Schauspieler Max Tidof „Spielen Sie lieber Verführer oder Mörder?“

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Er gilt als einer der vielseitigsten Schauspieler. Zur Zeit lebt und spielt Max Tidof in Stuttgart. Er mag die Stadt und die Leute. Vor allem gefällt ihm, dass es so viele Raucherkneipen gibt. Die StZ-Autorin Annette Schwesig hat ihn getroffen.

Max Tidof Foto: dpa
Max Tidof Foto: dpa

Stuttgart - Internet, Handy, Smartphone – das ist nicht seine Welt. Da bringt er einiges durcheinander. Am Ende des Gesprächs schreibt Max Tidof mit Schwung und in tiefster Überzeugung die Internetadresse seiner Website auf, später am Schreibtisch merkt man dann jedoch, dass er seine E-Mail-Adresse notiert hat. Vor allem merkt man an dieser Verwechslung, dass es nicht die übliche Koketterie jener Leute ist, die gerne behaupten, sie würden diese modernen Kommunikationsformen ja prinzipiell ablehnen, sie dann aber dennoch bei jeder Gelegenheit versiert gebrauchen. Max Tidof kann und nutzt das alles wirklich nur, wenn es gar nicht anders geht: das heißt, wenn er längere Zeit von zu Hause weg ist. Dann steckt ihm seine Frau ein altes Handy in den Koffer. Damit telefoniert er dann, mehr aber nicht. Die Cents für eine SMS an ihn kann man sich getrost sparen, sie versickert ungelesen in den Weiten des Netzes. „Ich schätze diese Form des Austausches nicht“, sagt der Schauspieler. Dabei kommuniziert Tidof gerne und aufmerksam. Es lässt sich prächtig mit ihm plaudern, aber eben von Angesicht zu Angesicht, am liebsten in einer Kneipe bei Kaffee und Zigaretten.

Quirlig und viril – wie in den „Comedian Harmonists“

Man kann sich Max Tidof überhaupt leicht in früheren Zeiten vorstellen. Nicht weil er irgendetwas Tüdeliges an sich hätte, er ist auch mit seinen mittlerweile fast 54 Jahren immer noch viel zu quirlig und viril. Es liegt vermutlich eher daran, dass man ständig an seine Rolle im Film „Comedian Harmonists“ denken muss, wenn man ihm gegenübersitzt und sein markant geschnittenes Gesicht betrachtet. In dem 1997 gedrehten Film von Joseph Vilsmaier über die legendäre Gesangsgruppe spielt Tidof neben Katja Riemann, Ulrich Noe­then, Ben Becker und Otto Sander den bulgarischen Sänger Ari Leschnikow. Damals bekam er für seine überzeugende schauspielerische Leistung einen Sonderpreis des Bayrischen Filmpreises.

Zu sagen, dass dies die Rolle seines Lebens gewesen sei, wäre vermutlich zu kurz gegriffen, dafür hat Tidof viel zu viel gespielt, aber die Partie des Dreißiger-Jahre-Charmeurs mit der dunklen Stimme und dem dunklen Blick ist ihm derart auf den Leib und ins Gesicht geschrieben, dass man auch heute noch ständig der Versuchung erliegt, Rolle und Person, Kunst und Leben in eins zu setzen.

Das Brusthaar ist gut sichtbar

Er macht es einem aber auch nicht gerade leicht, ihn im Hier und Jetzt anzusiedeln, so wie er da sitzt: die Haare wellig nach hinten gegelt, der Ausschnitt tief, das Brusthaar gut sichtbar, das Jackett schwarz mit feinen, hellen Streifen, dazu eine klassische Ledertasche – das ist alles nicht schlecht, das hat eine klare Aussage, aber so haben sich Männer bereits im letzten Jahrtausend angezogen. Dazu raucht und trinkt er, als ob es kein Morgen gäbe. „Ich mag Zigaretten und Zigarren einfach furchtbar gern“, sagt er mit einem entschuldigenden Lächeln und zündet sich die schätzungsweise sechste von täglich rund 50 Gitanes an.

Tidof hat immer schon jenseits von Bausparvertrag, Kapitalvermehrung und Risikominimierung gelebt. Die Schule hat er ohne Abschluss verlassen. Ursprünglich wollte er Maler werden. Dazu, habe er sich damals gedacht, brauche er kein Abitur. „Englisch habe ich dann von Ghanaern beim Abwaschen in der Großküche gelernt“, erinnert er sich. Eine Ausbildung an einer Schauspielschule hat er auch nie gemacht. „Das Handwerkszeug hab ich mir von Vorstellung zu Vorstellung geholt.“ Von 1979 bis 1984 hat er am Münchner Studiotheater im „Kleinen Prinzen“ gespielt. In 600 Vorstellungen hat er den König, die Schlange, die Rose, den Fuchs gespielt. Tidof gilt heute als einer der vielseitigsten Schauspieler: „Ich spiele gerne alles: den Verführer und den Mörder. Das kommt sicher daher, dass ich schon damals gelernt habe, jede Rolle in dem Stück zu spielen.“