Modehändler aus dem Rems-Murr-Kreis 400 Beschäftigte von Peter Hahn müssen gehen

Der Winterbacher Modehändler Peter Hahn hat ein Sanierungskonzept erarbeitet. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Beim Winterbacher Traditionshändler Peter Hahn schockte die Insolvenz im Oktober die rund 1000 Beschäftigten. Jetzt bangen sie, wer das Unternehmen verlassen muss.

Geld/Arbeit: Daniel Gräfe (dag)

Es sind gute wie schlechte Nachrichten, die Peter Hahn am Dienstag bekannt gibt. Der Modehändler aus dem Rems-Murr-Kreis, der im Oktober Insolvenz im Schutzschirmverfahren angemeldet hatte, führt seine Geschäfte fort. Allerdings müssen rund 400 der knapp 1000 Beschäftigten gehen.

 

Peter Hahn wird eigenständig

Laut dem Sanierungskonzept bleibt Peter Hahn mit rund 600 Beschäftigten bestehen, der Hauptsitz bleibt Winterbach. Das Unternehmen wird aber eigenständig und löst sich damit aus den Gruppenstrukturen. Bisher ist Peter Hahn Teil der Tristyle Holding, die sich auf Mode für die etwas ältere Kundschaft fokussiert. Zur Gruppe gehört unter anderem der mittelfränkische Modehändler Madeleine, der Stuttgarter Digitalisierungsspezialist Tristyle Customerce und das auf Einkauf spezialisierte Unternehmen Tristyle Sourcing in Hongkong.

„Mit dem neuen Konzept kann Peter Hahn dauerhaft weitergeführt werden und den Geschäftsbetrieb restrukturieren und fokussieren. Peter Hahn wird auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr in einen Konzern eingebunden sein“, sagt Geschäftsführerin Daniela Angerer. Das Konzept werde ab dem 1. Februar „Schritt für Schritt“ umgesetzt. Die bisherigen Vertriebskanäle würden beibehalten und verstärkt auf Digitalisierung gesetzt.

Zu den Vertriebskanälen gehören das Kataloggeschäft, Online-Shops und der stationäre Einzelhandel. In Deutschland hat Peter Hahn 14 Filialen, darunter in Urbach, Winterbach, Metzingen, Göppingen, Villingen und Freiburg. Derzeit arbeiten in den Filialen rund 300 Beschäftigte und in Winterbach rund 700. Der Stellenabbau betrifft sowohl das Stammhaus wie das Filialnetz. Ob und wie viele Filialen geschlossen werden, stehe derzeit noch nicht fest, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Man sei derzeit „im engen Austausch mit dem Betriebsrat“, heißt es. Die Beschäftigten hätten am 29. Dezember vom Stellenabbau erfahren.

Man habe alles für die Beschäftigten getan, teilt die Geschäftsführung mit

„Wir haben alles getan, um möglichst viele Beschäftigte an Bord zu halten“, sagt Geschäftsführerin Kohnke. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den verbleibenden Beschäftigten eine langfristige Perspektive bieten und mit dem Unternehmen zu nachhaltigem Wachstum zurückkehren können.“ Peter Hahn bleibe eine Marke „mit Ausstrahlung, hohem Qualitätsanspruch und vielen Inspirationen“.

Peter Hahn hatte den Schutzschirm am 23. Oktober beim Amtsgericht Stuttgart beantragt. Wie üblich bei diesem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung des Unternehmens komplett handlungsfähig, während ein sogenannter Sachwalter das Unternehmen beaufsichtigt. Die Geschäftsführer Daniela Angerer, Alexandra Kohnke und Jörg Marx werden vom Sanierungsgeschäftsführer Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun, den Sanierungsbevollmächtigten Andreas Kleinschmidt und Nicolai Fischer von der Kanzlei White & Case sowie dem vorläufigen Sachwalter Holger Leichtle unterstützt.

„Wir haben in den vergangenen Wochen viel Unterstützung von Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten erfahren. Das macht uns zuversichtlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um den Geschäftsbetrieb von Peter Hahn auf einem gesunden Fundament langfristig fortzuführen“, teilen Kleinschmidt und Fischer mit.

Zum 1. Januar 2024 wurde das Hauptverfahren eröffnet, in dem die zuvor definierten Sanierungsschritte abschließend umgesetzt werden können. Der Geschäftsbetrieb des 1964 gegründeten Unternehmens läuft ohne Einschränkungen weiter.

Der Modehandel steht unter Druck

Peter Hahn war unter anderem wegen der Insolvenz einer Schwesterfirma in Schieflage geraten. Dazu kommen die branchenüblichen Schwierigkeiten wie die Kaufzurückhaltung, gestiegene Energiekosten und die Folgen der Coronakrise, als stationäre Geschäfte monatelang schließen mussten.

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