Rems-Murr-Kreis Der verrückte Wahlkampf des Thomas Hornauer

Von  

Der selbsternannte König Thomas Hornauer will in Plüderhausen Bürgermeister werden. Seine Wahlkampfmethoden haben ihm eine Anzeige und einen Rausschmiss eingebracht – doch er lässt sich nicht unterkriegen.

Thomas Hornauer hält über Facebook mit seinen Fans Kontakt – auch aus der Badewanne. Foto: Screenshot (Facebook) 7 Bilder
Thomas Hornauer hält über Facebook mit seinen Fans Kontakt – auch aus der Badewanne. Foto: Screenshot (Facebook)

Plüderhausen - So schnell kann es gehen. Gerade eben hat Thomas Hornauer noch völlig verzückt über den riesigen Klunker gestreichelt, der vor ihm auf dem Tisch liegt. Dann wird sein Blick todernst: Er schaut in die Kamera und sagt, der amtierende Plüderhäuser Bürgermeister Andreas Schaffer solle zurücktreten. Zu seinen Gunsten. „Sonst werde ich das Image vom Herrn Schaffer so zerlegen müssen, dass es nicht mehr heilbar ist.“ Hornauer – einst Telefonsex-Baron, dann Chef des Regionalsenders B.TV, inzwischen selbst ernannter König – will Schaffer als Bürgermeister von Plüderhausen ablösen. Und sein Wahlkampf sucht seinesgleichen.

Für einen Auftritt beim Wahlforum der Lokalzeitung hatte er vorher angeblich – vergeblich – 75 000 Euro Gage und Personenschutz gefordert. Auf die Zeitungen, verkündete er, sei er ohnehin nicht angewiesen. Hornauer kommuniziert vor allem per Facebook mit seinen Fans, wenn es sein muss, auch mit einem Video aus der Badewanne.

Wie viele Mitglieder der Gruppe, die er für den Wahlkampf erstellt hat, ihn wirklich zum Bürgermeister wählen werden, und wie viele sich nur königlich amüsieren wollen, ist unklar. Über Facebook erkundigt Hornauer sich nach den Wünschen der Plüderhäuser – und macht selbst Vorschläge. „Wir könnten mit Kristallen den See auf aktivieren, ich denke heute wissen schon viele wie das geht“, schreibt er.

Hin und wieder gerät der 57-Jährige in seinem Wahlkampf mit dem Gesetz in Konflikt: Neulich hat er seinen weißen Dienst-Rolls-Royce über und über mit Stickern beklebt. Auch die Nummernschilder – was ihm prompt einen Strafzettel einbrachte. Er fabulierte in einem Onlinevideo über „Gesetzeshierarchien“: Er sei schließlich eine „zu schützende Person“ und habe durch die Aufkleber – die allesamt sein Gesicht zeigen – verhindern wollen, „dass die Autos mit meiner Kennung fotografiert werden“. Da seine Dienstfahrzeuge ohnehin jeder sofort erkennen würde, sei es völlig egal, ob die Nummernschilder abgeklebt seien oder nicht.

Die Stadt Schorndorf hat ihn wegen seiner Sticker-Aktion angezeigt

Seine Sticker fanden sich auch auf Plakaten der Forscherfabrik Schorndorf. Die Aufkleber mit seinem Gesicht konnten einen unbedarften Betrachter glauben lassen, er trete als offizieller Gönner der Bildungseinrichtung auf. Auch wenn Hornauer sich in einem Video für die Aktion entschuldigt hat und angab, die Sticker entfernt zu haben, erstattete die Stadt Anzeige.

Am 12. Februar ist er bei seinen „Ermittlungen“ des Plüderhäuser Rathauses verwiesen worden, „der Herr Schaffer will nicht mehr mit mir reden“, zeigte er sich überrascht. Am Faschingswochenende rissen Unbekannte vier seiner Wahlplakate ab, was Hornauer anzeigte und für mehrere Facebook-Videos nutzte.

Als er im Netz einen Mercedes AMG für eine Million Euro zum Verkauf stellte, hagelte es Hohn und Häme – zumal die schneeweiße Luxuskarosse über und über mit den Stickern mit seinem Gesicht beklebt ist. „Davon kannst dir 10 AMGs ohne die Fresse drauf kaufen“, kommentierte ein Nutzer. Doch schlechte Publicity scheint es für seine Heiligkeit nicht zu geben.

Der König der Yoruba gratuliert zum Thronjubiläum

Zumal Hornauer diese Woche sein achtjähriges Thronjubiläum gefeiert hat. Unter den Gratulanten war auch Odu Dua, seines Zeichens König der westafrikanischen Yoruba, aus Benin. Er ist mit Hornauer befreundet und im Rems-Murr-Kreis kein Unbekannter: Odu-Dua war schon 2006 auf Staatsbesuch hier. Damals war er nicht vom Waiblinger OB, aber immerhin von dessen Wirtschaftsförderer empfangen worden. Den Leiter des Hauses der Kunst in Remshalden-Grunbach, Kurt Krockenberger, hatte der Stammeskönig aus Benin damals offiziell zu seinem Kulturattachée ernannt.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie