Reaktionen auf Hilferuf in Stuttgart Nachschlag für Realschulen gefordert

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Der Notruf der Stuttgarter Realschullehrer schlägt Wellen – nicht nur in Stuttgarter Lehrerkollegien. Der Verband Bildung und Erziehung leitet daraus die Forderung nach kleineren Klassen und mehr Lehrern ab – und nach einer Veränderung, die gar nicht im Sinne des Realschullehrerverbands ist.

Nicht in jeder Klasse läuft der Unterricht so gesittet ab. Foto: dpa
Nicht in jeder Klasse läuft der Unterricht so gesittet ab. Foto: dpa

Stuttgart - Der Notruf der Stuttgarter Realschullehrer schlägt Wellen – nicht nur bei Barbara Koterbicki, der geschäftsführenden Leiterin der Stuttgarter Realschulen und Rektorin der Schlossrealschule.

In unserem Zeitungsbericht hatte sie bestätigt, was viele Realschulen als tägliche Realität erleben – und bekommt nun für ihre Aussagen viel Zuspruch von Kollegen, auch außerhalb Stuttgarts. Auch diese erleben die Mischung aus einem bunten Schülermix, vollen Klassen, vielen Kindern, die keine sozialen Regeln kennen, und dem Lehrermangel als Herausforderung, die kaum zu meistern sei. Koterbicki blickt nach vorn und setzt auf flankierende Maßnahmen: „Wir werden für den nächsten Doppelhaushalt fordern, die Schulsozialarbeit weiter auszubauen – die wird gebraucht.“ Allerdings könne diese „nicht das Strukturproblem lösen“, so die Schulleiterin.

Verband: Realschulen leisten wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) reagiert auf unseren Zeitungsbericht und fordert nun eine Stärkung der Realschulen: „Keine andere Schulart des Sekundarbereichs hat eine so heterogene Schülerschaft wie die Realschule“, argumentiert der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand. Dabei leiste gerade die Realschule einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit – „dank ihr ist die Zahl der Abiturienten über das berufliche Schulwesen stark gestiegen“. Die Qualität der Realschulen dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

„Die Realschulen benötigen dringend mehr Lehrer und mehr Stunden für Teambesprechungen und Beratungsgespräche“, fordert VBE-Vize Dirk Lederle, selbst Leiter einer Realschule. Und: „Die Schulklassen müssen deutlich verkleinert werden, um Inklusion, Integration und in zunehmendem Maße auch Erziehung leisten zu können“, so Lederle. Außerdem müsse eine sinnvolle Differenzierung des Unterrichts in Züge mit mittlerem und Grundniveau ermöglicht werden.

Es ist strittig, wie stark die Realschulen schwächere Schüler bedienen sollen

Damit positioniert sich der VBE konträr zum Realschullehrerverband. Dessen Landesvorsitzende Karin Broszat hatte es als „verhängnisvollen Fehler“ bezeichnet, wenn in der Orientierungsstufe mit der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss begonnen würde. Dieser, so Broszat, solle „ledigliche in Ausnahmefällen angeboten werden“.

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