Rekordjahr 2023 in Korntal-Münchingen Menschen verlassen sich zunehmend auf die Feuerwehr

120 aktive Mitglieder zählt die Feuerwehr in Korntal-Münchingen – und die sind geforderter denn je. Foto: KS-Images/A. Rometsch

So viele Einsätze wie noch nie hatte die Korntal-Münchinger Feuerwehr im vergangenen Jahr. Das liegt auch daran, dass die Menschen die Wehr unnötigerweise rufen.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Erst Teilzeit, jetzt Vollzeit: Als Fabian Kunberger vor etwas mehr als einem Jahr seinen Job als Kommandant der Feuerwehr antrat, tat er das auf eine in der Stadt bisher nicht dagewesene Weise, nämlich hauptamtlich. Seit diesem Januar hat der 35-Jährige sogar seine 50-Prozent-Stelle bei der Gewerbeaufsicht im Landratsamt Ludwigsburg an den Nagel gehängt, um sich komplett der Feuerwehr zu widmen. Anders sei die Arbeit nicht zu bewältigen, meint Fabian Kunberger, der die Zusammenarbeit intern und mit der Stadt schätzt sowie deren Unterstützung. Gekündigt habe er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein Stück weit sei ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Bei Einsätzen kommt er dazu, „wenn’s personell klemmt“.

 

Was vor allem am Tag passieren kann. Das Thema der Verfügbarkeit von Personal bis zum Abend treibt die Feuerwehr zunehmend um. „Gerade größere Einsätze – alles ab Zimmerbrand aufwärts – kann eine Abteilung allein nicht mehr abdecken“, berichtet Fabian Kunberger. Dass sich Korntal und Münchingen gegenseitig unterstützen, sei deshalb nötiger als bisher, um weiter innerhalb der vorgegebenen Eintreffzeiten am Einsatzort zu sein. Und das trotz einer Personalstärke, die sich sehen lassen könne, so Kunberger: 120 aktive Mitglieder zählt die Feuerwehr. 56 sind es in Korntal – so viele wie noch nie –, 62 in Münchingen. 15 neue Mitglieder nahm die Feuerwehr im vergangenen Jahr auf.

„Sehr starke“ Jugendfeuerwehr

Dass es tagsüber mittlerweile enger wird, erklärt Fabian Kunberger mit einem strukturellen Problem: Immer mehr Menschen arbeiten außerhalb ihres Heimatorts, und Schichtarbeiter haben unregelmäßige Arbeitszeiten. Als „sehr stark“ bezeichnet Fabian Kunberger auch die Jugendfeuerwehr mit 26 Mitgliedern. Sie sei ein „maßgeblicher Lieferant“ für neue Einsatzkräfte. Dieses Jahr beginnen drei Personen ihre Grundausbildung. „Grundsätzlich sind wir guter Dinge“, sagt Fabian Kunberger. Die Feuerwehr präsentiere sich möglichst viel, etwa auf Stadtfesten. Sobald in Münchingen der neue Edeka-Markt am 19. März öffnet, werde man auch dort die Werbetrommel rühren.

Und noch einen Rekord vermeldet die Feuerwehr: Voriges Jahr hatte sie mit 180 Einsätzen so viele Einsätze wie noch nie. Mit ein Grund: „Auch in Korntal-Münchingen wird die Feuerwehr von immer mehr Menschen als ‚Problemlöser in allen Situationen’ betrachtet“, stellt Fabian Kunberger fest. Die Leute seien „immer städtischer drauf“: In Situationen, in denen sie früher selbst Hand angelegt hätten, würden sie heutzutage die Feuerwehr alarmieren.

Steine auf der Straße, Ratte in Lichtschacht

Fabian Kunberger erinnert sich etwa daran, dass die Wehr gerufen wurde, weil eine Dachrinne übergelaufen ist und ein wenig Wasser ins Haus floss. Weil Steine auf der Straße lagen. Oder weil eine Ratte in einen Lichtschacht plumpste – aus dem sie, unverletzt, auf einer Rampe aber wohl von selbst herausgekommen wäre. Ein weiteres Beispiel: die Hilfeleistungen mit unklarer Lage, für gewöhnlich auf den großen Straßen wie Autobahnen. Hier sei 2023 nur in zehn von 22 Fällen tatsächlich die Arbeit der Feuerwehr nötig gewesen. Fabian Kunberger ist froh, dass die Leitstelle in Ludwigsburg, die die Alarmierungen entgegennimmt, „die gröbsten Schnitzer“ aussiebt. Denn wenn sich herausstelle, dass die Feuerwehr eigentlich gar nicht benötigt wird – statt Menschen und Tiere aus lebensbedrohlichen Lagen zu retten –, nage das zurecht an der Motivation der Einsatzkräfte – an der schlussendlich das gesamte System „Freiwillige Feuerwehr“ hänge. Fabian Kunberger setzt auf mehr Aufklärung. „Außer mir sind alle ehrenamtlich tätig und lassen bei einem Alarm alles stehen und liegen. Das wissen viele nicht.“ Ebenfalls sei Hilfe zur Selbsthilfe erforderlich. „Ein gewisses Maß an Selbstverantwortung bei jedem Einzelnen zeichnet eine moderne und resiliente Gesellschaft aus.“

Die Ausschreibungen für drei neue Fahrzeuge hat die Feuerwehr dieses Jahr bereits auf den Weg gebracht. Im Korntaler Feuerwehrhaus werden der Größe wegen der Jugend- und der Besprechungsraum getauscht. Fabian Kunberger sagt, der größte Brocken sei das Gerätehaus in Münchingen: Lagerraum und Fahrzeugstellflächen seien an der Kapazitätsgrenze, Sanitär- und Umkleideräume veraltet. Aufgrund mangelnder Notstromfähigkeiten könnte das Gebäude bei einem Blackout seinen Zweck als „Leuchtturm“ nur sehr eingeschränkt erfüllen. Als Kommandant leitet Fabian Kunberger auch den Bevölkerungsschutz.

Weitere Themen