Rückkehr zum G9 Verirrt im Nirgendwo der Bildungspolitik

Winfried Kretschmann ist von einer Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium nur mäßig begeistert. Foto: dpa/Marijan Murat

Die Landesregierung verliert sich im bildungspolitischen Niemandsland. Sie kann sich nicht entscheiden, kommentiert Reiner Ruf.

Rein in die Kartoffel, raus aus der Kartoffel: So lautet das Bewegungsgesetz der Bildungspolitik. Was gestern hui war, ist heute pfui – und morgen der allerneueste Schrei. Keine 20 Jahre nach dem Start des achtjährigen Gymnasiums stellt die grün-schwarze Koalition die Signale auf eine Rückkehr zu G9. Dies ist unter den Bedingungen begrenzter Finanzen eine Fehlentscheidung. Das Geld muss in die Vorschulerziehung und die Grundschulen fließen, denn dort sind die Probleme am größten. Politiker aller Couleur reden ständig davon, es müssten Prioritäten gesetzt werden. Das sind leere Worte. Es regiert die Angst vor einem im doppelten Sinn stimmmächtigen Bürgertum, das aufs Gymnasium fixiert ist.

 

Erst mal kein Geld für G9?

Kretschmann kennt diesen Vorwurf; er scheut ihn. Deshalb stellt der Ministerpräsident ein Sprachförderpaket für die Kitas in Aussicht und bekundet, Geld für G9 sei erst einmal keines da. Ja, was jetzt? Vor die Wahl gestellt, ob das Schnitzel mit Pommes oder mit Spätzle serviert werden soll, hat die Landesregierung bisher immer beides bestellt. Diese Zeiten sind vorbei. Grün-Schwarz muss sich entscheiden und kann es nicht. So stolpert die Koalition ins Niemandsland.

Weitere Themen