Krimikolumne

Rose Gerdts: „Morgengrauen“ Gefährlich funkeln die Augen

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Nazigräuel als Krimistoff: In Rose Gerdts „Morgengrauen“ geht es um Verbrechen eines deutschen Polizeibataillons im Baltikum. Doch ein spannendes Thema ist kein Garant für ein spannendes Buch.

Die Polizei, dein Feind und Henker: Foto: StZ
Die Polizei, dein Feind und Henker: Foto: StZ

Stuttgart - Wenn eine leibhaftige Bundestagsabgeordnete einen Krimi für „glänzend recherchiert und fesselnd erzählt“ hält, ja dann sollte an der Sache ja wohl was dran sein. Marieluise Beck von den Grünen jedenfalls ist des Lobes voll über das „Morgengrauen“ von Rose Gerdts. Wie möchte man da auch anderer Meinung sein?

In dem Buch geht es um Nazigräuel in Litauen und deren späte Auswirkungen in die Gegenwart. Es geht um die Schuld der Väter, für die auch Söhne bezahlen müssen. Doch im Gegensatz zu einem inhaltlich verwandten Thriller – Sam Bournes „Tag der Abrechnung“ – gehört der Mörder am Ende nicht zu den früheren Opfern, sondern er stammt aus der Täterecke. Bis die beiden Ermittler Frank Steenhoff und Navideh Petersen das herausfinden, werden sie mit dem Wüten Bremer Polizeibataillone im Osten konfrontiert, mit den Nickligkeiten des Beamtendaseins und mit einem üblen Bauunternehmer & Sohn.

So verdienstvoll es sein mag, Krimis in einen historischen Zusammenhang einzubetten – unbedingt lesenswert muss das Ergebnis deshalb noch lange nicht sein; darüber sollte auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass das bestimmt gut gemeinte Buch bei Rowohlt erschienen ist und nicht in irgendeinem Klein- oder Selbstverlag.

Bei Rose Gerdts jedenfalls „funkeln Augen gefährlich“, da werden Worte „regelrecht ausgespien“, an anderer Stelle „Silben regelrecht ausgespuckt“. Da wird es rührselig, wo die Fakten keine larmoyanten Adjektive brauchen, da geht es wichtigtuerisch zu, wo Offensichtliches beschrieben wird („Sein geübter Blick registrierte sofort, dass es in diesem Raum zu keinem Kampf gekommen war“ – einem Ungeübten wäre in den Zimmer bestimmt gar nichts aufgefallen) und dann auch noch jugendsprachlich, wenn ein 15-Jähriger freudig überrascht sein darf: „Eh, wie geil ist das denn?“

Kurz und gut: das Treiben der Nazis birgt auch Jahrzehnte nach dem Ende des „Dritten Reiches“ noch eine Menge Material für historisch informative Krimis. Eine Erfolgsgarantie lässt sich aus dem Stoff aber nicht ableiten.

Rose Gerdts: Morgengrauen. Roman. Rororo. 320 Seiten, 9,99 Euro. Zum selben Preis auch als E-Book.