Schulumbau in Bietigheim-Bissingen Unten Turnen, oben Essen

So soll die neue Turnhalle der Hillerschule aussehen: Auf der Turnhalle liegen L-förmig die Ganztagesbetreuung und die Mensa. Der Rest ist Außenbereich. Foto: factum/Weise
So soll die neue Turnhalle der Hillerschule aussehen: Auf der Turnhalle liegen L-förmig die Ganztagesbetreuung und die Mensa. Der Rest ist Außenbereich. Foto: factum/Weise

Die Hillerschule bekommt eine neue Gymnastikhalle für 4,5 Millionen Euro. Der Siegerentwurf stammt von einem Büro, das derzeit mit einer anderen Stadt im Kreis vor Gericht streitet.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Bietigheim-Bissingen - Wer dieser Tage einen Blick in die Zukunft der Schullandschaft in Bietigheim-Bissingen wagen möchte, kann dies in einem Einkaufszentrum tun. In den Marktplatz-Arkaden hat die Stadt jene 15 Entwürfe diverser Architektenbüros ausgestellt, die aus Sicht der Jury am meisten überzeugten. Es geht um den Neubau der Gymnastikhalle der Hillerschule in der Bietigheimer Altstadt, die die Stadt nach vorläufigen Berechnungen rund 4,5 Millionen Euro kosten wird. Die bisherige Halle ist in die Jahre gekommen und soll abgerissen werden.

Doch das ist nicht alles: Die Grundschule, die derzeit Platz für etwa 600 Schüler bietet, soll fit gemacht werden für die Anforderungen einer Ganztagesgrundschule. Soll heißen: es braucht Betreuungsplätze und eine Mensa. Aber viel Platz gibt es an der Ecke Turmstraße und Hillerstraße nicht, zumal eine der Vorgaben der Stadt bei der räumlichen Umgestaltung der Schule war, dass der Hof zwischen dem Schulgebäude und der Turnhalle nicht kleiner werden dürfe. Zudem steht die Altstadt Bietigheim als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Das Frankfurter Büro O5 setzt sich gegen 99 Mitbewerber durch

Genau 100 Architektenbüros bewarben sich bei dem von der Stadt europaweit ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb, 15 davon blieben nach einem Losentscheid übrig. So läuft das übliche, von der Architektenfachkammer vorgegebene Verfahren. Eine 23-köpfige Jury krönte dann einen Sieger – und zwar einstimmig, wie der Oberbürgermeister Jürgen Kessing (SPD) bei der Präsentation anmerkte. Der Siegerentwurf stammt von dem Frankfurter Architektenbüro O5 – jenem Büro, das zurzeit mit der Stadt Remseck vor Gericht einen Rechtsstreit austrägt, weil die Stadt, wie berichtet, ihnen als Planer für die Neue Mitte gekündigt hat.

Der Entwurf von O5 in Bietigheim sieht vor, die Turnhalle in ihrer Gesamtfläche nach Norden zu vergrößern. Bisher gibt es dort Parkplätze. Außerdem wird die Halle tiefer gelegt und bekommt eine zweite Etage, in der künftig die Ganztagesbetreuung sowie die Schulmensa liegen sollen. „Damit haben wir die Fläche auf zwei Ebenen nutzbar gemacht“ sagte Kessing. Besonders gefallen habe der Jury an dem Entwurf, dass sich die Außenwand mit ihrer Mauerwerksfassade optisch an der Stadtmauer orientiere, sagte die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes, Andrea Schwarz. Weil der zweite Stock bislang nur L-förmig auf der Turnhalle aufgesetzt geplant sei, könne man die frei bleibende Fläche entweder als Außenbereich nutzen oder hier zu einem späteren Zeitpunkt noch anbauen. „Man weiß ja nicht genau, wie sich das Thema Ganztagesbetreuung weiter entwickeln wird“, kommentierte Kessing.

Es wäre das erste Engagement von O5 in Bietigheim-Bissingen

Das Architektenbüro O5 ist kein unbeschriebenes Blatt, was Schulbauten angeht. Die Frankfurter sind nach eigenen Angaben spezialisiert auf Schulen und Mehrzweckräume. In der Stadt Bietigheim wäre es jedoch ihr erstes Engagement. Nachdem sie den Realisierungswettbewerb gewonnen haben, wird die Verwaltung mit ihnen in Gespräche treten, inwiefern sich die Pläne von O5 in die Tat umsetzen lassen. Können sich beide einigen, was Baupreis und Konzept angeht, soll der Gemeinderat noch vor der Sommerpause den Baubeschluss fassen und damit O5 beauftragen. Auf dem zweiten Platz landeten die ortsansässigen FKS Generalplaner in Zusammenarbeit mit Geiger Ingenieure, ebenfalls aus Bietigheim-Bissingen. Den dritten Preis erhielt die Kayer Architekten GmbH in Zusammenarbeit mit dem ibk Statikteam, beide kommen aus Aalen.

Der Baubeginn soll im Jahr 2017 nach der Sommerpause sein, die Bauzeit etwa zweieinhalb Jahre betragen. Die Schüler der Hillerschule müssen in dieser Zeit ihren Sport woanders betreiben. Im Gespräch hierfür sind das Sportcenter Ballkult im Ellental, das Schwimmbad, die Trainingshalle der Judoka, die Sporthalle am Viadukt sowie im Sommer die Leichtathletik-Anlage im Ellental. „Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagte Oberbürgermeister Kessing.




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