Schräge Magier Siegfried & Joy Plüschtiger, Plastiktauben und echt spaßige Fakes
Die zauberhaften Comedians Siegfried & Joy begeistern mit faulen Tricks und viel Selbstironie an vier Tagen das Publikum im Stuttgarter Theaterhaus.
Die zauberhaften Comedians Siegfried & Joy begeistern mit faulen Tricks und viel Selbstironie an vier Tagen das Publikum im Stuttgarter Theaterhaus.
In einem Metier, in dem es um Tricksen, Tarnen und Täuschen geht, muss man fragen: Siegfried & Joy? Heißen die wirklich so? Jedenfalls treten diese beiden komischen Zauberer als Siegfried D’Amour und Joy Leslie in Erscheinung. 2016 haben sie sich in Berlin gefunden und tingelten durch kleinere Häuser. Während der Pandemie aber fielen sie mit ihren faulen Tricks auf der Straße auf und sind zu Tik-Tok-Stars geworden. Inzwischen füllen sie Hallen wie die größte des Theaterhauses mit mehr als 1000 Sitzplätzen, in die die vier Auftritte nach rasantem Vorverkauf verlegt worden sind.
Zu Beginn ihrer Show begrüßen die beiden in ihren güldenen Glitzeranzügen das Publikum: „Wir haben uns gesagt, wenn wir’s in Las Vegas schaffen, dann kommen wir nie wieder zurück. Stuttgart, hier sind wir!“ Auch das ist wohl geflunkert, sodass man die Show einfach nur „Lass Vegas“ nennen könnte. Aber was ist nun das Erfolgsgeheimnis dieser zauberhaften Comedians, deren Tricks manchmal so offenkundig schlecht sind, dass man an Loriots Sketch mit dem „Oh-oh-oh“-Bello denken muss: „Herr Dr. Sommer, ich glaube, Ihr Hund kann gar nicht sprechen.“ Können Siegfried & Joy echt zaubern? Nun, sie arbeiten mit Plastikblumen und Plastiktauben, mit Siegfried als schwebendem Junggesellen in gebückter Verrenkung unter einem Tuch oder mit einem Plüschtiger im Käfig, den sie gar nicht verschwinden lassen, um dann freudig zu sagen: „Da ist er wieder!“
Aber ja, doch, sie verblüffen auch immer wieder mit Illusionen, die voller Ablenkungsmanöver sind, sodass man fragt: Wie haben die das bloß gemacht? Etwa die vier Spielkarten, die auf jedem Platz ausgelegt sind und halbiert, mehrmals neu sortiert, getauscht, in die Menge geworfen werden sollen, bis am Ende eine halbe in der Hand übrig bleibt, deren zweite Hälfte in der Hosentasche steckt. Überhaupt das Publikum – das wird nie gemein, sondern stets charmant mit vorgeführt. Besonders lustig dabei ist, dass den „Freiwilligen“ auf der Bühne Fragen gestellt werden, die Joy mit verstellter Stimme in Bauchrednermanier beantwortet.
Manche Nummern brauchen zwar vom Ergebnis her betrachtet einen langen Anlauf: wenn „Mental Joy“ die Gedanken von sechs Auserwählten liest, aber auch alle Kinder auf die Bühne bittet, die er dann trickreich wieder loswerden muss, weil er nicht ahnen konnte, dass zu später Stunde gleich 16 im Saal sind. Insgesamt aber sind die zwei Stunden wirklich vergnüglich. Die Kindervorstellung am Sonntag ist ausverkauft, für Samstagabend gibt es noch Restkarten.