Die CSU-Landtagsfraktion beschließt eine Gymnasialreform für Bayern auf Drängen Seehofers und der Schulbasis.

Korrespondenten: Paul Kreiner (pk)

München - Bis Ostern sollte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle eigentlich nur „Eckpunkte“ für eine mögliche Reform vorlegen, die dann irgendwann im Herbst beschlossen werden könnte. So hatte es, recht zögerlich, die CSU-Fraktion im Münchner Landtag bestellt, weil sie sich selbst nicht einigen konnte oder mochte auf eine Rückkehr vom acht- aufs neunjährige Gymnasium in Bayern. Jetzt sind es noch zehn Tage bis Ostern – und die Fraktion hat sich selber überholt: Diesen Mittwoch hat sie beschlossen, das ungeliebte G8 in Pension zu schicken und zum Schuljahr 2018/19 das G9 wieder einzuführen. Weil die CSU in Bayern mit absoluter Mehrheit regiert, weil sich ferner der Rest des Landesparlaments in bisheriger Opposition zur Regierungspartei längst fürs G9 entschieden hat, ist der Rest des Gesetzgebungsverfahrens jetzt nur mehr Formsache. Dass sich die Entscheidung so beschleunigt hat, liegt auch an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), der im Stillen erst seine eigene Wende vollzog, dann das publikumswirksame Thema rechtzeitig vor den Wahlen vom Tisch haben wollte und zwischendurch – an der verblüfften Fraktion vorbei – einen speziellen „Kabinettsausschuss“ dafür eingerichtet hatte.

Mehr zeitgemäße Unterrichtsinhalte

Eine Rückkehr zum alten G9, das Seehofers Vorvorgänger Edmund Stoiber mit dem Schuljahr 2004/05 überfallartig hatte aussetzen lassen, wird es aber nicht geben. Das neunjährige Gymnasium künftigen Zuschnitts soll mehr Stunden, neue Fächer – wie etwa Informatik flächendeckend –, und andere „zeitgemäße“ Unterrichtsinhalte bekommen. Zusätzlich wird eine „Überholspur“ eingebaut für Schüler, die es eiliger haben: Sie sollen künftig die elfte Klasse „auslassen“ können und das Gymnasium dann faktisch in acht Jahren hinter sich bringen. Individuelle Zusatzkurse über zwei Jahre hinweg sollen den Interessierten vorab die dann entfallenden Inhalte aus Klasse 11 vermitteln. Bisher wird das Überspringen einzelner Klassen örtlich recht unterschiedlich gehandhabt. Auch für Auslandsaufenthalte kann die elfte Klasse genutzt werden.

Teil eines Bildungspaktes

Die Zustimmung zur Reform der Reform wurde der lange widerstrebenden Landtagsfraktion auch dadurch leichter gemacht, dass nun nicht nur jene 1000 Lehrer eingestellt werden, die für das neue G9 nötig sind, sondern dass auch andere Schularten – etwa für die berufliche Bildung oder die Inklusion von Behinderten – 800 neue Stellen erhalten und alles nur Teil eines „großen Bildungspakets“ sein soll. Die Basis hat ohnehin längst entschieden. Eltern- und Lehrerverbände fordern das neunjährige Gymnasium schon lange, und im Bayerischen Rundfunkt bekräftigte am Mittwoch der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Michael Schwägerl: „Das zusätzliche Jahr wird den Schülerinnen und Schülern guttun. Es bewirkt größere Nachhaltigkeit, mehr Vertiefungsmöglichkeiten und wird die Qualität des Gymnasiums noch einmal steigern.“ Auch die Schüler haben faktisch schon abgestimmt: An jenen 47 Pilotschulen des Landes, an denen Gymnasiasten seit 2015 zwischen acht- und neunjähriger Schulzeit wählen dürfen, haben sich zwei Drittel für die neun Jahre entschieden. www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.die-bayern-und-das-gymnasium-jetzt-aber- ganz-schnell-zurueck.81f2e3a8-03a3-4e25-8cba-bd4c5eb98ac8.html www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kommentar-zu-g8-g9-glaubenskrieg-um- die-schulzeit.3e9c2170-72db-41f0-ad84-993048eb66bf.html

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