Herr Seitz, sind Sie mit Ihrem SGV gerüstet für die restlichen 14 Saisonspiele?
Fragen Sie mich am besten am Samstagabend nach unserem Spiel. Denn man kann noch so viel trainieren und auch gute Trainingslager und Testspiele absolvieren, nach einer dreimonatigen Pflichtspielpause ist es schwer zu sagen, wo man steht. Man muss seinen Rhythmus erst finden. Unser Gegner Fulda hat den Vorteil, immerhin schon ein Hessenpokalspiel erfolgreich bei Bayern Alzenau bestritten zu haben.
Mit einem Sieg in diesem Nachholspiel wären Sie auf vier Punkte an Spitzenreiter Stuttgarter Kickers dran.
Und bei einer Niederlagen hätten wir bei durchaus möglichen fünf Absteigern nur zehn Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Wir tun gut daran zu schauen, dass wir weiter unsere Leistung abrufen, den Abstand nach unten halten und möglichst schnell auf 45 Punkte kommen.
Das klingt aber sehr nach Understatement. Sie stehen auf Platz vier und haben in der Winterpause doch nicht drei drittligaerfahrene Spieler verpflichtet, nur um nicht abzusteigen?
Man muss das richtig einordnen und sehen, dass uns in Denis Zagaria, Leo Benz, Felix Heim und Emir Kuhinja während der Runde auch vier Spieler verlassen haben. Wir mussten etwas tun, und ich bin auch sehr froh, dass wir kurz vor Schließung des Transferfensters noch zuschlagen konnten.
Was die finanziellen Möglichkeiten des SGV zeigt.
Da gibt es wahrlich andere Kaliber in der Liga. Bei uns gingen Spieler von der Gehaltsliste, für Kuhinja gab es auch noch ein paar Euro Ablöse von Zweitligist 1. FC Magdeburg. Die von uns geholten Lukas Krüger und Luca Stellwagen waren lange Zeit verletzt und kamen aus der Arbeitslosigkeit zu uns. Mike Feigenspan wurde bei Kickers Offenbach aussortiert. Da tut man sich bei einer Verpflichtung wirtschaftlich leichter. Speziell er tut uns mit seiner Erfahrung aber sehr gut, da er auch die Liga bestens kennt.
„Ich bin kein Zocker“
Würden Sie auf die Stuttgarter Kickers als Meister wetten?
Ich bin kein Zocker. Ich würde eine Hälfte auf die Stuttgarter Kickers setzen, die andere auf den FC 08 Homburg. Dann würde ich auf jeden Fall etwas gewinnen, da ich ziemlich sicher bin, dass diese beiden Teams den Aufstieg unter sich ausmachen.
Die Blauen haben sechs Punkte Vorsprung...
...spielen am letzten Spieltag aber in Homburg. Deshalb werden sich die Homburger sagen, wir müssen nur drei Punkte aufholen und ziehen dann am letzten Spieltag mit einem Sieg im direkten Duell an den Kickers vorbei.
Und am Ende macht es doch noch der SGV Freiberg?
Das wäre ein Wunder. Dass der Verein aber alles dafür tut, um die Drittligalizenz zu bekommen, ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen für die Mannschaft.
Genauso wie Ihre Vertragsverlängerung bis 2025 – die ligaunabhängig ist?
Nicht ganz. Für den Fall des Abstiegs gilt der Vertrag nicht.
Zur Person
Karriere
Roland Seitz kam am 1. Oktober 1964 in Neumarkt in der Oberpfalz zu Welt. Als Profi spielte er u.a. für die SpVgg Unterhaching, den FC Augsburg, den FC 08 Homburg, den MSV Duisburg und Jahn Regensburg. Als Trainer arbeitete er in Württemberg auch schon für den SSV Reutlingen und den VfR Aalen. Den SGV Freiberg übernahm er im Januar 2023 – es ist seine 15. Station als Trainer.
Persönliches
Seitz ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. (jüf)