Die Zukunft des Eiermann-Campus vor den Toren des Stadtbezirks Vaihingen bleibt weiter ungewiss. Der Eigentümer und Projektentwickler, die finanziell angeschlagene Adler-Group und ihr Tochterunternehmen Consus, haben nach Informationen unserer Zeitung einen von der Stadt avisierten Gesprächstermin für Anfang November über einen möglichen Einstieg in das Projekt verstreichen lassen, beteuern aber zugleich, man sei mit den verantwortlichen Stellen der Stadt Stuttgart „in einem konstruktiven Dialog“.
Mitte August hatten sich Vertreter des Immobilienkonzerns mit Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) zu einem ersten Austausch im Rathaus getroffen. Bei dem Treffen hatte Pätzold die Absicht der Stadt bekräftigt, in das derzeit ruhende Immobilienprojekt einsteigen zu wollen, um das neben dem geplanten Rosensteinquartier zweitgrößte Neubaugebiet der Stadt voranzutreiben. Im Herbst, so hieß es damals, wolle man sich wieder zusammensetzen.
Adler-Sprecher: Vollständiger Verkauf ist „ ausdrücklich keine Option“
Auf Anfrage erklärte ein Sprecher der Adler-Group, das Unternehmen stehe unverändert zur Weiterentwicklung des Eiermann-Campus. Ein vorzeitiger vollständiger Verkauf des Geländes sei „ausdrücklich keine Option“. In anderen deutschen Städten hat sich Adler in den vergangenen Monaten dagegen von einigen Liegenschaften und Projekte getrennt, um seine Bilanz aufzubessern. „Wir haben ein großes Interesse, dieses Projekt für alle Beteiligten zu einem guten Ergebnis zu führen und so den Wohnraum zu schaffen, wie er in der Region Stuttgart dringend benötigt wird“, so der Sprecher weiter. Man prüfe wie bei allen Projektentwicklungen die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit „strategischen Partnern“.
Die Planungen auf dem Areal ruhen, seit Pätzold den Bebauungsplan für die 200 000 Quadratmeter umfassende frühere IBM-Zentrale am Autobahnkreuz Stuttgart im Mai auf Eis gelegt hat. Er hatte das Verfahren nach Bekanntwerden der finanziellen Turbulenzen bei der Adler-Group gestoppt, um zu verhindern, dass das Grundstück im Wert steigt und dann im Fall einer Insolvenz des Konzerns von der Stadt zu einem überteuerten Preis angekauft werden müsste.
Misstrauen im Gemeinderat ist fraktionsübergreifend groß
Im Gemeinderat ist das Misstrauen gegenüber Adler groß. Selbst die sonst traditionell investorenfreundliche CDU-Fraktion hatte in einem Antrag die Stadtverwaltung aufgefordert, die Möglichkeit einer Vorkaufsrechtsverordnung zu prüfen, um die Umsetzung des städtebaulichen Konzepts abzusichern und Grundstücksspekulationen zu verhindern. Ähnliche Forderungen kamen aus den Reihen des Linksbündnisses, der SPD und der Grünen.