E-Campus bei Mercedes in Untertürkheim Schrittmacher für die Zukunft der Marke Mercedes

Gerd Linke: mit Plan und neuer Perspektive Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Elektromobilität verändert die Arbeitswelt im Mercedes-Stammwerk von Grund auf. Als Projektleiter E-Campus arbeitet Gerd Linke an dessen neuem Zentrum – dort, wo sich die Zukunft des Konzerns entscheidet.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Wenn Stuttgart als Stadt am Fluss betitelt wird, geht das in weiten Teilen an der Realität vorbei. Hat doch der Innenstadtbereich keinerlei Anbindung an den Neckar. Und trotzdem gibt es hier diese Stadt am Fluss. Es braucht schließlich nicht besonders viel Fantasie dazu, um im Mercedes-Werk am Neckarufer eine selbstständige Ortschaft zu erkennen. Dazu gehören eine eigene Feuerwehr, eine Buslinie, Sportangebote, Restaurants, ein Museum, Tankstellen, Ladesäulen, Arztpraxen oder eine Kita – und ein Chor.

 

Und wenn eine solche Stadt ein neues Zentrum bekommen soll, dann ist das natürlich eine Riesensache. So wie in dieser geschichtsträchtigen Industrieansiedlung. Vor gut einem Jahr fand dort die Grundsteinlegung mit Konzernchef Ola Källenius, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) statt. Sie und viele mehr versammelten sich in der geografischen Mitte des Werks, wo künftig das Herz von Mercedes-Benz schlagen wird.

Der Bau des Kompetenzzentrums verläuft planmäßig

Der Bau des Kompetenzzentrums für Batterietechnologien verläuft seitdem nach Plan. In der Mitte des Untertürkheimer Werks entsteht der „E-Campus“ von Mercedes-Benz. Dort, wo früher in den Gebäuden 132/1 und 132/2 unter anderem Nocken- und Kurbelwellen produziert worden sind, wird bald in neuen Hallen an der Zukunft gearbeitet. Dafür steht das „E“. Ein Buchstabe, der den reinen Mercedes-Verbrennungsmotor Schritt für Schritt altes Eisen werden lässt.

„Bis 2025 sollen die Bauphasen abgeschlossen und bis 2027 alle Anlagen schrittweise in Betrieb genommen sein“, kündigt Gerd Linke an. Und der muss es wissen, schließlich arbeitet der 55-Jährige auf der Großbaustelle E-Campus als zuständiger Projektleiter. Zu dessen Aufgabe gehört es auch, den Zeitplan einzuhalten.

Als Erstes wird zu Beginn des kommenden Jahres die Kleinserienfertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen „produktionsbereit“ sein. „Dort werden Grundlagenforschung und Entwicklung zusammengeführt“, erläutert Gerd Linke Schritt eins. Es folgt der Bau von Räumlichkeiten für eine sogenannte Batterie-Anlauffabrik sowie für eine Vielzahl von Prüfständen, in denen die Batterien, Module und Zellen auf Sicherheit, Lebensdauer und Umweltverträglichkeit getestet werden.

Zusammen ergeben die Bauabschnitte das Kompetenzzentrum für Batterietechnologien von Mercedes-Benz – und dies auf einer Grundfläche von mehr als 30 000 Quadratmetern, was gut vier Fußballfeldern entspricht. Um sich bei allem organisatorischen Klein-Klein den Umfang des Projekts immer mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, steigt Gerd Linke regelmäßig auf das Flachdach des bereits bestehenden Fabrikrohbaus. Von seinem Lieblingsplatz aus blickt er auf eine riesige Baufläche, die er als Symbol sieht, wie sich ein Automobilunternehmen ganz neu aufstellt.

Viel Platz auch für die persönliche Entwicklung

Eine nicht unbedingt vorhersehbare Entwicklung hat auch das Arbeitsleben von Gerd Linke genommen. Sein Werdegang bei Mercedes-Benz führte den Diplomingenieur, der 1995 in der Gießerei angefangen hatte, an einigen Stationen in der Produktion, Konstruktion und Planung vorbei bis zur Projektleitung E-Campus.

„Ich verstehe es als ein Privileg, an diesem zentralen Projekt mitzuarbeiten“, sagt Gerd Linke, „an der Schnittstelle von Produktion und Entwicklung.“ Dafür brauche es vor allem Neugier, Flexibilität und Spaß an der Veränderung. „Die Transformation eröffnet einem ja auch selbst ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten“, sagt der Vater von drei Töchtern, der in Waiblingen wohnt, sich mit der Familie in der Kirchengemeinde engagiert, in seiner Freizeit gerne Mountainbike fährt, im Chor singt, Standard und Latein tanzt, surft und seine Kraft aus der Familie und den Urlauben mit ihr zieht.

Was Gerd Linke bei seinen vielen Kolleginnen und Kollegen, mit denen er in Kontakt ist, festgestellt habe: „Ich habe niemanden erlebt, der trotz teilweise großer Umstellungen den Veränderungsprozess nicht mitträgt.“ Die durch den Neubau verursachten Umstände, wie etwa der Umzug von Arbeitsplätzen innerhalb des Werks, würden von den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zumeist aktiv begleitet werden. „Dieser Teamgeist motiviert“, versichert Gerd Linke.

Das Stammwerk in Zahlen

Untertürkheim
Gegründet wurde das Mercedes-Werk im Jahr 1904. Auf einer Fläche von über 1,7 Millionen Quadratmetern arbeiten dort heute rund 15 000 Beschäftigte. Der Standort ist auch Sitz der Konzernzentrale der Mercedes-Benz Group.

Werksteile
Zum Untertürkheimer Werk gehören auch die Mercedes-Anlagen in Hedelfingen und Bad Cannstatt sowie die in den Esslinger Stadtteilen Brühl, Mettingen und Sirnau.

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