Schulen in Stuttgart Schulsanierungen geraten ins Stocken – es fehlen Handwerker

Die 11,5-Millionen-Generalsanierung an der denkmalgeschützten Schwabschule im Stuttgarter Westen ist noch lange nicht abgeschlossen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Holpriger Start nach den Sommerferien: Einige Schulen müssen improvisieren, weil Möbel fehlen oder die Deckensanierung nicht fertig geworden ist. Doch auch im Hochbauamt läuft wegen Personalmangels nicht alles rund.

Stuttgart - Während sich wenige Tage vor Schulbeginn in und an der Schwabschule im Stuttgarter Westen der ein oder andere Handwerker an der Generalsanierung zu schaffen macht – bei der Dachsanierung, dem Heizungseinbau und dem Aufzugbau – , herrscht an der Louis-Leitz-Schule in Feuerbach Totenstille. Im Klassentrakt, dessen Räume auf den Rohbauzustand zurückgebaut wurden, ist kein Handwerker zu sehen. Und im Hochhaus, das nach einer Generalsanierung samt Brandschutz- und Wlan-Nachrüstung zu Schulbeginn wieder bezugsfertig sein sollte, fehlen in drei dringend benötigten Klassenzimmern noch Tische und Tafel, konnten PCs deshalb noch nicht installiert werden. „Da müssen wir für unsere angehenden Kaufleute für Büromanagement wohl Trockenunterricht machen“, meint Schulleiter Marc van Bergen. Die Louis-Leitz-Schule ist nicht die einzige Schule, an der improvisiert werden muss. Denn die Stadt kommt mit ihren Baumaßnahmen kaum hinterher, kann Zeitpläne nicht einhalten.

 

Stellenmangel im Schulverwaltungsamt, Personalmangel im Hochbauamt

Das hatte Bürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) bereits im Schulbeirat eingeräumt. Sie nannte aber auch die Gründe: Personell brauche das Schulverwaltungsamt noch „deutliche Unterstützung“, machte sie im Vorfeld der anstehenden Haushaltsberatungen klar.

Doch auch im Hochbauamt, das die Schulsanierungen dann planen und umsetzen soll, läuft es nicht rund: „Noch immer sind bei uns einige Stellen unbesetzt, sechs Stellenausschreibungen laufen noch“, räumt Gregor Gölz ein, der dort die Abteilung Schulbauten leitet. „Der Markt für Architekten und Ingenieure ist quasi leer gefegt“. Ein Teil der 19 zusätzlichen Personalstellen, dessen Bedarf vor zwei Jahren ermittelt und vom Gemeinderat bewilligt worden war, sei zwar inzwischen besetzt – „die Kollegen sind in der Einarbeitungsphase“, so Gölz. Aber der Umfang und die Zahl der Maßnahmen würden ständig erweitert und fortgeschrieben – seit dem Jahr 2010 seien rund 500 Sanierungsbedarfe dazugekommen.

Aber auch die Bauwirtschaft sei „so am Anschlag, dass das Bauen schwierig ist“, sagt Gölz. Das konkrete Problem: „Wir haben grundsätzlich große Schwierigkeiten, ausreichend Angebote auf unsere Ausschreibungen zu bekommen“, so Gölz. „Die Firmen sind mehr als 100 Prozent ausgelastet – das führt dazu, dass wir unsere Maßnahmen strecken müssen.“

Zum Teil habe man Firmen wegen schlechter Arbeitsleistung aber auch kündigen müssen – so etwa beim Neubau der Turnhalle an der Falkertschule im Stuttgarter Westen. Deshalb werde die Fertigstellung zum Schulbeginn nicht klappen. Laut Schulverwaltungsamt liegen auch die Bauarbeiten für die Deckensanierung in der Rosenschule und die Mensa an der Albschule nicht ganz im Zeitplan. „Der Schulbetrieb wird zu Schuljahresbeginn dennoch aufgenommen werden können“, versichert Amtsleiter Andreas Hein. „Im Falle der Albschule ist auch die Mittagessensversorgung gewährleistet“, sagt er.

Bei Generalsanierungen muss der Schulbetrieb ausgelagert werden

Javier Bellviure, der im Schulverwaltungsamt die Abteilung Gebäudemanagement Schulen und Schulsportanlagen leitet, erklärt, weshalb man nicht allen Sanierungswünschen sofort nachkommen könne, etwa, wenn gebeten werde: „Macht bei uns doch eine Digitalisierung.“ Dies sei eben nicht so einfach, da damit in der Regel auch eine Elektrosanierung einhergehe. Denn an vielen Schulen sei die Stromversorgung nicht zeitgemäß. Das bedeute aber: Alle Wände müssen aufgerissen werden, das werde schnell zur Großmaßnahme. Schwer vorstellbar bei laufendem Schulbetrieb. Deshalb wird bei Generalsanierungen die Schule ganz oder teilweise ausgelagert – nicht nur logistisch eine Herausforderung. Denn nicht überall geht das so einfach wie bei der Schwabschule, deren Schulbetrieb seit einem Jahr komplett ins direkt benachbarte Gebäude der ehemaligen Friedensschule ausgelagert wird. Anders geht es nicht, wenn in den denkmalgeschützten Bau aus dem Jahr 1900 über fünf Geschosse ein Aufzug eingebaut wird, um die Schule barrierefrei zu machen, neue Fenster reinkommen und das Dach erneuert wird, damit Schluss ist mit großen Wasserflecken an den Decken.

15,3 Millionen Euro kostet die Generalsanierung der Louis-Leitz-Schule

An der Louis-Leitz-Schule muss man sich anders behelfen: Dort wird der Unterricht während der Generalsanierung der einzelnen Bauabschnitte auf fünf Standorte verteilt – neben den Containern im Hof auch auf drei Außenstellen. Aber Schulleiter van Bergen hat vor allem ein Ziel vor Augen: dass seine Kaufmännische Schule auch halten kann, was das neue Etikett verspricht. Nämlich Kompetenzzentrum für Büromanagement, Industrie und Personaldienstleistung zu sein. Mit modernst ausgestatteten Räumen, nagelneuen PCs und tip top Toiletten.

15,3 Millionen Euro lässt sich die Stadt das kosten. Da sei er dankbar, so van Bergen. Und einiges sei ja auch schon fertig oder fast fertig. Etwa das neue Lehrerzimmer. Dass dort die Verkabelung und die PCs noch fehlen: geschenkt.

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