Schulsanierung in Gerlingen Wird Schule komplett Baustelle?

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Bisher war die Sanierung der Realschule in Bauabschnitten über mehrere Schuljahre geplant. Nun prüft das Bauamt die Arbeiten am Stück, mit Auslagerung und einem Interimsbau.

Auch der Pausenhof der Gerlinger Realschule wird sich verändern. Foto: factum/Archiv
Auch der Pausenhof der Gerlinger Realschule wird sich verändern. Foto: factum/Archiv

Gerlingen - Es wird das größte Schulsanierungsprojekt in Gerlingen der letzten Jahre – noch umfangreicher als die Bauarbeiten im benachbarten Gymnasium zwischen 2010 und 2013. Von drei oder vier Jahren Bauzeit und an die 20 Millionen Euro Baukosten war bis jetzt die Rede. Erfahrene Schulbauplaner aus Stuttgart gewannen 2017 den Architektenwettbewerb.

Nach ihrem Entwurf soll anstelle der bisherigen Turnhalle ein Neubau mit der Mensa entstehen, zudem ein Anbau an das bestehende Gebäude, der Rest wird saniert. All dies sollte gemacht werden, während in einem Teil des Gebäudes Unterricht stattfindet – die Baustelle würde in Abschnitten durch das Haus wandern. Diese Vorgabe ist nun infrage gestellt: Das Stadtbauamt prüft die Sanierung am Stück. Dazu müsste die Schule komplett umziehen – in benachbarte Schulen und in einen neuen Interimsbau in der Nähe. Damit wäre das Credo „keine Container“ des Gemeinderats vom Tisch.

„Ein Interimsgebäude ist eine Option“

Der Stadtbaumeister Thomas Günther hat es unserer Zeitung bestätigt: „Wir prüfen die Gesamtauslagerung. Ein Interimsgebäude für einen Teil der Schule ist eine Option.“ Das heißt: Das komplette Schulhaus wird leer gemacht, die Schule aufgeteilt: Ein Teil der Schüler käme in den Räumen der Pestalozzi-, ein anderer Teil im Robert-Bosch-Gymnasium und ein dritter in einem noch zu bauenden Interimsbau in der Nähe unter. Die Sanierung könnte am Stück erfolgen, ohne wechselnde Provisorien im Haus. „Wenn die Schule komplett leer ist, können wir schneller bauen“, so Günther. Die Sanierung am Stück würde günstiger als beim Bauen in Abschnitten. Nicht nur deshalb, weil die Baupreise stetig steigen. Alle Möglichkeiten rechne man zurzeit durch. Nötig sind 19 Klassenzimmer für sechs Klassenstufen, dazu die Fachräume und die Verwaltung.

Wenn ein Teil der Schule während der Bauarbeiten genutzt werde, seien viele wechselnde Einbauten nötig. Unter anderem müssten Trennwände immer wieder verändert werden – Kosten, die beim Umbau am Stück wegfallen. Günthers Fazit: „Das gibt sich finanziell nicht viel. In einem Rohbau zu beginnen, ist am geschicktesten und günstigsten. Die Aussage ,unter keinen Umständen Container’ ist infrage gestellt.“ Nach Informationen unserer Zeitung haben Stadträte nicht ablehnend reagiert, als sie erstmals von diesen Überlegungen hörten. Der Gemeinderat hat bereits fast alle Fachplaner beauftragt. Als Baubeginn ist der Anfang der Sommerferien im Jahr 2019 angestrebt.

Fast alle neuen fünften Klassen belegt

„Ich habe noch keine Terminplanung gesehen“, sagt der Schulleiter Eiko Schwalbe. Der Abbruch der alten Turnhalle und des Brückenbaus von Juli nächsten Jahres an sei schon länger Konsens. Dass die Realschule nach wie vor beliebt ist, hätten die Anmeldungen im März bestätigt. Fast alle 90 Plätze in drei neuen fünften Klassen seien angefragt, und weitere Schüler suchten noch nach ihrer neuen Schule. Eines will der Rektor aber auf keinen Fall: „Wir können wegen der Baustelle keine vierte fünfte Klasse haben.“ Denn das bedeutet mit jedem folgenden Schuljahr einen höheren Platzbedarf. Immerhin sei der Bedarf der Schule – entgegen früheren Festlegungen – mittlerweile bei drei Klassen pro Stufe festgelegt. Bei den nötigen Auslagerungen legt Schwalbe auf eines Wert: „Die Klassen neun und zehn müssen wegen der Prüfungen ideale Bedingungen haben.“ Und Unterricht solle wegen der Bauarbeiten auch nicht ausfallen.

Die CDU-Fraktion im Gemeinderat befürworte die Überlegungen des Stadtbauamts, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Christian Haag unserer Zeitung. Der mögliche Zeitgewinn sei entscheidend „und auch, was uns dieser wert ist“. „Man kann sich den Überlegungen kaum verschließen“, meint die SPD-Fraktionschefin Brigitte Fink. Petra Bischoff (Freie Wähler) ist gespannt auf die Zahlen der Alternativen – und auch, wo der Interimsbau stehen und wie dieser aussehen könnte. Außerdem müsse man mit der Schule und mit den Eltern reden.