Schnaps aus dem Kreis Ludwigsburg Zwei Markgröninger sind auf den Gin gekommen

Alessandro De Angelis (links) und Florian Litzl huldigen mit ihren Tropfen auch ihrer Heimatstadt. Foto: Werner Kuhnle

Alessandro De Angelis und Florian Litzl aus Markgröningen (Kreis Ludwigsburg) haben ihr Herz an den Wacholderschnaps verloren. Ihr eigenen Tropfen sind preisgekrönt, ihr unterhaltsam-schräger Podcast ist eine Inspirationsquelle für Gin-Liebhaber.

Die Community der Wacholderschnaps-Connaisseure hat ein Faible für Wortspiele. Es wird dann schon mal darüber sinniert, was wohl nach der Ginflut passiert, manchmal auch über den Gin des Lebens philosophiert. Kalauer wie diese kennen auch Alessandro De Angelis und Florian Litzl, fanden solche Sprüche aber nie sonderlich prickelnd. Als sie aber einen Namen suchten, unter dem sie als Duo ihre Leidenschaft für das hochprozentige Getränk mit anderen teilen wollten, brauchten sie doch was Knackiges und hörten auf den Rat von De Angelis’ Frau, die meinte: Nennt euch „Ginseidank“.

 

Jede Edition hat ihre eigene Farbe

Unter dieser Marke starteten sie 2017 einen Blog, packten später einen Podcast obendrauf, stellen zudem Verkostungen auf die Beine. Und als Krönung lassen die Kumpels selbst Gins brennen, die sogar schon Preise abgeräumt haben. „Gin Spes nostra es“, also „Gin, du bist unsere Hoffnung“, heißen die Tropfen. Vier Linien sind auf dem Markt. Gut unterscheiden kann man die einzelnen Editionen durch jeweils eigene Symbole wie ein Schiff auf den Flaschen, aber vor allem durch die Farbe der Etikette. Liebhaber machen es in Anlehnung an die Tönungen kurz und sprechen nur vom „Gelben“, „Grünen“, „Goldenen“ und „Schwarzen“.

Es ist eher dem Zufall zu verdanken, dass Alessandro De Angelis und Florian Litzl quasi Brüder im hochprozentigen Geist wurden. Bei einem Junggesellenabschied 2013 rollten die zwei Markgröninger mit der übrigen Entourage des Bräutigams per Partybus nach Stuttgart. Es wurde Bier und Schnaps ausgeschenkt. „Zwei Dinge, die wir nicht unbedingt wollen“, sagt De Angelis. In einem Rockcafé orderten beide erleichtert einen Gin-Tonic. „Was? Du trinkst auch Gin-Tonic“, fragten sie sich gegenseitig. Und schwups war ein Diskurs über das Lieblingsgetränk angekurbelt worden – der im Grunde bis heute in verschiedenen Formaten anhält.

Zunächst trafen sich die beiden immer donnerstags, machten ein Fläschen auf, fachsimpelten. Dann riefen sie den Blog ins Leben. Dabei schrieben sie immer über einen anderen Gin. Bewertungen mit Sternchen oder Punkten waren tabu. Stattdessen wurden um den jeweiligen Wacholderschnaps kleine Geschichten gesponnen. Rief eine Geschmacksnote zum Beispiel Erinnerungen an die 90er wach, plauderten die beiden über dieses Jahrzehnt und ließen ihre Kritik hierbei einfließen.

Podcast wird von fast 20 000 Hörern verfolgt

Den Blog ließen der 40-jährige Alessandro De Angelis und sein 39-jähriger Kumpel Florian Litzl nach einiger Zeit ausklingen. Dafür brachten sie während der Coronakrise einen Podcast an den Start, für den die gleichen Prinzipien gelten. „Das ist schon eine große Nummer. Wir haben im Schnitt zwischen 15 000 und 18 000 Hörer“, sagt Litzl, der hauptberuflich ein Restaurant leitet. „Mittlerweile schreiben uns schon viele Hersteller und fragen: Was muss ich tun, um in den Podcast zu kommen?“, erklärt er. Das sei ganz einfach: ein Exemplar schicken, möglichst unterfüttert mit Angaben zum Tropfen. Doch das Duo hat auch kein Problem damit, ohne Infos einfach drauflos zu plaudern. Sie schweifen dann auch mal komplett ab, erzählen dies und das – um schließlich doch wieder zum Kern, dem Gin, zurückzukehren.

Jeden Mittwoch geht eine neue Folge des unterhaltsam-schrägen Formats online. Die Ginseidank-Macher öffnen stets ein anderes, auch für sie unbekanntes Fläschchen, erläutern, was sie riechen, schmecken, empfinden, mögen, inspirieren so ihre Zuhörer. Nicht vorgestellt werden aus Prinzip die eigenen Produkte. Trotzdem sind die beiden stolz auf ihre Gins, steckt doch darin quasi die Essenz dessen, was beide schätzen.

Den ersten Gin ließen sie in Südtirol brennen. Praktisch muss man sich das so vorstellen, dass De Angelis und Litzl festlegten, welche Akzente sie setzen wollten. Daraus wurde mit dem Brenner ein Rezept entwickelt. Inzwischen läuft alles viel regionaler ab, stammen maßgebliche Zutaten wie Honig oder Zitronen meist aus der Umgebung und lassen die beiden ihre Gins nach komplett eigenen Ideen bei Kim Hönes in Schwieberdingen fertigen. Als Hommage an Markgröningen haben sie sogar einen Gin kreiert, auf dem Wappen und Logo der Stadt prangen. „Er sollte riechen wie der Rotenackerwald nach einem starken Regen“, sagt der hauptberufliche IT-Spezialist De Angelis.

Regionale Zutaten verleihen eine besondere Note

Das Duo hatte mit seinen Kreationen bei Experten einen Nerv getroffen, erhielt 2022 bei der European Wine & Spirits Trophy für den „Gelben“ ebenso eine Auszeichnung wie für den „Grünen“, der einen eher mediterranen Touch hat. Trotz solcher Erfolge und der Beliebtheit der Tropfen bei Kennern möchten die Spezis aus dem Hobby keinen Beruf machen. „Mir sind mit Leib und Seele dabei, auch bei unseren Tastings. Das macht so viel Spaß, und ich möchte keinen Druck, etwas verkaufen zu müssen“, erklärt Litzl.

Essenz
Gin ist ein Schnaps auf Wacholderbasis. Der Herstellungsprozess dauert nur kurz, nach zwei Tagen können die Brände in der Regel abgefüllt werden. Es ist aber auch möglich, sie im Fass nachreifen zu lassen. Anders als Wein passiert in der Flasche selbst nichts mehr. Der Gin schmeckt nach einem Jahr nicht merklich anders als nach sechs Monaten.

Bestellungen
Die Tropfen von Ginseidank sind unter anderem im Onlineshop erhältlich. Zu dem gelangt man über die Homepage www.ginseidank.de/podcast/gin-spes-nostra-es/. Dort gibt es auch Infos zu Gin-Tastings, zum Blog und dem Podcast.

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