S-Bahn-Ausfall in Stuttgart Polizei sucht Besitzer des Luftballons

Von Wolf-Dieter Obst 

Einen Tag nach dem Zwischenfall im unterirdischen S-Bahn-Halt Hauptbahnhof, bei dem ein Luftballon einen Kurzschluss in der Oberleitung auslöste, versucht die Bundespolizei dem Urheber auf die Spur zu kommen. Inzwischen ist nur eines klar: Der Ballon war blau.

Funkenregen am S-Bahn-Halt Hauptbahnhof: Fahrgäste suchen Schutz nach dem Kurzschluss. Foto: Bundespolizei
Funkenregen am S-Bahn-Halt Hauptbahnhof: Fahrgäste suchen Schutz nach dem Kurzschluss. Foto: Bundespolizei

Stuttgart - Die Videoüberwachung hat die Szene eingefangen: Ein Windstoß lässt einen Schatten nach oben fliegen – und dann gibt es einen Leuchtbogen und Sprühfunken. Nur der lautstarke Knall ist nicht zu hören, als der S-Bahn-Betrieb am Dienstagabend zeitweise lahm gelegt wird. Auch das Wichtigste haben die Videoaugen nicht eingefangen: „Eine Person, die zuvor einen Luftballon in der Hand gehalten hat, ist nicht erkennbar“, sagt Bundespolizei-Sprecherin Meriam Causev.

Wieder einmal hat ein metallbeschichteter Luftballon in der unterirdischen S-Bahn-Station Hauptbahnhof den Bahnverkehr durcheinander gebracht. Am Dienstag kurz vor 18.30 Uhr, zu einer Zeit, an der alle zweieinhalb Minuten eine Bahn Fahrgäste ausspuckt und aufnimmt, ging nichts mehr. Kurzschluss in der Oberleitung, ein Knall, Funkenregen, Rauch. Fahrgäste gingen in Deckung, wurden per Ansage aufgefordert, den unterirdischen Bahnsteig zu verlassen. Für viele ein beängstigendes Gefühl – auf manche wirkte das wie ein Anschlag.

Böse Folgen: Zugausfälle und Verspätungen

Die Folgen waren beträchtlich: Wegen der Sperrung zwischen 18.27 und 18.55 Uhr konnten keine S-Bahnen in der Röhre der Stammstrecke verkehren. Bei 54 S-Bahn-Zügen kam es zu Verspätungen, fünf Züge fielen komplett aus, 16 weitere auf Teilstrecken. Vier Bahnen wurden über die Gäubahnstrecke umgeleitet. „Wenigstens ist an der Oberleitung kein Schaden entstanden“, sagt ein Bahnsprecher, „das hätte aber auch ganz anders ausgehen können.“

Woher der Luftballon stammt, ist unklar. Die Beamten haben die Überreste des ­Objekts sichergestellt. „Demnach steht fest, dass der Luftballon eine blaue Farbe hatte“, so Bundespolizei-Sprecherin Causev.

Woher kommen die Ballons? Ein Profi spricht

Volksfestbesucher können es nicht gewesen sein – denn das Großereignis auf dem Cannstatter Wasen startet erst am Freitag. Allerdings sollen auch ähnliche Ereignisse 2014 und 2015 nichts mit dem Wasenfest zu tun gehabt haben. „Schon seit mehreren Jahren gibt es für die Verkäufer die Auflage, keine metallbeschichteten Ballons anzubieten“, sagt Jörg Klopfer, Sprecher des städtischen Volksfest-Veranstalters in.Stuttgart. Diese Regelung sei Bestandteil einer Genehmigung, so Klopfer. Damit habe man auch auf Vorkommnisse in Bahnanlagen im Umfeld des Cannstatter Wasens reagiert.

Ein Profi im Luftballonverkauf hat die mutmaßlichen Urheber der metallbeschichteten Ballons längst ausgemacht: „Meist handelt es sich um Werbegeschenke von Firmen oder Kaufhäusern“, sagt der Oberboihinger Unternehmer Rudi Balloni, der bundesweit Luftballons verkauft und seit Jahren auf dem Cannstatter Volksfest vertreten ist. Metallbeschichtete Ballons seien billiger zu bedrucken, würden daher von Firmen in Massen bestellt und verteilt. „Auf einen verschenkten Ballon passt man auch nicht so gut auf“, sagt Balloni. Im Gegensatz zu den ganz teuren aus Fachgeschäften, die man doch sorgsamer nach Hause transportiere. Balloni spielt selbst Detektiv – fotografiert die Werbeballons, die Wasenbesucher von Einkäufen aus der Stadt mitbringen.

Dringender Appell der Bahn

Der Volksfest-Ballonverkäufer befestigt seine Ballons übrigens an roten Wollschnüren – weil die weniger gefährlich als reißfeste Nylonschnüre seien. Er versucht außerdem mit Glöckchen als Zusatzgewicht das Davonfliegen zu verhindern. „Oft kann man an den Schnüren erkennen, woher ein Ballon stammt“, sagt Balloni.

Freilich: Wer einen Luftballon durch die Gegend tragen will, sollte grundsätzlich nicht mit der Bahn fahren. Nicht nur, weil’s verboten ist. „Das ist uns ein großes Anliegen“, sagt ein Bahnsprecher, „vor allem auch im Sinne aller Fahrgäste.“

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