Schulbetrieb im Rems-Murr-Kreis Zwischen Coronastundenplan und Toilettenkarte

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Wie überall im Land, sind auch im Rems-Murr-Kreis die Abschlussklassen am Montag in die Schulen zurückgekehrt. Nun gelten umfangreiche Hygieneregeln. Deren Umsetzung erfordert mitunter einen hohen organisatorischen Aufwand, berichten Schulleiter.

Mit Abstand und Maske – Unterricht in der Kaufmännischen Schule Foto: Gottfried Stoppel
Mit Abstand und Maske – Unterricht in der Kaufmännischen Schule Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Alexander Krause hat sich darauf gefreut, seine Schülerinnen und Schüler an der Kaufmännischen Schule in Waiblingen nach rund sieben Wochen wiederzusehen: Am vergangenen Montag ist an den Schulen im Land der Unterricht wieder aufgenommen worden, zunächst nur für diejenigen, die in diesem beziehungsweise im nächsten Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegen.

Maximal zwölf Schüler pro Raum

Und so unterrichtet Alexander Krause an diesem Donnerstagvormittag Mathematik in einer Ausbildungsvorbereitungsklasse. „Die Schüler freuen sich, dass sie alle mal wieder sehen können“, sagt der Lehrer. Was das Lernen während der Corona-bedingten Schulschließung angehe, sei das Bild unter den Jugendlichen geteilt: „Die einen hatten zuhause alle Möglichkeiten, die anderen sind froh, sich hier nun wieder besser konzentrieren zu können, weil sie zuhause kaum Rückzugsmöglichkeiten hatten“, sagt Krause. Er sei sehr positiv überrascht, wie diszipliniert sich die Schüler an die Hygienevorschriften hielten. Auch die Schulleiterin Birgit Bürk lobt das Verhalten der Jugendlichen.

Denn die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie prägen das Schulleben stark: Maximal zwölf Schüler dürfen sich in einem Raum befinden – das bedeutet, dass eine Klasse auf mehrere Räume verteilt werden muss. Von den 94 Lehrern an der Kaufmännischen Schule zählen 21 zur Risikogruppe – für den Präsenzunterricht vor Ort fallen sie folglich weg. „Der alte Stundenplan funktioniert so nicht mehr, neue Pläne zu erstellen war schwierig“, sagt Bürk. Derzeit würden lediglich die Prüfungsfächer unterrichtet, sodass die Schüler nur einige Tage pro Woche an der Schule seien.

Prüfungen beginnen am 18. Mai

„An der beruflichen Schule haben wir sehr viele Prüfungen“, erklärt die Schulleiterin. So können die Jugendlichen hier nicht nur das Wirtschaftsgymnasium, sondern auch das Berufskolleg, die Berufsfachschule oder die Kaufmännische Berufsschule absolvieren. Von den insgesamt 1517 Schülerinnen und Schülern stünden rund 500 kurz vor ihren Prüfungen, den „Löwenanteil“ bildeten etwa 300 Berufsschüler, berichtet Bürk. Durch die Pandemie haben sich die Termine verschoben, daher sind Prüfungen nun bis zu den Sommerferien möglich. Die ersten beginnen am 18. Mai. „Als der Shutdown losging, waren viele mit dem Prüfungsstoff schon durch und bereits in der Übungsphase“, so die Schulleiterin.

„Ich glaube, dass die Schüler froh sind, wenn es endlich losgeht“, sagt ihr Kollege Matthias Wenzke vom Remstalgymnasium in Weinstadt. Die Abiturienten hätten in diesem Jahr so viel Zeit zur Vorbereitung gehabt wie kein Jahrgang zuvor. Ursprünglich hätte das Abitur im April beginnen sollen. Die Jugendlichen können nun entscheiden, ob sie am Haupt- oder am Nachtermin schreiben wollen. „Wir raten dazu, den ersten Termin wahrzunehmen“, sagt Wenzke. Derzeit laufen am Remstalgymnasium die Planungen, um die 95 Prüflinge den Vorgaben entsprechend auf unterschiedliche Räume zu verteilen. Schüler, die selbst zur Risikogruppe gehören, müssen die Möglichkeit haben, mit noch mehr Sicherheitsabstand schreiben zu können.

Rote Karte vor der Toilette

Wie überall spielt der Abstand auch an der Backnanger Max-Eyth-Realschule eine große Rolle. Hier sind am Montag rund 280 Schüler der Klassen 9 und 10 zurückgekehrt und umfassend über die Hygienemaßnahmen informiert worden, sagt der Rektor Heinz Harter. Dazu gehöre etwa, dass jede Klasse ein festes Klassenzimmer und eine verbindliche Sitzordnung habe. Türen blieben zur besseren Belüftung offen. Kann der Abstand nicht eingehalten werden, sollen Masken getragen werden.

Eine weitere Vorgabe des Kultusministeriums setzt man an der Max-Eyth-Realschule mit einer roten Karte um: Weil in den Toiletten nur eine Person sein darf, hat jeder Schüler eine Toilettenkarte: Steckt sie an der Tür, ist besetzt. „Wenn die Schüler den Sinn verstanden haben, ist die Umsetzung gegeben. Die Herausforderung wird sein, die Konzentration auf die Verantwortung füreinander zu bewahren“, so Harter.