Am 26. März wird der Rosensteintunnel, das größte und mit 416 Millionen Euro teuerste Straßenbauprojekt der Landeshauptstadt der vergangenen Jahrzehnte, feierlich eröffnet. Punkt 12 Uhr sollen sich dann die ersten Fahrzeuge vom Portal in der Neckartalstraße in Richtung Löwentor auf den Weg machen. Dann wird verkehrstechnisch ein neues Zeitalter für Bad Cannstatt eingeläutet. Zum einen verringern sich die Verkehrsmengen auf der Pragstraße und den angrenzenden Straßen drastisch, zum anderen ist das Projekt mit umfangreichen Rückbaumaßnahmen verbunden. „Wir werden bereits ab dem 28. März die Wilhelmsbrücke für den motorisierten Verkehr sperren“, sagte Claus-Dieter Hauck, der beim Tiefbauamt für Tunnel und Brücken verantwortlich ist, im Bezirksbeirat Bad Cannstatt.
Diese Maßnahme ist zunächst einmal ein Verkehrsversuch und dauert ein Jahr. Zwölf Monate lang müssen Autofahrer also einen Umweg über die Rosenstein- oder die Reinhold-Maier-Brücke in Kauf nehmen. Dazu werden Poller und Betonschwellen an den Zufahrten zur Wilhelmsbrücke angebracht, die Fahrbahnen in der Brücken- und in der Überkinger Straße neu (gelb) markiert und die Ampelschaltungen entsprechend korrigiert.
Weniger Fahrspuren in der Pragstraße
„Auch auf der Pragstraße beginnen Ende März die Rückbaumaßnahmen“, so Claus-Dieter Hauck. Dann wird stadtein- wie stadtauswärts jeweils nur noch eine Fahrspur auf der bebauten Seite zur Verfügung stehen. Gleichzeitig errichtet das Tiefbauamt temporäre Rad- und Fußwege zwischen der Stadtbahn-Haltestelle Rosensteinpark und dem Wilhelma-Theater (Wilhelmaseite) ein. Temporär deshalb, da die Stuttgarter Straßenbahnen AG von 9. Mai bis Mitte Oktober eine umfangreiche Gleissanierung auf diesem Streckenabschnitt vornehmen muss. Geplant sind unter anderem neue Weichen sowie eine Gleiskörperbegrünung. „Das Maßnahmenpaket will die SSB dem Bezirksbeirat demnächst vorstellen“, sagte Hauck.
Schönestraße muss warten
Was die Einrichtung der versprochenen Radspur in der Schönestraße angeht, so müssen sich die Bewohner des Seilerviertels noch etwas gedulden. Laut Verwaltung gestaltet sich die etwas komplexer und komplizierter. „Insgesamt haben wir in den kommenden Monaten in den genannten Bereichen viel zu tun“, erklärte Claus-Dieter Hauck. Denn vor wenigen Tagen ist auch noch das Thema Schäden an der Rosensteinbrücke hinzugekommen. Aus diesem Grund ist bis auf Weiteres eine Fahrspur auf der Brücke gesperrt worden.
Leuzeknoten erst 2024 fertig
Nach Eröffnung des Rosensteintunnels beginnen auch vor der Wilhelma umfangreiche Umbauarbeiten. Das betrifft vor allem die Zufahrt zum zoologisch-botanischen Garten sowie die Uferpromenade im Bereich des Neckar Käpt’ns. „Hier startet der Garten- und Landschaftsbau im Mai“, so Hauck. Obwohl der Leiter der Abteilung Brücken und Tunnel betonte, dass der Rosensteintunnel das „Herzstück“ des Straßenbauprojekts sei und die Eröffnung ein „Meilenstein“ darstelle, verwies er auf den Leuzeknoten. Denn das Projekt entfaltet erst mit dessen Fertigstellung in zwei Jahren seine ganze Kraft.
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Die Verwaltung hat in den vergangenen Wochen bereits die ersten Verkehrszählungen vorgenommen, die nach der Tunnelöffnung fortgesetzt werden sollen. „Wir wollen natürlich schon wissen, wie sich der Rosensteintunnel auf die Verkehrsflüsse auswirkt.“ Doch Verkehrsexperten und Stadtplaner sind sich einig: Die Eröffnung des Rosensteintunnels wird große Auswirkungen auf Cannstatts Straßennetz haben. Im positiven Sinn, denn durch die Bündelung der Fahrzeugmassen in den vier Röhren wird deutlich weniger los sein; nicht nur auf den Hauptzufahrtsstrecken. Auch der Schleichverkehr – etwa durch den Hallschlag und die Neckarvorstadt – wird merklich nachlassen. Verkehrstechnisch bietet sich also eine große Chance, das Chaos in der Cannstatter Innenstadt wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
Schon seit Jahren verspricht in diesem Zusammenhang die Verwaltung einen neuen Verkehrsstrukturplan für Stuttgarts größten Stadtbezirk. Und dieser Masterplan kann bereits in diesem Jahr konkret in Angriff genommen werden. 300 000 Euro hat der Gemeinderat dafür im Doppelhaushalt genehmigt.