Schlechte Luft in Ludwigsburg Neue Filtersäulen kommen aus China

Ein Filterspalier am Neckartor – so sieht es bald auch in Ludwigsburg aus. Foto: Lichtgut

Ludwigsburg kämpft gegen drohende Fahrverbote und installiert vor dem Schloss und dem Blüba große Luftreiniger. Das Vorhaben ist umstritten – auch wegen der Herkunft der Geräte.

Ludwigsburg - Vergangene Woche bekam die Stadt Heilbronn Post vom Regierungspräsidium: Alle Maßnahmen in Sachen Luftreinhaltung hätten gegriffen, hieß es darin. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ziehe ihre Klage zurück, der Stadt drohe kein Fahrverbot mehr. Ludwigsburg kann davon nur träumen. Die Luftschadstoffe sind stellenweise noch deutlich über der zulässigen Marke. Auch deshalb sollen an der Schlossstraße Filter installiert werden. Nun wurde bekannt, dass diese Säulen nicht wie angenommen in Ludwigsburg, sondern in China produziert werden. Ein herber Schlag für die Stadt, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

 

Ungenaue Messwerte

Auf der Immissionskarte des Landesumweltministeriums (LUBW) prangt ein dicker roter Punkt über der Stadt Ludwigsburg: Die Feinstaubwerte lagen demnach am Freitagnachmittag bei 113 Mikrogramm pro Kubikmeter – viel zu hoch. Bis wann sich die Schadstoffwerte unter die gültige Obergrenze drücken lassen, ist zurzeit offen. Dafür seien die Messungen zu ungenau, meint Mobilitätsmanager Matthias Knobloch. Nachdem das Ministerium die Messstation an der Friedrichstraße abgebaut habe, gebe es keine Vergleichsdaten mehr. „Darum wissen wir auch nicht, ob unsere Maßnahmen für bessere Luft greifen“, sagte Bürgermeister Michael Ilk im Mobilitätsausschuss.

Die Klage der DUH gegen Ludwigsburg ist noch immer anhängig, es droht ein Fahrverbot. Darum hatte die Stadt ein Maßnahmenpaket in Angriff genommen, zu dem die Ausweisung von Busspuren in der Schorndorfer- und Teilen der Stuttgarter Straße sowie eine Tempo-40-Regelung auf den Hauptverkehrsachsen gehören. Da im Bereich der Schlossstraße regelmäßig besonders schlechte Luftwerte gemessen werden, sollen dort 15 Filtersäulen installiert werden. In einer ersten Charge sind zehn dieser Geräte, die Schadstoffe aus der Luft saugen, bei Mann + Hummel geordert worden.

Spalier vor historischen Häusern?

Nun musste Knobloch den Stadträten erläutern, dass diese Säulen nicht nur später geliefert werden – statt im März, wie erwartet, erst im Mai –, sondern auch, dass sie in China und nicht in Ludwigsburg produziert werden. „Man hätte sich den wenig umweltfreundlichen Transport sparen können, wenn das Unternehmen hier produzieren würde“, meinte Grünen-Stadtrat Frank Handel und spielte damit darauf an, dass der Filterhersteller seine Produktion in Ludwigsburg schließen will. Mit Filtern die Luftwerte verbessern zu wollen, sei nur eine Symptombehandlung, kritisierte Nathanael Maier (SPD).

Das Spalier der Filtersäulen soll auf der Straßenseite dem Schloss gegenüber platziert werden, wo unter anderem gerade erst barocke Gebäude wie der Grafen- und der Gesandtenbau mit viel Aufwand restauriert worden sind.

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