Schwäbische Brezel vor dem Aus Stuttgarter sind von Aufbackbäckereien genervt

Von jo 

Für Liebhaber der schwäbischen Brezel ist es eine bittere Pille: Viele Bäckereien in Stuttgart setzen auf automatische Herstellung und Fertigteig. Auf Facebook machen unsere Leser klar, dass ihnen das überhaupt nicht schmeckt.

So kennt man und so liebt man sie: die schwäbische Brezel. Foto: dpa 7 Bilder
So kennt man und so liebt man sie: die schwäbische Brezel. Foto: dpa

Stuttgart - Der Bauch muss dick, die Ärmchen müssen dünn und knusprig sein – wenn es um die perfekte schwäbische Brezel geht, kennen Liebhaber der traditionellen Backware keine Kompromisse. Denn die Laugenbrezel schmeckt auch immer ein bisschen nach Heimat, ist sie doch die schwäbischste aller schwäbischen Backwaren. Das höchste der Gefühle ist es, wenn die Brezel noch von Hand gemacht ist.

Der schwäbischen Brezel droht das Aus

Doch schleichend und von vielen Kunden unbemerkt ist das schwäbische Backwerk dabei, seine Form zu verlieren. Der Grund: Viele Betriebe sind in den vergangenen Jahren auf automatische Schlingmaschinen und Tiefkühlteig umgestiegen. Die Folge: Der Teig für die maschinell hergestellte Brezel wird viel dicker und fester. Dann sind die Ärmchen kaum dünner als der Brezelbauch, fast wie bei der bayerischen Brez’n.

Bürgerbewegung für die Brezel

Auf einen Bericht unserer Zeitung hin entfachte auf Facebook eine rege Diskussion unter unseren Lesern. Viele User sind traurig über die Vorstellung, dass die schwäbische Brezel vor dem Aus steht. So spricht Leser Uwe Seidel vielen aus der Seele, wenn er schreibt: „Das was bei fast allen Bäckereien verkauft wird hat nichts mehr mit Brezel zu tun und ist das schleichende Ende unseres Kulturguts. Teigige, labbrige Stücke in Brezelform, die wahrscheinlich kostengünstig herzustellen sind.“ Und er fügt hinzu: „Wir sollten eine Bürgerbewegung zum Erhalt der Brezel gründen!“ Rouven Jefrem Alberdes schreibt: „Ich bin ein großer Liebhaber der schwäbischen Brezel! Das Aus wäre für mich ein Schlag ins Gesicht.“

Leserin Bettina Taisic schlägt in die selbe Kerbe: „Ich vermisse die Brezeln, die ich als Kind mit in die Schule gekriegt habe. Es gibt kaum noch richtige Brezeln!“, schreibt sie. „Der Teig schmeckt anders, die Lauge ist nicht wie früher, sie werden ganz schnell latschig und sie kleben an den Zähnen.“

Fast schon desillusioniert klingt Nutzer Christopher Bach: „Man nenne mir einen „Bäcker“ in Stuttgart, der noch gutes Gebäck herstellt und nicht bloß Backmischungen zusammenrührt und die dann teuer verkauft.“ Es gehe eben nichts über gutes Backwerk zu einem fairen Preis. Das treffe „aber sicher nicht für die ganzen Aufbackbäckereien in Stuttgart“ zu.

Doch es gibt unter den Brezel-Gourmets auch einige Schwaben, die aus der Reihe tanzen. „Also wenn ich Salzstangen will, kaufe ich Salzstangen. Ich mag es schön fluffig auch als Bioschwabe!“, schreibt beispielsweise Petra Schweiker.

Besonders leidenschaftlich diskutieren unsere Leser die Frage, wo es in Stuttgart die besten Brezeln gibt. Und auch hier zeigt sich ganz deutlich: Geschmäcker sind eben verschieden.

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