Scharfe Kritik an Verwaltung in Marbach Markt kann erst im Herbst umziehen

Die Beschicker des Wochenmarkts sind seit einiger Zeit nicht mehr in der Innenstadt aktiv. Foto: Archiv (Avanti/Ralf Poller)

Die Einweihung der Marbacher Fußgängerzone verzögert sich. Auch der Wochenmarkt soll später in die Innenstadt zurückkehren. Einige Räte sind entrüstet und kritisieren die Verwaltung.

Als die Marbacher Hexen am Donnerstag kurz nach 18 Uhr die Gemeinderatssitzung stürmten und der Verwaltungsriege mit einem Augenzwinkern die Leviten lasen, zerpflückten sie vor allem den langwierigen Umbau der Fußgängerzone, ließen den Bürgermeister Jan Trost sogar selbst zum Schäufelchen greifen und Erdreich von Eimer zu Eimer schippen. Die launige Faschingsstimmung war gut zwei Stunden später jedoch komplett verflogen, als das Thema erneut zur Sprache kam.

 

Einweihung für Ende Juni geplant

Das lag daran, dass der Rathauschef verkündete, dass die Eröffnung der runderneuerten Marktstraße doch nicht, wie geplant, am 4. Mai über die Bühne gehen werde. Der Termin lasse sich nicht mehr halten. Schließlich solle zu diesem Anlass wirklich alles fix und fertig sein. Deshalb werde man die offizielle Einweihung der herausgeputzten guten Stube von Marbach am 29. Juni zelebrieren. Das biete sich an, weil dann auch der Töpfermarkt in der Stadt gastiere.

Die zweite Hiobsbotschaft, die bei einigen Räten die Zornesader anschwellen ließ, schob Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling hinterher. Der Wochenmarkt, der seit dem Umbau der Fußgängerzone auf den Parkplatz vor der Stadionhalle ausgewichen ist, werde erst im Herbst ins Herzen der Stadt zurückkehren. Früher sei es schlicht nicht machbar, weil seine Mannschaft mit der Organisation der Kommunalwahlen voll ausgelastet sei, danach Urlaube anstünden, der Umzug also nicht vorbereitet werden könne.

Aussagen, die einen Teil des Gremiums in Rage brachten. „In bin bitter enttäuscht“, sagte Michael Herzog von den Freien Wählern. „Wir machen seit zweieinhalb Jahren an dieser Baustelle rum. Und jetzt fällt uns ein, dass wir den Umzug des Marktes nicht zeitlich mit der Einweihung hinkriegen“, echauffierte er sich. „Das ist doch ein Schildbürgerstreich“, meinte er. Der Termin der Kommunalwahl sei doch lange bekannt, komme nicht aus heiterem Himmel im Juni. Insofern hätte man sich doch auf den Tag X des Umzugs längst mit einem Konzept vorbereiten können, kritisierte Herzog.

Grünen-Rat fordert raschen Umzug

Jürgen Waser von den Grünen ärgerte sich ebenfalls. Er erinnerte speziell an die Einzelhändler, die von einem Wochenmarkt in der Innenstadt als Frequenzbringer profitieren könnten. Waser gab zu bedenken, dass die Geschäftsleute schon lange unter der Baustelle litten, trotzdem durchhielten. Man müsse nun eben auch externe Kräfte einbinden, um ein schlüssiges Konzept für die Anordnung der Stände in der umgebauten Fußgängerzone auszutüfteln. Der Markt müsse eine Woche nach der Eröffnung der Fußgängerzone in seine alte Heimat zurückkehren.

Andreas Seiberling schüttelte allerdings mehrfach den Kopf. Und auch Jan Trost stellte klar: „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Man könne, selbst wenn es beschlossen werde, den von Waser anvisierten Termin nicht umsetzen. Was die von Michael Herzog angemahnte frühzeitige Vorbereitung auf den Umzug anbelangt, betonte der Bürgermeister, dass dann andere Dinge wie der Fußverkehrscheck hätten liegen bleiben müssen.

Schon zuvor hatte Andreas Seiberling verdeutlicht, dass die Planung zur Rückkehr des Markts in die Fußgängerzone alles andere als ein Kinderspiel ist und etliche Absprachen erfordert. Man plane mit verschiedenen Prämissen, erklärte er. So solle beispielsweise jeder Stand ohne Rangierbewegungen anderer Betreiber angedient werden und die Gastronomen ihre Außenflächen auch während des Marktbetriebs bespielen können. „Da sind wir gerade massiv am Puzzeln“, sagte er. Der Brandschutz müsse ebenfalls berücksichtigt werden. Einen ersten Entwurf werde man in der nächsten Gemeinderatssitzung vorstellen. Aber das Konzept müsse vertiefend auch noch mit den Beschickern besprochen werden und vor allem einen Praxistest bestehen. „In der Realität sieht es nämlich oftmals anders aus“, erklärte Seiberling.

Verlagerung in Richtung Rathäuser

Schon jetzt sei klar, dass sich das Marktgeschehen auf den neuen autofreien Platz zwischen den beiden Rathäusern verlagern werde. Im oberen Bereich der Fußgängerzone seien Bäume und eine Verengung vorgesehen, also gar kein Platz mehr für Stände.

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