Rechtslage bei Photovoltaik Wann für eine Solaranlage ein Blendgutachten nötig ist

Auch Solarmodule reflektieren Sonnenlicht. Laut einem Experten der TH Köln hat das Licht allerdings eine andere Farbe. Foto: Imago/Pond5 Images/xPixieMex

In manchen Fällen fordert die Behörde ein Blendgutachten, wenn man eine Solaranlage installieren will. Worum geht es, und wie groß ist das Problem?

Klima & Nachhaltigkeit: Judith A. Sägesser (ana)

In keinem Jahr wurde so viel Photovoltaik in Deutschland ausgebaut wie 2023. Damit ebenfalls gestiegen ist die Anzahl der Blendgutachten. Sie werden allerdings nur in bestimmten Situationen gefordert, beispielsweise in einem Nachbarschaftsstreit.

 

Können Solaranlagen Nachbarn blenden?

In einem Faktenpapier des Fraunhofer Instituts ISE zu Photovoltaik geht es auch kurz um Blendwirkungen. Eine Solaranlage könne blenden. „Der Effekt ist auf bestimmte Tageszeiten und Tage im Jahr begrenzt.“ Oberfläche und Antireflexschicht würden schon viel Licht schlucken, die „maximalen Leuchtdichten in Reflexion“ seien „deutlich kleiner als bei Fenstern“. Grundsätzlich gilt laut Andreas Schlumberger, dem Geschäftsführer des Solar-Clusters Baden-Württemberg: „Anwohner haben in ihren Schlafräumen, Wohnzimmern und Büros ein Recht darauf, nicht unzumutbaren Belästigungen ausgesetzt zu sein.“

Ist immer ein Blendgutachten nötig?

Nein. „Blendgutachten im privaten Bereich werden nur in bestimmen Situationen gefordert“, sagt Schlumberger. Etwa weil die Baubehörde oder die Autobahn GmbH den Verdacht hegen, die Module könnten ein Störfaktor sein. Aber auch Nachbarschaftsstreits können in ein Blendgutachten münden. „Typischer sind Blendgutachten im Bereich von PV-Freiflächenanlagen, größeren Anlagen sowie verkehrsnahen PV-Anlagen“, erklärt Antonia Gordt vom Solar-Cluster. „Meist werden hier unabhängige Blendgutachten durch die örtlichen Baubehörden bereits schon vor Baubeginn gefordert.“

Ihrer subjektiven Einschätzung nach nehmen Blendgutachten im privaten Bereich zu. Sie findet das aber nicht verwunderlich, „da die stetig steigende Anzahl von PV-Anlagen für mehr Sichtbarkeit in unserem Alltag sorgt und damit auch das Potenzial für mögliche Konflikte zwischen den PV-Anlagen und unserem Alltag zunimmt“. Auch der TÜV Süd verzeichnet nach eigenen Angaben einen kontinuierlichen Anstieg der Nachfragen bei Blendgutachten.

Wie viel kostet ein Blendgutachten?

Das sei „pauschal nicht zu beantworten, weil mehrere Aspekte wie Größe, Gelände, Ausrichtung der PV-Module oder Anzahl der Immissionsorte berücksichtigt werden müssen“, sagt Holger Braun von der TÜV Süd Industrie Service GmbH. Der TÜV Süd erstellt Gutachten vor allem für größere Projekte, hatte aber eigenen Angaben zufolge auch schon Anfragen wegen Balkonkraftwerken.

Und wie läuft es ab? „Eine Prognose zur Blendwirkung kann aus dem Büro heraus erstellt werden“, sagt Braun. „In der Regel ist nicht einmal ein Vor-Ort-Termin erforderlich.“ Die Prognose müsse vor der Errichtung erstellt werden, „um eine Beeinträchtigung von schützenswerten Nutzungen durch die Blendung auszuschließen“.

Unterscheidet sich Blend- von Sonnenlicht?

Laut dem Fraunhofer-Faktenpapier handelt es sich bei der Blendwirkung von Solarmodulen um einen Störfaktor, nicht aber „um eine messbare Herabsetzung des Sehvermögens“. In diese Richtung äußert sich auch Professor Holger Weigand, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Angewandte Optik und Elektronik an der TH Köln. „Generell tolerieren Probanden unangenehm helles direktes Licht von Leuchten wesentlich geringer als direktes Sonnenlicht – obwohl Letzteres potenziell sogar zu einer physiologischen Blendung führen kann“, sagt Weigand.

Von Solarmodulen reflektiertes Licht habe eine andere Farbe als Sonnenlicht, weil die Module die spektralen Anteile vorzugsweise in Stromenergie übertragen. „Es könnte also sein, dass dieses ,unnatürlich gefärbte‘ Licht als unangenehmer empfunden wird als direktes Sonnenlicht“, sagt Weigand. Es gelte: „Dieses Licht ist nicht schädlicher als direktes Sonnenlicht.“ Daher sei zu vermuten, „dass wir hier im Bereich der psychologischen Blendung sind“. Hier würden Probanden sehr unterschiedlich antworten, wenn man sie frage, ob und wenn ja wie sehr sie eine Blendung als unangenehm empfinden.

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