Rettungswagen und Notärzte in Stuttgart Bremsen die Staus den Rettungsdienst?

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Nach Jahren des Erfolgs haben die Rettungswagen 2015 die vorgeschriebene Norm in der Landeshauptstadt nicht eingehalten. Auch die Baustellen lösen Sorgen aus. Abhilfe hat derweil ein weiterer Einsatzwagen geschaffen.

Im vorigen Jahr brauchten zu viele  Rettungswagen mehr als eine Viertelstunde zum Einsatzort. Foto: Lg/Zweygarth
Im vorigen Jahr brauchten zu viele Rettungswagen mehr als eine Viertelstunde zum Einsatzort. Foto: Lg/Zweygarth

Stuttgart - Vor einigen Jahren haben die Stadt und die Träger den Rettungsdienst in Stuttgart neu organisiert. Denn bei den Einsätzen sollten die sogenannten Hilfsfristen wieder eingehalten werden. Das hat funktioniert – bis im vergangenen Jahr. Seit Februar ist deshalb ein zusätzliches Rettungsfahrzeug im Einsatz. Und ein Gutachten soll das Rettungswesen in der Landeshauptstadt nochmals unter die Lupe nehmen. Eine Frage steht dabei schon im Raum: bremsen die vielen Baustellen in der Stadt den Rettungsdienst?

Für die Beurteilung der Qualität eines Rettungsdienstes gibt es zwei Kennzahlen: Rettungswagen (RTW) oder Notarztfahrzeuge (NEF) sollen in Baden-Württemberg nach zehn, längstens aber nach 15 Minuten am Einsatzort sein. Und dieses Ziel soll in mindestens 95 Prozent aller Fälle erreicht werden. In Stuttgart hat man diese Norm in den vergangenen Jahren durchweg erreicht als eine der wenigen von insgesamt 34 Leitstellen in ganz Baden-Württemberg.

Das Blatt hat sich etwas zum Schlechten gewendet

Doch im vorigen Jahr hat sich das Blatt wieder etwas gewendet. 2014 entsprachen die Notärzte noch in 95,8 Prozent der Einsätze den Vorgaben. 2015 sank der Wert auf 95,4 Prozent. Die Rettungswagen waren vor zwei Jahren noch in guten 96,3 Prozent aller Fahrten nach spätestens einer Viertelstunde am Einsatzort. Doch 2015 fiel dieser Wert mit 94,2 Prozent unter die kritische 95-Prozent-Marke.

„Wir müssen etwas tun“, beschreibt Norbert Völkerath die Reaktion des Bereichsausschusses, in dem die Träger der Dienste und die Kassen vertreten sind. Zu diesem Schluss sei man bereits im vorigen Sommers gekommen, als sich die erneute Verschlechterung der Hilfsfristen angedeutet hatte, sagt der Ausschussvorsitzende, der auch stellvertretender Geschäftsführer der AOK Stuttgart-Böblingen ist.

Die Verantwortlichen haben gehandelt. Seit Anfang Februar ist zu den 15 Rettungswagen, die bis dahin in Stuttgart im Einsatz waren, ein weiterer dazugekommen. Das zusätzliche Fahrzeug sei nun tagsüber zwölf Stunden in Vaihingen stationiert, in der Nachtzeit dann am Robert-Bosch-Krankenhaus auf dem Burgholzhof, sagt Völkerath. Damit will man es allerdings nicht bewenden lassen. Ebenfalls im Dezember hat der Bereichsausschuss entschieden, die Lage des Rettungsdienstes in Stuttgart noch einmal begutachten zu lassen. „Es soll die ganze Rettungskette, der gesamte Einsatzablauf geprüft werden“, sagt der AOK-Vize.

Ein Gutachter soll Verbesserungen vorschlagen

Gefragt wird nach der Zeit des Notrufeingangs vor einem Einsatz, wie viel Zeit danach die Disponenten in der Leitstelle benötigt haben, bis ein Fahrzeug beordert werden konnte, wie lange die Fahrzeit war, und wann der Rettungswagen ankam. Aber auch die Behandlungszeit am Einsatzort, der Rücktransport und die Übergabe eines Patienten etwa in einem Krankenhaus spielen bei der Untersuchung eine Rolle.

Man wolle wissen, „wie lange die Rettungsmittel gebunden und nicht verfügbar sind, ob sie richtig eingesetzt oder zweckentfremdet werden“, erklärt Völkerath. Letzteres wäre der Fall, wenn ein Fahrzeug von einem Träger für die Verlegung eines Patienten in eine andere Klinik ohne Noteinsatz oder gar für einen Krankentransport verwendet würde.

Die Frage wird auch sein, wie ein optimierter Einsatz der Rettungswagen aussehen könnte, der das Ergebnis verbessert. Und zu klären ist, ob die erneut gestiegene Zahl von Einsätzen, die bei den Rettungswagen um 1,8 Prozent zugelegt haben (von 61 221 im Jahr 2014 auf 62 314), eine Ursache des Rückfalls ist. Bei den Notarzteinsätzen lag das Plus aber sogar bei 2,3 Prozent (von 11 781 auf 12 049).




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