Schließung Iveco Iveco schließt außer Ulm vier weitere Werke

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Das Sparprogramm des LKW-Herstellers Iveco bekommt deutliche Konturen: Die Ulmer haben keine Hoffnung mehr auf einen Erhalt ihres Standortes.

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Ulm - Das europäische Sparprogramm des Lastwagenherstellers Iveco bekommt immer deutlichere Konturen. Der Iveco-Chef Alfredo Altavilla nannte bei der Präsentation des technisch und optisch überholten Volumenmodells Stralis in Turin erstmals konkrete Zahlen zum Personalabbau. Durch die Verlagerung des Montagewerks von Ulm ins spanische Madrid würden 1075 Arbeitsplätze wegfallen, sagte Altavilla. Das ist exakt die Zahl der Menschen, die in der Sattelzugmontage in Ulm arbeiten.

Wie viele dieser Mitarbeiter tatsächlich arbeitslos werden, ist trotz der Bekräftigungen Altavillas noch nicht heraus. Vielen dürfte eine Tätigkeit in der Brandschutzsparte angeboten werden. In Ulm werden neben den Iveco-Sattelzugmaschinen auch die Magirus-Fahrzeuge und Drehleitern für den Brand- und Katastrophenschutz gebaut. Der Iveco-Mutterkonzern Fiat Industrial hat sein Sparprogramm auch diesem Geschäftsbereich verordnet, obwohl das Geschäft mit Feuerwehrfahrzeugen als hochprofitabel gilt. Jährlich werden rund 1500 Magirus-Feuerwehrautos ausgeliefert, im Bereich der in Ulm entwickelten und gebauten Drehleitern ist die Marke sogar globaler Marktführer. Bei diesem zweiten Teil des Sparprogramms soll Ulm von Zusammenlegungen wiederum profitieren – die Rede ist vom Aufbau eines europäischen Brandschutzzentrums mit 500 zusätzlichen Arbeitsplätzen. 35 Millionen Euro will Iveco hier investieren.Dafür werden laut Altavilla die Magirus-Werke in Weisweil (Baden-Württemberg), Görlitz (Sachsen), Chambéry (Frankreich) und Kainbach (Österreich) geschlossen. Unangetastet bleibt der italienische Produktionsstandort Brescia. Im südbadischen Weisweil erstellen 185 Beschäftigte Sonderbauten. Außerdem ist dort eine Konstruktions- und Vertriebsabteilung beheimatet. In Görlitz beschäftigt Magirus in der Montage von Spezialmodellen noch rund 20 Mitarbeiter. In Kainbach bei Graz werden Klein- und Sondermodelle unter 7,5 Tonnen Gewicht für Österreich, Süd­tirol sowie die angrenzenden osteuropäischen Staaten gebaut. Der Standort Chambéry ist auf Waldbrandlöschfahrzeuge und Sonderfahrzeuge für die Industrie spezialisiert.

Die Hoffnung unter den Beschäftigten ist gering

Für die Beschäftigten der Ulmer Lastwagenfertigung ist die angekündigte Stärkung der Brandschutzsparte mit derzeit 420 Mitarbeitern ein schwacher Trost, zumal derzeit noch mit dem Konzern verhandelt wird, wie viele Arbeiter tatsächlich in die Montage der Feuerwehrautos wechseln können. „Für den Ausbau von Ulm müssen eben andere bluten“, sagt der Ulmer IG Metall-Sprecher Michael Braun. Gegenstand der Verhandlungen zwischen Konzernspitze und Belegschaftsvertretern ist nach wie vor auch der Zeitpunkt der Werksverlagerung nach Madrid. Ende September will Iveco Ulm dicht machen. Dem stünde eine mehrere Jahre alte Standortvereinbarung entgegen, die noch bis Ende November gültig sei, so Braun. Die jüngste Fassung dieser Vereinbarung umfasse neben einem Kündigungsausschluss auch die Vereinbarung, dass die Lastwagen-Montagelinien in Ulm und Madrid stets zu gleichen Teilen ausgelastet werden müssten.

Die Hoffnung, das Werk doch noch retten, beziehungsweise die Schließung hinauszögern zu können, ist dennoch gering unter den Beschäftigten. Bei der Nutzfahrzeug-IAA im Herbst in Hannover wird Iveco das technisch und optisch überarbeitete Massenmodell Stralis auch in Deutschland vorstellen. Dessen Motoren sind verbrauchsreduziert, die Ausstattung kann in fünf vorkonfigurierten Paketen von der Basis- bis zur Luxusversion bestellt werden. Mit den Stralis-Sattelschleppern hofft Iveco Marktanteile zurückzugewinnen.Das Werk Ulm hätte, um das neue Modell ab Herbst bauen zu können, aufwendig umgerüstet werden müssen, doch das ist nicht geschehen. Die Gewerkschaft konzentriert sich in den laufenden Verhandlungen deshalb darauf Abfindungsregelungen auszuhandeln, die vor allem älteren Mitarbeitern den Gang zur Arbeitsagentur ersparen sollen. Knapp 400 der Ulmer Beschäftigten sind älter als 55 Jahre. Damit solche Mitarbeiter die Zeit bis zur Erreichung des Rentenanspruchs überbrücken könnten, seien von Iveco laut IG Metall-Sprecher Braun kopfbezogene Beträge von „weit mehr als 100.000 Euro“ zu zahlen.