Schule in Hemmingen Sozialarbeit ist immer früher nötig

Von Franziska Meißner 

Wenn es um Sozialarbeit an Schulen geht, lautet das Motto immer öfter: besser früh als spät. Denn schon an der Grundschule gibt es Fälle von Aggression und Mobbing.

Auch in der Grundschule läuft nicht alles rund. Foto: factum/Granville
Auch in der Grundschule läuft nicht alles rund. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Wo soll die Sozialarbeit an Schulen einsetzen? Zum Wechsel auf eine weiterführende Schule – oder schon in der Grundschule? Immer häufiger lautet die Antwort: besser früher als später. An mehr als 60 Prozent der Grundschulen im Kreis Ludwigsburg gibt es einen Sozialarbeiter. Auch an der Grund- und Werkrealschule in Hemmingen kümmert sich ein Sozialarbeiter um die Kinder. Gregor Adam hat eine halbe Stelle und ist knapp 20 Stunden pro Woche dort. Während seine Arbeit im Schuljahr 2014/2015 mit den vierten Klassen begann, ist Adam seit diesem Schuljahr schon bei Drittklässlern aktiv. Im Verwaltungsausschuss hat der Sozialarbeiter dafür plädiert, diese Vorgehensweise beizubehalten.

Adam führte eine Reihe von Gründen an, weshalb die Sozialarbeit an Grundschulen in seinen Augen sinnvoll ist. Es gebe einige Schüler, die sich nicht an Regeln halten würden und eine erhöhte Gewaltbereitschaft hätten. Einige von ihnen, das geht aus Adams Bericht hervor, zeigten „kein Mitleid oder Reue“ gegenüber ihrem Opfer, oder sie suchten bei diesem die Schuld für den Übergriff. Selbst manche Eltern seien der Meinung, ihr Kind habe das Recht, sich gegen ein anderes „mit allen Mitteln zu verteidigen“. Adam kennt auch das Problem, dass Eltern ihre Kinder zu stark behüten und diese als Folge dann unselbstständig seien. Andererseits gebe es Eltern, die ihre Erziehungsverantwortung zu stark der Schule übertragen würden.

Von der Einzelfallhilfe bis zur Lerngruppe

Adams Angebot setzt an mehreren Stellen an. Zum einen hilft der Sozialarbeiter im Einzelfall. Im Raum 411a der Schule sucht er gemeinsam mit einem betreffenden Schüler nach Lösungen für dessen Problem. Dabei hat Adam nicht nur mit schwierigen Schülern Kontakt, sondern es gibt auch Fälle, in denen etwa ein Elternteil erkrankt oder verstorben ist, oder in denen die Kinder Opfer elterlicher Gewalt wurden. Auch der Übergang zum Beruf ist dabei ein Thema. Je 47 Gespräche mit 15 bis 17 Schülern hat Adam in den vergangenen beiden Halbjahren geführt.

In Projekten nähert sich der Sozialarbeiter mit den Schülern Themen wie Konfliktkultur, Gewaltprävention und Benehmen. Zwei Flüchtlinge aus Syrien haben zudem zum Thema Krieg und Flucht berichtet – damit sich die anderen Schüler zumindest eine vage Vorstellung davon machen können, wie das ist. Adam bietet auch eine Lerngruppe zur Prüfungsvorbereitung an: „Manche lernen nur dort.“

„Viele Kinder dürfen alles“

„Man kann es fast nicht begreifen, dass Sozialarbeit schon in der Grundschule nötig ist“, sagte die CDU-Rätin Ute Freitag. Barbara von Rotberg (FDP), die Lehrerin an der Grund- und Werkrealschule ist, sagte, die Sozialarbeit sei „an der Schule unumstritten“. Von Rotberg sprach von „nicht regelkonformem Verhalten“ von Schülern und „Helikoptereltern“. Die Gewaltbereitschaft der Kinder sei zum Teil „gravierend“. Kinder würden auch über WhatsApp gemobbt. Einigen Eltern macht die FDP-Rätin Vorwürfe: „Eltern sind oft nicht mehr bereit, zu erziehen. Sie wollen der beste Freund ihres Kindes sein, setzen aber keine Grenzen – viele Kinder dürfen alles.“ Für die Lehrer sei die Sozialarbeit ein „Geschenk“. Auch viele Eltern, sagte Gregor Adam, seien über die Hilfe dankbar. Der Unterstützungsbedarf, so Adam, sei „kein Randthema für Einzelne“. Er betreffe eine „größere Zahl an Schülerinnen und Schülern in allen Klassen“. Für den Sozialarbeiter ist die Arbeit an Grundschulen „selbstverständlich“: Dies sei „keine Besonderheit oder ein seltener Einzelfall an einer Großstadt-Brennpunktschule“.




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