Reiseziel Wie Salzburger ihre Traditionen leben

Von Susanne Hamann 

Salzburg ist kein barockes Disneyland, hier leben echte Menschen. Und die lassen es sich trotz Touristenansturms nicht nehmen, ihre Traditionen wie selbstverständlich zu leben, auf dass die Stadt nicht zum bloßen Fotomotiv verkomme.

Herbert Schröder sitzt täglich auf dem Kutschbock, manchmal auch bei festlichen Anlässen. Foto: Franz Neumayr/Stiegl Brauerei 6 Bilder
Herbert Schröder sitzt täglich auf dem Kutschbock, manchmal auch bei festlichen Anlässen. Foto: Franz Neumayr/Stiegl Brauerei

Salzburg - Unterwegs zu gelebten Traditionen und zu Menschen mit besonderen Berufen.

Der Bierkutscher

Der Herbert ist einer, der jeden sofort duzt. Er hat das sonnig-einnehmende Auftreten eines Skilehrers und doch kann er ganz schön eigensinnig sein. Herbert – 58 Jahre, drahtige Statur, braun gebrannt – heißt Schröder mit Nachnamen und ist im Salzburger Stadtteil Maxglan bekannt wie ein bunter Hund. Jeden Tag spannt er die schwarz-weiß gefleckten Noriker-Hengste Lenz und Lord ein, belädt sein Fuhrwerk und zuckelt los. Der Bierkutscher ist der letzte seiner Zunft in Salzburg. Und wenn man was Besonderes ist, dann darf man sich auch besonders benehmen. So weigerte sich der Herbert lange erfolgreich, etwas anderes als Bier aufzuladen. „A Limo fahr i net“, beschied er den Kollegen der Stiegl-Brauerei. Dass er das immerhin fünf Jahre erfolgreich verweigerte, bis man in zwang, freut ihn. Er hat seinen Stolz, schließlich verkörpert er ein Handwerk mit Tradition. Stiegl-Bier gibt es seit 1492. Eine Jahreszahl, die jeder Salzburger wie aus der Pistole geschossen hersagen kann. War da nicht noch was? Ach ja, Kolumbus hat im selben Jahr Amerika entdeckt.

Anderswo sieht man mit Bier beladene Pferdewagen nur noch bei Umzügen oder Festen. In Salzburg sind die Gespanne täglich im Einsatz. Die Bühne der Welt ist halt auch ein Dorf. Da werden die Fässer nach alter Sitte zu den Gasthöfen gebracht. Und darüber freuen sich die Leute. Keiner hupt, wenn die Pferde den Verkehr abbremsen. Viele winken, das Gespann wird ständig fotografiert. „Einmal habe ich einem Japaner erlaubt, für ein Bild auf den Kutschbock zu klettern. Blöd, dass der mit einer Gruppe da war. Dann hatte ich nacheinander 40 Japaner hier oben sitzen“, erzählt Herbert.