Restaurant in Markgröningen In der Herrenküferei wird wieder Geschichte geschrieben

Die neuen Pächter der Herrenküferei: Nadja und Joachim Blank Foto: Simon Granville

Die Herrenküferei am Markgröninger Marktplatz wird wieder belebt: Nadja und Joachim Blank übernehmen den Betrieb von Hotel und Restaurant. Auch in anderen historischen Wirtshäusern geht es wieder weiter – nur nicht überall gleich schnell.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Erst war es nur ein Spaß, dann wurde ein 40-seitiger Businessplan daraus. Nun steht Nadja Blank in der Markgröninger Herrenküferei und ständig klingelt das Telefon. Eine Feier für 50 Personen will die Dame am anderen Ende der Leitung noch vor der Eröffnung buchen. „Eigentlich könnte ich es machen“, hatte sie im Frühjahr aus einer Laune heraus zu ihrem Mann Joachim gesagt, als sie auf dem Marktplatz saßen und mal wieder auf das seit fast drei Jahren leer stehende Gebäude blickten.

 

Am Samstag, 4. November, nimmt die 44-Jährige das Restaurant sowie die zehn Gästezimmer der Herrenküferei wieder in Betrieb. „Es ist, als ob die Leute darauf gewartet hätten“, sagt sie über die Resonanz. Im Esslinger Schwanen und im Sindelfinger Hirsch wird die Gasthausgeschichte ebenfalls fortgeschrieben – allerdings in unterschiedlichem Tempo.

Angebot von Pächter abgelehnt

Nadja Blank will in der Herrenküferei einen Bogen zwischen Mittelalter und Moderne spannen. Mit dem Konzept überzeugte sie den Eigentümer. Ein Architekturprofessor mit Faible für Fachwerk hatte der Stadt das 1414 erbaute Haus für angeblich eine Million Euro abgekauft. Enttäuscht war der damalige Pächter Sebastian Maier von dannen gezogen, weil sein Angebot abgelehnt wurde.

Für das historische Gemäuer mit dem kleinen Gastraum und den wenigen Zimmern einen Nachfolger zu finden, war dann nicht leicht. Ein chinesisches Restaurant wäre eine Option gewesen, ein Steakhaus die andere. „Aber das hätte nicht zum Denkmalschutz gepasst“, sagt Joachim Blank, der für die FDP im örtlichen Gemeinderat sitzt. Seine Frau hat praktischerweise Köchin gelernt und 20 Jahre Berufserfahrung in Gastronomie und Hotellerie. Schwäbisches steht auf ihrer Speisekarte, „gehoben, aber nicht abgehoben“ und mit Akzenten wie „mittelalterliche, in Honig glasierte Zwiebeln“ auf dem Rostbraten.

In Esslinger Gaststätte werden wieder drei Biersorten gebraut

Auch in einer Esslinger Traditionsgaststätte geht es gut-bürgerlich weiter: Der Schwanen heißt wieder Brauhaus, weil Braumeister Alexander Lebèus künftig wieder drei statt nur einer Sorte Bier braut. Seit 2017 hatte es zwei Pächterwechsel gegeben, Kevin Lutz musste im Juni wegen einer schweren Erkrankung schließen. Den „Mehrwert durch die Historie und die Brauerei“ will Alexander Lebèus nun mehr nutzen.

Das Brauhaus. Foto: Kathrin Haasis

In das Gebäude, dessen Keller aus dem Jahr 1250 stammt, zog 1837 erstmals ein Braumeister ein. Die Familie Langheck richtete dann 1891 ihre Transparenzfolienfabrik in der Altstadt ein, verwandelte das Gebäude jedoch 1987 wieder in eine Wirtschaft samt Brauerei. „Gutes Bier auszuschenken“, ist das Ziel von Alexander Lebèus. Bei einem Softopening am 3. und 4. November stellt er seine drei Sorten vor. Eine Woche später übernimmt Michalis Karanastassis das Restaurant. Ihm gehört in Bad Cannstatt Mon Petit Café, das, anders als sein Name erwarten lässt, ein Lokal für besondere Bierspezialitäten ist. „Er will endlich wieder kochen“, erklärt sein Geschäftspartner – und zwar Schwäbisch.

Sindelfinger müssen noch warten

Die Sindelfinger müssen sich noch länger gedulden, bis ihr geschichtsträchtiges Gasthaus Hirsch seine Türe öffnet. Die Küche ist seit März 2018 mit dem Auszug des letzten Pächters kalt. Dabei steht mit der Radeberger Gruppe eigentlich ein Nachfolger schon seit zwei Jahren bereit. Aber wie die Herrenküferei in Markgröningen war auch beim Hirsch die Stadt der Eigentümer. Und wie in Markgröningen sah der Gemeinderat die Verpachtung einer Gaststätte nicht als kommunale Aufgabe an. Doch statt an einen Investor wurde das stark sanierungsbedürftige Gebäude einfach im Dezember 2020 an die städtische Tochtergesellschaft abgetreten, obwohl deren Geschäftsführer Georgios Tsomidis warnte, dass dafür Wohnungsbauprojekte zurückgestellt werden müssten. „Bei denkmalgeschützten Bauten operiert man mit vielen Unbekannten“, sagt er – und vor allem mit viel Personal.

Der Sindelfinger Hirsch. Foto: Simon Granville

Ein langes Genehmigungsverfahren, ein fehlendes Brandschutzkonzept verzögerten den Fortschritt weiter. Von geplanten 1,3 Millionen stiegen die Baukosten auf 2,8 Millionen Euro. Für den Sommer 2024 war die Eröffnung zuletzt vorgesehen. „Was noch alles passieren kann, ist nicht vorhersehbar“, dämpft Georgios Tsomidis jedoch die Erwartungen.

Große Geschichte, große Erwartungen

Nadja Blank will verantwortungsbewusst mit dem Erbe des Hauses umgehen: Mit historischen Fotos und Bildern will sie dessen Geschichte erzählen, im Treppenhaus soll ein Zeitstrahl angebracht werden. Erst war es eine Metzgerei, dann eine Küferei mit Weinhandel und von 1879 an eine Gaststätte, die erst „Zum Kronprinzen“ und später Ratsstüble hieß.

Als Herrenküferei machte Matthias Striffler das Restaurant als Gourmettempel weit über Markgröningen hinaus bekannt. „Das Haus hat wirklich eine sehr große Geschichte“, weiß Nadja Blank – und dass die Erwartungshaltung an die neue Pächterin der Herrenküferei gleichermaßen groß ist.

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