Rekordeinstellung im Schuldienst Gute Chancen für junge Lehrer

Von ral 

Die grün-rote Koalition lobt sich selbst für die höchste Zahl von Neueinstellungen seit den 70er Jahren. Besonders gefragt sind Sonderpädagogen. Die privaten Sonderschulen befürchten bereits, dass ihre Lehrer abgeworben werden.

Neues Schuljahr, neuer junger Lehrer: an vielen Schulen in Baden-Württemberg steht ein Generationswechsel bevor. Foto: dpa
Neues Schuljahr, neuer junger Lehrer: an vielen Schulen in Baden-Württemberg steht ein Generationswechsel bevor. Foto: dpa

Stuttgart - Das wollte sich der Kultusminister nicht nehmen lassen: Zum neuen Schuljahr werden so viele Menschen neu in den Schuldienst kommen wie seit den 70er Jahren nicht mehr, jubeln Andreas Stoch (SPD) und sein Parteifreund Stefan Fulst-Blei, der bildungspolitische Sprecher der Fraktion. Vom Tisch, das ärgerliche Thema Stellensparen in der Schule. Statt dessen Schlagworte wie „Rekordniveau bei der Einstellung“, „Vorfahrt für Bildung“ und „Sicherung der Unterrichtsversorgung“, garniert mit reichlich Lob von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), deren Kritik besonders dem roten Teil der grün-roten Landesregierung erhebliche Schmerzen bereitet hatte.

In Zahlen stellt sich die Botschaft so dar: 5750 Lehrer werden zum Schuljahr 2015/16 eingestellt. Zu besetzen sind 5300 volle Stellen. Die sind aber keineswegs alle neu. Allein 3800 Stellen werden deshalb frei, weil Lehrer in Pension gehen.

Bereits mehrfach hat sich der Kultusminister dafür loben lassen, dass im Bildungsnachtrag 713 Stellen neu geschaffen wurden. Am Dienstag verkündete er zusätzlich, dass 637 befristete Stellen weiter besetzt werden. Zum neuen Schuljahr werden keine Stellen gestrichen. Ursprünglich war die Rede davon gewesen, 1829 Stellen wegfallen zu lassen.

Schülerrückgang geringer als erwartet

Durch die Zuwanderung sind aber die Schülerzahlen nicht so stark gesunken, wie prognostiziert. In den Grundschulen werden im neuen Schuljahr nicht weniger Schüler sitzen, sondern 3000 mehr. Insgesamt wird es nach den Sommerferien wohl 12 500 Schüler weniger geben, als gegenwärtig.

Auf diesem Niveau könnte sich der Rückgang auch in den kommenden Jahren bewegen, mutmaßt Stoch. Vom Stellenstreichen will er nichts mehr hören. Die Zuwanderung könnte weiter steigen, mehr Grundschüler heute bedeuteten in wenigen Jahren mehr Bedarf an den Realschulen und Gymnasien, sagt Stoch.

Die CDU gießt Wasser in den Wein. Der Minister verkaufe eine Selbstverständlichkeit als politische Leistung, ätzt der Bildungspolitiker Georg Wacker. Natürlich müsse die Unterrichtsversorgung gesichert, selbstverständlich müssten Pensionäre ersetzt, natürlich müssten für besondere Entwicklungen neue Stellen geschaffen werden. Das gelte besonders für Flüchtlingskinder und die Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern.

Privatschulen sorgen sich um Inklusion

Am Donnerstag berät der Landtag zum ersten mal über das künftige Inklusionsgesetz. Besonders die Privatschulen sehen den Gesetzentwurf mit großer Sorge. Sie warnten am Dienstag davor, dass Privatschulen bei der Inklusion ins Abseits geraten könnten, obwohl 30 Prozent der Sonderschulen in Baden-Württemberg in privater Trägerschaft sind.

Sie befürchten, dass die bisherigen Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Schulen nicht mehr möglich sein werden. So könnten Sonderpädagogen einer privaten Schule nicht mehr an einer staatlichen Schule arbeiten, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS). Bewährte Kooperationen zum Beispiel über Außenklassen würden erschwert.

Die Freien Schulen kämen in Finanzierungsnöte, weil sie für Kinder mit Behinderung in Zukunft nicht mehr den üblichen Zuschuss von 78 Prozent der Kosten eines Regelschülers bekämen. Statt dessen sollten die Privatschulen nur noch die Lehrerstunden für die sonderpädagogische Betreuung erhalten, klagt die AGFS und fordert Nachbesserungen an dem Gesetz. Sie befürchtet, die Pädagogen der privaten Sonderschulen könnten von den staatlichen Schulen abgeworben werden. Denn den Privaten fehle dann das Geld und Sonderpädagogen sind knapp.

Die meisten Stellen für Gymnasiallehrer

Für Grund-,Haupt- und Werkrealschullehrer gibt es 1900 Stellen (Vorjahr: 1286), für Sonderpädagogen 500 (409), für Realschullehrer 1000 (592) und 1080 für Gymnasiallehrer (1192). Absolventen dieser Lehrämter werden auch an Gemeinschaftsschulen eingesetzt. Es gibt 250 neue Fachlehrer (249). An beruflichen Schulen werden 1000 wissenschaftliche und 20 technische Lehrer eingestellt (835/51).

241 Stellen bekommen die Real-, 180 die Grundschulen. 200 Stellen sind für die Inklusion, 165 für Flüchtlingskinder.

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