Segelregatta Vendée Globe Rettungsdrama im Südpolarmeer

Hier fährt sie noch. Der Segler Kevin Escoffier hat mit seiner Jacht „PRB“ bei der Vendée Globe Schiffbruch erlitten und konnte  in einer dramatischen Aktion gerettet werden. Foto: AFP/JEAN-FRANCOIS MONIER
Hier fährt sie noch. Der Segler Kevin Escoffier hat mit seiner Jacht „PRB“ bei der Vendée Globe Schiffbruch erlitten und konnte in einer dramatischen Aktion gerettet werden. Foto: AFP/JEAN-FRANCOIS MONIER

Bei der Regatta Vendée Globe sinkt die Jacht eines Seglers. Der kann erst nach Stunden von einem Konkurrenten aus der Lebensgefahr gerettet werden.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Paris - Dramatische Rettungsaktion im Südpolarmeer. Um 14.46 Uhr sendet der Segler Kevin Escoffier am Montag plötzlich ein Notsignal, dann bricht der Kontakt ab und der Skipper bleibt über Stunden verschollen. Sofort startet die Rennleitung der Segelregatta Vendée Globe eine Suchaktion. Sicher ist nur, dass der Franzose nach einem starken Wassereinbruch seine Rennjacht „PRB“ aufgeben musste und 840 Seemeilen südwestlich von Kapstadt in eine Rettungsinsel umgestiegen ist. Nach bangen Stunden meldet sich Kevin Escoffier schließlich um 2.06 Uhr müde, aber glücklich lächelnd in einer Videosequenz von Bord der Jacht „Yes We Cam!“ bei den Suchmannschaften.

Mit dem Bug in eine Welle gebohrt

Was der Segler dann von der Havarie berichtet, stammt aus dem Drehbuch eines Horrorfilmes. „Innerhalb von Sekunden hat sich das Boot in eine Welle gebohrt und der Bug wurde um 90 Grad nach oben gefaltet. Ich habe meinen Kopf im Cockpit runtergenommen, als eine neue Welle kam. Ich hatte Zeit, eine Textnachricht zu schicken. Dann hat das einbrechende Wasser die Elektronik lahmgelegt. Es war total verrückt.“ Das Schiff sei von den ungeheuren Naturgewalten „einfach zusammengefaltet“ worden. „Sie kennen sicher die Filme von Schiffsuntergängen, das war so ähnlich – nur schlimmer“, erzählt Kevin Escoffier von den Minuten des Untergangs.

Stundenlange Suche nach der Rettungsinsel

Sein Vendée-Globe-Konkurrent Jean Le Cam befand sich zu dieser Zeit nur einige Meilen entfernt und machte sich sofort auf den Weg zur Rettung. Auch der Hamburger Boris Herrmann wurde von der Rennleitung über Funk aufgefordert, mit seiner Jacht „Seaexplorer“ an der Suche teilzunehmen. Gegen Abend hatte Jean Le Cam dann zwar Sichtkontakt zu seinem Kollegen in der Rettungsinsel, doch wegen des starken Windes, der bis zu fünf Meter hohen Wellen und der einbrechenden Dunkelheit verlor er ihn wieder aus den Augen. Nach Stunden gelang es schließlich, den Verunglückten an Bord zu holen.

Die Vendée Globe gilt als die härteste Segelregatta der Welt. Der Kurs geht einmal rund um den Erdball und es wird wahrscheinlich nur knapp über die Hälfte der 32 Starter Mitte Januar wieder am Ausgangspunkt im westfranzösischen Les Sables d’Olonne eintreffen – zu hart sind die Bedingungen für Mensch und Boot. Der legendäre Wettbewerb findet alle vier Jahre statt und wird wegen der günstigen Bedingungen im Südpazifik Anfang November gestartet. Gesegelt wird übrigens einhand, also alleine, die Teilnehmer dürfen auch keinen Hafen anlaufen und müssen alle anfallenden Reparaturen selbst vornehmen.

Retter erhalten Zeitgutschrift

Während der aktuelle Spitzenreiter Charlie Dalin aus Frankreich mit seiner Rennjacht „Apivia“ das Kap der Guten Hoffnung bereits passiert hat, rückte Herrmann auf Platz sechs vor. Wie alle Teilnehmer an der Rettungsmission darf der Hamburger mit einer Zeitgutschrift rechnen.

Der Retter Jean Le Cam hat wohl keine Sekunde gezögert, seinem Mitstreiter zu Hilfe zu kommen. Denn der Franzose kennt das Gefühl, eine solche Katastrophe am eigenen Leite zu erleben. Vor knapp zwölf Jahren musst er selbst eine lebensbedrohliche Situation durchstehen. Damals kenterte seine Jacht bei dem Rennen vor Kap Hoorn und Jean Le Cam musste von einem Konkurrenten von seinem auf dem Kopf treibenden Schiff gerettet werden.




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