Region Stuttgart Konkurrenzkampf der Möbelriesen wird schärfer

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In der Region Stuttgart buhlen viele Möbelmärkte um die Kunden, deren Kaufkraft bundesweit als eine der höchsten gilt. Auch das neue Haus „Möbel Hofmeister“ in Sindelfingen will etwas vom großen Kuchen abhaben. Am Donnerstag wird es eröffnet.

Frank Hofmeister freut sich auf die Eröffnung in Sindelfingen. Foto: FACTUM-WEISE
Frank Hofmeister freut sich auf die Eröffnung in Sindelfingen. Foto: FACTUM-WEISE

Sindelfingen - Wer in der Region Stuttgart auf der Suche nach einem neuen Sofa, neuen Schränken oder Betten ist, der hat die Qual der Wahl. Mehr als zwei Dutzend großer Möbelhäuser versprechen mittlerweile die Erfüllung aller Wohnträume – nicht mitgerechnet, jene Zentren, die gleich jenseits der Grenze etwa in Reutlingen oder Heilbronn residieren sowie die Vielzahl kleinerer, oft äußerst individueller Geschäfte, die sich ebenfalls auf diesem Markt tummeln.

Dabei ist die neue Dependance von Möbel Hofmeister in Sindelfingen nur das vorerst letzte Glied in einer ganzen Reihe von Neu- oder Wiedereröffnungen in den vergangenen Jahren. Besonders spektakulär gerieten zuletzt die Ansiedlung der XXXL-Mann-Mobilia-Filiale in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) vor zwei Jahren sowie im Jahr 2008 der Start von Möbel Rieger in Esslingen. Wie zuletzt auch in Sindelfingen war dem Neubau in einem Industriegebiet vor den Toren der ehemaligen Reichsstadt eine politische Debatte darüber vorausgegangen, ob der Möbelmarkt einem Ausbluten der innerstädtischen Geschäftswelt Vorschub leistet. Durch eine in einem städtebaulichen Vertrag festgelegte Beschränkung des Randsortimentes sei Rieger schlussendlich auf „breite Akzeptanz“ gestoßen, sagt der Stadtsprecher Roland Karpentier: Dank der überregionalen Ausstrahlung des Möbelhauses profitiere der Einzelhandelsstandort Esslingen insgesamt.

Strenge Regeln für die Möbelhäuser

Auch der Verband Region Stuttgart sehe in der Aufrüstung der Möbelriesen kein grundsätzliches Problem, wie der Chefplaner Thomas Kiwitt sagt. Deren Kernsortiment passe definitiv nicht in eine City und sei daher an der Peripherie gut aufgehoben. Allerdings gelten in der Region strenge Spielregeln für den Verkauf sogenannter innenstadtrelevanter Sortimente auf der grünen Wiese.

Die Konkurrenz von Einkaufs- und Konsumtempeln am Rande der Stadt zum innerstädtischen Handel beschäftigt auch die politischen Gremien. So hat der Ludwigsburger Gemeinderat unlängst eine Erweiterung des dortigen Breuningerlandes abgelehnt, und ähnliche Pläne des Stuttgarter Kaufhauskonzerns für den Ableger in Sindelfingen sind auch heftig umstritten. In den Möbelmärkten dürften vor diesem Hintergrund Kollektionen wie Haushaltswaren und Geschenkartikel auf maximal drei Prozent der Gesamtfläche und höchstens 350 Quadratmetern vorgehalten werden, betont Kiwitt.

Kampf um Millionen Euro

Trotz dieser Beschränkungen gilt die Region Stuttgart in der Branche als „interessanter, strategisch wichtiger Standort“, wie die international tätige XXXL-Gruppe betont, die in das Haus in Fellbach rund 40 Millionen Euro investiert hat. Kein Wunder: die Kaufkraft der Bevölkerung im Ballungsraum zählt republikweit zur höchsten, so Tilo Ambacher von der Industrie- und Handelskammer in Böblingen. Pro Jahr gehe es im Bereich des stationären Einzelhandels, also der Geschäfte vor Ort, um ein Umsatzvolumen von 14 Milliarden Euro – und darum buhlt auch die Möbelbranche. Deren Bedeutung habe zuletzt zugenommen, sagt Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Baden-Württemberg, und nennt unter anderem den Trend zum Cocooning, zum Rückzug ins häusliche Privatleben, als Grund.

Nur die Gemarkung der Landeshauptstadt selbst erweist sich seit der Schließung von Möbel Mammut Beck als weißer Fleck auf der Landkarte der großen Möbelhäuser. Wie zuvor schon die XXXL-Gruppe sprach auch der schwedische Ikea-Konzern vergeblich im Rathaus vor: eine Ansiedlung im Neckarpark wurde abgelehnt. „Wir fühlen uns in Stuttgart nicht willkommen“, sagte auf Anfrage die Ikea-Sprecherin Simone Settergren. Zwar bestehe weiterhin das Ziel, in der Region einen dritten Standort zu bauen – aber nicht um den Preis, auf eine Markthalle mit Devotionalien vom Geschirr über Servietten bis hin zum Kerzenständer zu verzichten. „Das gehört“, so Settergren, „zu unserem Markenkern.“




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