Schulpolitik Zum Fest ein Frontalangriff auf die Chefin

Gabriele Warminski-Leitheußer sagt, sie setze auf offene Kommunikation. Foto: dpa 3 Bilder
Gabriele Warminski-Leitheußer sagt, sie setze auf "offene Kommunikation". Foto: dpa

Misstrauen, Distanz, mangelnde Transparenz: Die Kultusministerin sieht sich mit massiver Kritik aus ihrem eigenen Apparat konfrontiert.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Die äußere Form des Briefs stand in pikantem Kontrast zu seinem Inhalt. Tannenzweige mit Glöckchen, ein Christbaum, eine heimelige Winterlandschaft - alles wirkte weihnachtlich an dem Rundschreiben ihres Chefs, das die Mitarbeiter der Abteilung 2 (Schulorganisation, Lehrerbildung) im Kultusministerium kurz vor dem Fest erreichte. "Zum Jahreswechsel 2011/2012" lautete der Betreff, dem allgemeine Betrachtungen über die unruhigen Zeiten folgten.

International die Schuldenkrise, national die Energiewende, im Land der Machtwechsel, in Stuttgart der Kampf um den Bahnhof - überall sei die Welt in Aufruhr. Dann aber kam der Autor, der altgediente Abteilungsleiter Manfred Hahl, zu den Problemen im eigenen Haus. Dort werde der Wechsel an der Spitze "von vielen von uns weniger als Aufbruch als vielmehr als Abbruch wahrgenommen". Enttäuscht worden sei der von Anfang an erklärte Willen der Fachabteilungen, "loyal und engagiert mit der neuen Führung zusammenzuarbeiten".

Abschottung und mangelndes Vertrauen

Stattdessen wahre die "bis ins Mark misstrauische Amtsleitung" eine Distanz, wie man sie weder aus der Vergangenheit noch aktuell aus anderen Ministerien kenne. "Eine verlässliche Kommunikation und Arbeitsweise ist noch immer nicht in Sicht, ja, wird immer unwahrscheinlicher", konstatierte Hahl. Vielmehr seien "Verluste an Professionalität, an Transparenz und beim Betriebsklima" zu beklagen. Umso dankbarer sei er den Kollegen, schrieb der Ministerialdirigent, "dass Sie auch unter solchen Umständen alles daransetzen, Ihren Sachverstand zur Geltung zu bringen".

Hahls internes Rundschreiben war gewiss nicht für die Öffentlichkeit bestimmt; dazu ist der Verfasser, der sich gegenüber der StZ nicht äußern wollte, viel zu sehr korrekter Beamter. Doch er hätte seine Klagen wohl kaum zu Papier gebracht, wenn er sich bei den Adressaten nicht breiter Zustimmung sicher gewesen wäre. Tatsächlich dokumentiert sein Brandbrief einen Unmut, der seit dem Amtsantritt von Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) durch das Kultusministerium wabert und sich immer wieder in Indiskretionen Luft verschafft - bisher freilich eher anonym.

Der Tenor des Lamentos: während in anderen Ressorts der Apparat von den neuen Regierenden eingebunden werde und den Politikwechsel loyal unterstütze, schotte sich die neue Spitze im "Kumi" ab. Mangels Vertrauen bleibe der angebotene Sachverstand der Mitarbeiter ungenutzt, "GWL" (so der Spitzname der Kultusministerin) und ihre Getreuen - vorneweg der Staatssekretär Frank Mentrup und die Amtschefin Margret Ruep - dekretierten den Kurs von oben herab.

Unsere Empfehlung für Sie