Wohnung, in der Walter Kelsch festgenommen wurde, sei durchsucht worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Verden den Stuttgarter Nachrichten.

Die mutmaßliche Bande namens Chemical Love soll das Rauschgift seit Mai 2015 sowohl im offenen Internet als auch im sogenannten Darknet angeboten haben. „Das war wie bei einem normalen Online­Shop“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Drogen wurden demnach mit einzelnen Bildchen angeboten und konnten ganz einfach per Mausklick bestellt werden. Mehr als 1500 Verkäufe seien per Postversand abgewickelt worden. Als Bezahlung sei ausschließlich die Cyberwährung Bitcoin akzeptiert worden.

Vier weitere Beschuldigte

Das verdächtige Quintett im Alter von 21 bis 60 Jahren kam wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Daneben gibt es vier weitere Beschuldigte – zwei Männer und zwei Frauen. In den Niederlanden und in Bulgarien beschlagnahmte die Polizei mehrere Server.

Auf die Spur von Chemical Love waren die Ermittler im Zuge einer internationalen Initiative zur Bekämpfung illegaler Handelsplätze im Internet gestoßen. Zunächst nahmen spezielle Fahnder der Polizei in Hannover und Beamte der Zentralstelle für Internetkriminalität der Staatsanwaltschaft Verden den Online-Shop unter die Lupe, weil die mutmaßlichen Tatorte anfangs noch nicht bekannt waren. Mittlerweile ist die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz in Zusammenarbeit mit der Polizei Hannover für den Fall zuständig.

Kelsch bleibt in U-Haft

Welche Rolle Walter Kelsch in der Gruppe gespielt haben soll, ist noch offen. Der ehemalige VfB-Fußballspieler sitzt nach Angaben der Behörden nach wie vor in Untersuchungshaft. Nach Recherchen der Stuttgarter Nachrichten droht dem früheren Bundesliga-Stürmer aber auch von anderer Seite Ungemach: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt in drei weiteren Fällen wegen Anlagebetruges. Bekannte bezichtigen Kelsch, ihm große Summen Geldes zur Anlage überlassen, aber nicht zurückerhalten zu haben. Der Schaden soll im sechsstelligen Bereich liegen. Die Ermittlungen ziehen sich bereits über einen längeren Zeitraum hin.

Von der Anwaltskanzlei, die Kelsch vertritt, hieß es am Montag, dass man sowohl zu den Drogenhandel- als auch den Anlagebetrugsvorwürfen nichts sagen könne. Derweil bleibt Kelsch in U-Haft.

Sonderthemen