SC Magdeburg gegen Füchse Berlin Bennet Wiegert und der Handballhit mit Extra-Kick

Mit neu gestyltem Bart ins Spitzenspiel gegen die Füchse Berlin: Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert Foto: IMAGO/Eibner/IMAGO/Eibner-Pressefoto/Juergen Augst

Viele Weltstars sind bei diesem vorentscheidenden Spiel um die Deutsche Handball-Meisterschaft am Ball. Ganz besonders im Fokus steht vor dem Duell mit den Füchsen Berlin aber ein Trainer: Was macht Bennet Wiegert vom SC Magdeburg so außergewöhnlich?

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Eine gewiefte Leserbriefschreiberin im Fachorgan „Handballwoche“ unterstellte Stefan Kretzschmar pure Absicht. Der Sportvorstand der Füchse Berlin hätte den Magdeburger Coach Bennet „Benno“ Wiegert ganz bewusst als Bundestrainer ins Gespräch gebracht, um vor dem Bundesliga-Spitzenspiel an diesem Sonntag (16 Uhr, Getec-Arena/MDR und rbb) Unruhe beim Titelkonkurrenten auszulösen. Die Zuschrift endet mit der süffisanten Frage: „Warum schlägt er nicht seinen eigenen Trainer vor, der ja auch ein Riesentalent ist? Traut er ihm den Job nicht zu?“

 

Trainer mit Charisma

Nun gilt der der Füchse-Coach Jaron Siewert mit seinen 30 Jahren in der Tat als so etwas wie der Julian Nagelsmann des Handballs, doch Wiegert ist dann schon noch einmal eine andere Kategorie. Nicht nur wegen seines Charismas. Auch aufgrund seiner Vita: Vater Ingolf ist Olympiasieger und eine Handball-Legende, „Benno“ selbst als Spieler deutscher Meister und Champions-League-Sieger, genauso als Trainer, dazu noch dreimal Weltpokalsieger 2021, 2022, 2023.

Stilprägend ist das, was er mit seinem SCM seit 2018 aufs Parkett zaubert. Traumwandlerisch sicher zirkuliert der Ball durch die eigenen Reihen. Die Rückraumspieler gehen unermüdlich in Zweikämpfe und versuchen ständig, sich so nah wie möglich am gegnerischen Tor in Wurfposition zu bringen. „Lass’ die mal machen. Setzt sich nicht durch. Ist viel zu anstrengend“, hieß es anfangs aus der Handballszene.

Triple möglich

Weit gefehlt. Auch in dieser Königsklassen-Saison hat der Titelverteidiger zuletzt zwölf Spiele hintereinander gewonnen, im DHB-Pokal ist das Ticket fürs Final Four gebucht, und in der Liga hätte der SCM (38:6 Punkte, plus 132 Tore) mit einem Heimsieg gegen die Füchse (41:5 Punkte, plus 91 Tore) auch wieder die besten Karten. „Ich merke schon seit Anfang der Woche, dass kein normales Spiel ansteht“, sagt Wiegert mit Blick auf das Topduell, zu dem statt der knapp 7800 vermutlich auch 30 000 Tickets hätten verkauft werden können.

Neben dem Hinspiel in Berlin (26:31) hat der SCM nur die Partie bei der TSV Hannover-Burgdorf (27:28) verloren. Diese zweite Saisonniederlage am 18. Februar hatte für Wiegert einschneidende Wirkung: Sein XXL-Bart kam ab. Er wurde stylish gestutzt. Die Seiten sind kurz rasiert, unten ist immer noch etwas mehr Länge als vor dem Start der Erfolgsserie von 30 ungeschlagenen Spielen. „Zum Glück färben meine Macken nicht auf die Spieler ab. Wenn sie genauso ticken würden, wären sie psychische Wracks“, hat er einmal zu seinem Hang zum Aberglauben gesagt.

Extrem erfolgsbesessen

Er ist schon ein ganz besonderer Typ dieser Bennet Wiegert. Seine ausschweifenden Gesten, seine Wutausbrüche an der Seitenlinie sind legendär. Das alles ist seiner extremen Erfolgsbesessenheit geschuldet. Locker lassen sieht sein Lebensmodell nicht vor. Er empfindet Zufriedenheit als Leistungshemmer. „Ich habe immer gesagt, wenn man zufrieden ist, dann ist das der Anfang vom Ende“, so Wiegert.

Ob er tatsächlich einmal Bundestrainer wird? Der Erfolgscoach nimmt die Spekulationen, die erst mit einer erfolgreichen Olympia-Qualifikation der DHB-Auswahl bis auf weiteres beendet wären, mit einem Lächeln zur Kenntnis: „Es ist das größte Traineramt im deutschen Handball. Schön, dass man mir das zutraut, aber der DHB verfolgt einen klaren Plan mit Alfred Gislason.“

Kein Traineramt in Berlin und Leipzig

Ohnehin gilt die volle Konzentration dem Duell mit den Füchsen. Übrigens: Bei dem Erzrivalen einmal Trainer zu werden, hat er (genauso wie ein Engagement in Leipzig) im Interview mit unserer Redaktion schon einmal ausgeschlossen: „ Aufgrund der jahrelangen Konkurrenz wäre das sowohl für die Fans als auch für mich undenkbar.“ Was dem ohnehin hochbrisanten Topspiel noch einen Extra-Kick verleiht.

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