Schülermedienpreis für zwei Stuttgarter Schulen Sieg für Rap gegen Mobbing und Schul-App

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Elektronische Medien nicht nur konsumieren, sondern auch selbst kreativ werden – das ist die Idee hinter dem Schülermedienpreis. Stuttgarter Schüler erhalten Sonderpreise für zwei beachtliche Projekte.

Theodora Frey (Gesang) und Kevin Beler (Rap) haben als Hauptakteure im Musikclip der Freien Evangelischen Schule gesiegt. Foto:  
Theodora Frey (Gesang) und Kevin Beler (Rap) haben als Hauptakteure im Musikclip der Freien Evangelischen Schule gesiegt. Foto:  

Stuttgart - „Ich kann nicht mehr, ich bin am Boden. Wäre so gerne von hier weggeflogen“, rappt Kevin Beler mit hochgezogener Kapuze seines Hoodys und Theodora Frey singt mit ihrer glockenhellen Stimme auf Englisch den Gegenpart und ermutigt die Opfer von Mobbing und Ausgrenzung: Versteck’ Dich nicht. Du wirst geliebt. Die beiden musikalischen Talente besuchen das Gymnasium der Freien Evangelischen Schule (FES) und das Musikvideo „Just stay strong“, in dem sie singen erhielt eine der beiden Sonderauszeichnungen beim diesjährigen Schülermedienpreis Baden-Württemberg. Der andere Sonderpreis ging vier Schüler des Mörike-Gymnasiums, die eine App entwickelt haben, die einige Erleichterungen für den den Schulalltag bringt.

Sänger mit Bühnenerfahrung

Kevin Behler und Theodora Frey haben zuvor schon einmal gewonnen, und zwar das Casting an der FES. Der Clip entstand als Projekt im Fach Wirtschaft und Information an der FES- Werkrealschule. Bei der Auswahl für den musikalischen Part siegten eindeutig die beiden Gymnasiasten, denn beide haben bereits Bühnenerfahrung.

„Ich trete als Solokünstler auf, zum Beispiel bei Stadtfesten oder Festivals“, erzählt Kevin Behler stolz. In Stuttgart, Esslingen, Schwäbisch Gmünd und Tuttlingen hat er schon live vor Publikum mit seinen eigenen Texten und unter seinem Künstlernamen EamiQ gerappt. Drei CDs gibt es von ihm. „Die Musik kommt von meinem Produzenten“, sagt er. Die Texte stammen von ihm. „Das ist so eine Art Therapie“, sagt er. Theodora Frey komponiert ihre Songs zuhause am Klavier, auch den für „Just stay strong“ hat sie geschrieben. Außerdem ist sie Sängerin in einer Band und in einem Kirchenchor. Seit kurzem hat auch sie einen Künstlervertrag bei einem Produzenten. „Ich verarbeite meine Emotionen musikalisch. Deshalb singe ich lieber auf Englisch, dann fühle ich mich nicht so nackt, wenn ich sie vor Publikum singe“, erklärt sie.

Sieger-Song zum Download

„Ich habe selten Schüler mit einer solchen Begabung kennengelernt“, lobt Lehrer Stefan Waidelich, der das Projekt betreute. Die Werkrealschüler hatten das Management für die Produktion übernommen, das Drehbuch geschrieben und sie wirken selbst in dem Clip als Schauspieler mit. Der Verein „Just be creative“ hat den Clip in eineinhalb Tagen eingespielt und an das Ende haben die Werkrealschüler die Nummer der Telefonseelsorge gesetzt, denn das Video greift ein Problem auf, mit dem viele Schüler und Schülerinnen konfrontiert sind. „Mobbing und Ausgrenzung betrifft alle“, sagt Kevin Beler und weiß wovon er spricht, denn der 21-jährige ist gehbehindert und deshalb meist mit dem Rollstuhl unterwegs. Theodora Frey (17) betont, dass sie gelernt habe, Anfeindungen nicht mehr an sich ran zu lassen. Der Clip „Just stay strong“ ist über alle Streamingdienste erhältlich und auf youtube zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=vARSGdAHlqg).

Schoolsen-App für Komfort in der Schule

Die vier Preisträger vom Mörike-Gymnasium haben sich ebenfalls mit dem Schulalltag beschäftigt, aber in ganz anderer Form. Die Schüler der Kursstufe haben sich immer wieder geärgert, wenn morgens die erste Stunde ausfiel und sie trotzdem in die Schule gehastet waren – umsonst, denn die Information hat sie nicht rechtzeitig erreicht. Das ist nun anders denn Lucas Hild, Leon Wallis, Gregor Weber und Linus Andrzejczak haben in Eigenregie eine App entwickelt, die ihnen und allen anderen Schülern derartigen Frust ersparen kann. „Schoolsen“ – eine Wortkombination aus School und surfen sendet für nur 1,25 Euro pro Kopf und Jahr für jede Klasse die wichtigen Benachrichtigungen über Stundenausfall, Vertretungen, Stundenplanänderung, über Klausur-Termine, alle Stundenpläne, einen Kalender mit Schulereignissen, die Kontaktdaten der Lehrer und natürlich über den Speiseplan der Mensa.

„Wir haben das ganz alleine gemacht. Ein Lehrer war nicht dabei“, berichtet Lucas Hild. Innerhalb eines Vierteljahres hatten sie die erste Demoversion fertig und seit Anfang 2018 läuft Schoolsen als Pilotprojekt an ihrer Schule. Anleitungen zur Programmieren einer App fanden sie auf Youtube. „Manches haben wir aber auch selbst gemacht“, berichtet Leon Wallis. „Wir waren einfach mit der Situation unzufrieden, dass man sich als Schüler alles zusammen suchen muss“, betont Lucas Hild.“ Und wer meint, dass die vier Nerds zufrieden mit ihrem Produkt sind, den lehrt Gregor Weber eines besseren: „Es fängt gerade erst an.“ Der vierte im Bunde, Linus Andrzejczak, steckt gerade mitten im Abitur und pausiert.

Viele interessieren sich für die App

Jetzt wollen die Schoolsen-Macher ihre App auch an anderen Schulen anbieten und die Preisverleihung im Weißen Saal des Neuen Schlosses war die beste Werbung für ihr Produkt: Sie haben viele Anfragen von Lehrern aus dem ganzen Land erhalten und fleißig ihr Informationsblatt verteilt. „Viele Schulen haben einen Kalender, der gepflegt wird“, betont Lucas Hild, aber eine App, in die die Lehrer und die Schulleitung an alle Klassen die wissenswerten Informationen für den Schulalltag schnell herausschicken können, haben bisher nur die Realschule, das Aufbaugymnasium und das Gymnasium am Mörike.

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